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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaktions  -  Komitee. 


1 1 


Jahrgang  1904. 

Januar  bis  Juni. 


Mit  16  Abbildungen  im  Text  und  1  Karte. 


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Dresden. 

r"  ^ er  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 
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Redaktions -Komitee  für  1904. 

Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Mitglieder:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  W.  Hallwachs,  Pro> 
Dr.  R.  Heger,  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Dr.  B.  Schorler  und  Oberlehrer  D 

J.  Thallwitz. 

Verantwortlicher  Redakteur:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deich müller. 


Inhalt, 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sektion  für  Zoologie  S.  3.  —  Heller,  K.:  Flügelloses  Weibchen  von  Pachypus 
caesus ,  Australiens  Menschen  und  Tiere,  neue  Literatur  S.  3.  —  Schorler,  B. : 
G-allionella  ferruginea ,  neue  Literatur  S.  3.  —  Thallwitz,  J.:  Kleintierwelt  des 
Moritzhurger  Grofsteiches  S.  3. —  Thümer,  A.:  Neue  Standorte  von  Orchis  globosa 
und  0.  ustulata  S.  3.  —  Viehmeyer,  H.:  Pseudogyne  Arbeiterform  von  Formica 
sanguinea  S.  3. 

II.  Sektion  für  Botanik  S.  3.  —  Drude,  0.:  Flora  von  Java  S.  4;  Laubwechsel  von 
Holzgewächsen  der  Tropen,  Zusammenhang  von  Blattvariation  und  ökologischen  Faktoren 
S.  6;  Vorlage  von  Photographien  S.  5  und  der  Nachbildung  eines  Deckengemäldes  S.  6; 
geographische  Verbreitung  der  Moschusochsen,  mit  Bern,  von  K.  Deninger  S.  5.  — 
Haupt,  H. :  Biologie  adriatischer  Meeresalgen  S.  5;  Mifsbildung  von  Anemone 
narcissifiora  S.  6.  —  Naumann,  A.:  Naturwissenschaftliches  aus  den  österreichischen 
Küstenländern,  Literaturvorlage  S.  5.  —  Scheidhauer ,  R.:  Biologie  der  Wasservege¬ 
tation  des  Grödler  Kanals  S.  5.  —  Schiller,  K.:  Neue  Literatur  S.  5.  —  Schorler,  P 
Chinarindenbäume,  botanische  Ergebnisse  der  belgischen  Südpolarexpedition  S.  4;  1 
reicherungen  der  Flora  Saxonica  S.  6;  Vorlage  von  Photographien  S.  5.  —  Vie 
meyer,  H.:  Künstliches  Gipsnest  zur  Beobachtung  von  Ameisen,  Dinar  da-  Form 
S.  5.  —  Worgitzky,  E.:  Blütenbiologie  der  Gattung  Saxifraga  S.  6. 

III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  6.  —  Deninger,  K.:  Geologisches  a 
Sardinien  S.  7.  —  Kalkowsky,  E.:  Flufsspat  und  Kalkspat  vom  Oltschikopf  S 
Graphit  von  Ceylon,  Phosphoreszenz  des  Quarzes,  neue  Literatur  S.  7.  —  Mann, 
Zinnerzlagerstätten  im  sächsischen  Erzgebirge  S.  6;  neue  Fossilfunde  an  der  Tepl' 
Strafse  inDresden,  Kupfererzlagerstätten  von  Klingenthal- Grafslitz  S.7.  — Wagne 
Diluvium  in  Nordeuropa  S.  6. 

IY.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen  S.  7.  —  Deichmüller,  J.:  Bu 
von  Schaddel,  zeitliche  Gruppierung  der  Urnenfelder  S.  8;  neue  Funde  in  de. 
gebungen  von  Dresden  und  Leipzig,  Verbreitung  der  steinzeitlichen  Niederlassu 
in  Sachsen  S.  9;  neue  Literatur  S.  7.  —  Deninger,  K.:  Über  Pygmäen  S.  8 
Döring,  H. :  Wälle  bei  Nauberg,  Köllmichen  und  Förstgen  S.  7;  Vorlagen  S.  1 
Ebert,  0.:  Bandkeramik  der  steinzeitlichen  Gräberfelder  und  Wohnplätze  bei  Woi 
S.  7;  Ansichtskarten  von  Hünengräbern  S.  8.  —  Jentsch,  A. :  Burgstätte  und  ai 
Waldzeichen  gegenüber  dem  Bahnhof  Klotzsche  S.  7.  —  Klähr,  M.:  Steinzeitlicht 
Niederlassung  von  Piskowitz,  ürnenfunde  von  Schwochau  S.  9.  —  Mann,  0  • 
zeitliche  Wandmalereien  in  den  französischen  Höhlen  S.  9..  —  Sieber,  ( 
von  Gefäfsen  und  Münzen  S.  7. 

Y.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie  S.  10.  —  ^ 

Osmose  und  ihre  Anwendung  in  ^er  Technik  S.  10.  —  “ 

Prozesses  S.  10.  —  f ,  H.:  Lu 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1904, 


I.  Sektion  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  14.  Januar  1904.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
J.  Thallwitz.  —  Anwesend  35  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  B.  Schorler  legt  vor: 

Göldi,  A. :  Album  de  aves  amazonicas,  Fase.  1—24.  Zürich  1902. 

Prof.  Dr.  K.  Heller  legt  vor: 

Houlbert,  C. :  Les  insectes  ennemis  des  livres.  Paris  1903; 
Wandolleck,  B. :  Die  Stethopathidae,  eine  neue  Hügel- und  schwingerlose 
Familie  der  Diptera.  Zoolog.  Jahrb.  11.  Bd.,  1898, 

und  zeigt  und  bespricht  das  flügellose  Weibchen  von  Pacliypus  caesus 
(Koleoptere). 

Der  Vorsitzende  hält  einen  Vortrag  über  die  Kleintierwelt  des 
Moritzburger  Grofsteiches.  Zur  Erläuterung  dienen  zahlreiche  mikro¬ 
skopische  Präparate. 


Zweite  Sitzung  am  2.  Juni  1904  (in  Gemeinschaft  mit  der  Sektion 
für  Botanik;.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz.  —  Anwesend 
37  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  K.  Heller  spricht  in  längerem  Vortrage  über  Australiens 
Menschen  und  Tiere  mit  Vorlage  von  Bildern  und  Photographien. 

Lehrer  H.  Viehmeyer  trägt  über  die  pseudogyne  Arbeiterform 
von  Formica  sanguinea  Latr.  vor  und  demonstriert  diese  Formen. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  über  Gallion  eil  a  ferruginea,  eine  Eisen¬ 
bakterie.  Zur  Veranschaulichung  dienen  mikroskopische  Präparate  und 
Vorlagen  aus  der  Literatur  über  das  Objekt. 

Direktor  A.  Thürner  meldet  neue,  von  ihm  festgestellte  Standorte 
von  Orchis  globosa  L.  und  Orchis  ustulata  L. 


II.  Sektion  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  21.  Januar  1904.  Vorsitzender:  Dr.  B.  Schorler. 
—  Anwesend  32  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  bespricht  das  kürzlich  von  der  bota¬ 
nischen  Bibliothek  der  K.  Technischen  Hochschule  angeschaffte,  bereits  im 


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zweiten  Viertel  des  vorigen  Jahrhunderts  erschienene  prächtige  Abbildungs¬ 
werk  von  C.  L.  Blume  und  J.  B.  Fischer:  „Flora  Javae“.  Brüssel  1828, 
und  weist  auf  die  pflanzengeographisch  interessante  Verbreitung  javanischer 
Pflanzen  in  der  Jetztzeit  und  Vorzeit  hin. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  über  die  Chinarindenbäume  ( Cinchona ) 
mit  Vorlage  des  Herbarmaterials  aus  der  botanischen  Sammlung 

und  referiert  sodann  über  die  botanischen  Ergebnisse  der  bel¬ 
gischen  Südpolar-Expedition  (Belgica  1897  —  99)  an  der  Hand  der 
bisher  erschienenen  Arbeiten  von  Cardot  und  Stephani  über  die  Moose 
und  von  Wainio  über  die  Flechten.  Da  diese  Arbeiten  schwer  zugäng¬ 
lich  sind,  so  seien  hier  ihre  Ergebnisse  kurz  mitgeteilt. 

Als  Einleitung’  zu  seiner  Bearbeitung  der  auf  der  belgischen  antarktischen  Expe¬ 
dition  durch  Racovitza  gesammelten  Moose  gibt  Cardot  eine  pflanzengeographische 
Übersicht  über  die  Verbreitung  der  Moose  im  australen  Südamerika  von  45  °S.  an,  also 
in  dem  südlichen  Teile  des  antarktischen  Waldgebietes  von  Grisebach  (magellanischer 
Busch wald  Drudes).  Verfasser  rechnet  noch  die  Falklands  -  Inseln  diesem  Gebiete  zu. 
Im  australen  Südamerika  sind  bisher  227  Moosspezies  aufgefunden  worden,  davon  sind 
149  Arten  endemisch.  Unter  diesen  ist  die  Gattung  TJlota  mit  14  Spezies  sehr  stark 
vertreten,  dann  folgen  Dicranum  mit  11,,  Barbula  und  Campy/opus  mit  je  8,  Blindia 
mit  7,  Bacomitrium  mit  6  endemischen  Arten.  Die  pleurocarpischen  Moose  treten  sehr 
zurück.  Das  ganze  Gebiet  hat  nur  eine  einzige  endemische  Gattung,  nämlich  Hymenocleiston 
(Splachnaceae)  mit  der  einen  Art  H.  magellanicum  Dub.  Von  tropischen  Formen  sind 
noch  vorhanden  5  Macromitrium ,  1  Schlothrimia ,  2  Syrrhopodon  und  von  den  Hooke- 
riaceen  5  Distichophyllum ,  1  Mniadelplius  und  3  Pterygophyllum.  Als  negative  Charaktere 
der  Moosflora  dieses  Gebietes  werden  das  vollständige  Fehlen  der  Leucobryaceen,  der 
Fissidentaceen,  der  Gattungen  Dicranella ,  Mnium,  Pogonatum ,  Thuidium  und  Bhyn- 
chostegium  angeführt.  Die  magellanischen  Moose  weisen  in  ihrer  Verbreitung  auf  nahe 
Beziehungen  zu  den  nördlicheren  Teilen  der  pazifischen  Küste:  38  Arten  sind  beiden 
gemeinsam.  Eine  noch  giöfsere  Verwandtschaft  besteht  jedoch,  den  Phanerogamen  ent¬ 
sprechend,  zwischen  dem  magellanischen  Buschwald  und  den  südlicheren  Ländern  des 
pazifischen  Ozeans,  Neuseeland,  den  Aucklands -Inseln,  Tasmanien  und  selbst  dem  süd¬ 
östlichen  Teile  von  Australien.  Nicht  weniger  als  50  Arten  sind  diesen  weit  entfernten 
Ländern  gemeinsam.  24  Arten  kommen  noch  auf  den  Kerguelen  vor. 

Aus  den  südlichen  Teilen  des  antarktischen  Gebietes  waren  bisher  1  Phanerogame, 
nämlich  das  Gras  Aira  antarctica,  das  auf  Südshetland  unter  60— 63°  S.  Br.  gesammelt 
worden  war,  dagegen  15  Algen  und  Flechten  und  3  Moose,  nämlich  1  Bryum ,  1  Didy- 
modon  (?)  und  1  Barbula  bekannt.  Sie  waren  1843  durch  Hooker  auf  der  kleinen  Insel 
Cockburn  unter  64°  12'  S.  Br.  aufgefunden  worden.  Weitere  Phanerogamen  konnten  in 
diesen  Breiten  auch  durch  die  Expedition  der  Belgica  nicht  konstatiert  werden,  dafür 
aber  eine  grofse  Zahl  von  Moosen,  Flechten  und  Algen.  Die  Zahl  der  zwischen  dem 
64.  und  65.  Breitengrade  an  den  Steilküsten  der  Gerlachestrafse  (im  Dirck-Gherritzarchipel, 
im  Stielerschen  Handatlas  als  Bismarckstrafse  bezeichnet)  aufgefundenen  Moose  beträgt 
einschliefslich  der  3  Lebermoose  30.  Darunter  sind  15  neue  Arten  und  9  von  sehr 
weiter  Verbreitung.  Die  letzteren  sind  die  auch  bei  uns  verbreiteten  Ceratodon  pur - 
pureus ,  Distichium  capillaceum ,  Grimmia  Doniana,  Webera  nutans  und  W.  cruda, 
Pogonatuwi  alpinum ,  Polytrichum  strictum ,  Hypnum  uncinatum  und  H.  revolutum. 
Die  15  neuen  Arten  weisen  nahe  Beziehungen  zu  arktischen  Formen  auf,  und  Cardot 
betont,  dafs  die  antarktische  Mooswelt  in  ihrer  Gesamtheit  die  gröfsten  Ähnlichkeiten, 
ja  selbst  gemeinsame  Züge  mit  der  der  arktischen  Region  und  sehr  wenig  nur  mit  der 
der  magellanischen  Länder  aufweist. 

Das  gilt  in  gleicherweise  von  den  Flechten,  die  von  Wainio  bearbeitet  wurden. 
Er  konnte  in  der  Sammlung  Racovitzas  von  der  Gerlachestrafse  55  Spezies  feststellen. 
Davon  sind  21  Arten  (38, is  %)  auch  in  äer  arktischen  und  gemäfsigten  Region  Europas 
verbreitet  und  hier  meist  gemein.  29  Spezies  sind  neu  oder  endemisch.  Und  nur  9  Arten 
oder  16,36  °/0  sind  sowohl  der  antarktischen  Region  wie  dem  magellanischen  Gebiet  ge¬ 
meinsam.  Dagegen  wachsen  die  3  Lebermoose,  welche  auf  der  Expedition  der  Belgica 
zwischen  dem  64.  und  65.  Breitengrade  gefunden  wurden,  nach  den  Feststellungen 
Stephanis  sämtlich  auch  auf  Südgeorgien,  wo  sie  die  deutsche  Valdiviaexpedition 
sammelte. 


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Weiter  zeigt  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  die  schönen  Photo¬ 
graphien  aus  der  „arktischen  Flora“  von  Gunnar  Ander sson  (in  Hettners 
Geograph.  Zeitschr.  1901)  vor. 


Zweite  Sitzung  am  10.  März  1904  (in  Gemeinschaft  mit  der  Sektion 
für  Zoologie).  Vorsitzender:  Dr.  B.  Schorler.  —  Anwesend  35  Mitglieder 
und  Gäste. 

Lehrer  H.  Viehmeyer  legt  ein  von  Ch.  Janet  konstruiertes  künst¬ 
liches  Gipsnest  zur  Beobachtung  von  Ameisen  vor,  sowie  die  Be¬ 
schreibung  des  Apparates  in  Ch.  Janet:  „Appareils  pour  Fobservation 
des  fourmis  et  des  animaux  myrmecophiles“  (Mem.  soc.  zoolog.  de  France  X, 
1897,  S.  302)  und  E.  van  Overloop:  „Les  fourmis  de  M.  Charles  Janet“. 
Brüssel  1897. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  trägt  über  die  geographische 
Verbreitung  der  Moschusochsen  vor. 

Dazu  bemerkt  Dr.  K.  Deninger,  dafs  der  Moschusochs  im  Dilu¬ 
vium  von  Wiesbaden  gefunden  worden  sei,  die  bis  jetzt  bekannte  süd¬ 
lichste  Fundstelle. 

Dr.  A.  Naumann  gibt  als  Frucht  einer  um  Ostern  vorigen  Jahres  unter¬ 
nommenen  Reise  einen  Vortrag:  Naturwissenschaftliches  aus  den 
österreichisch  en  Küstenländern,  unter  Vorführung  zahlreicher  Licht¬ 
bilder  und  Vorlegung  von  gegen  100  Charakterarten,  die  auf  grofsen  Papp¬ 
tafeln  nach  Formationen  geordnet  aufgezogen  waren. 

Aufserdem  zirkuliert  R.  d  e  Visiani:  „Flora  Dalmatica“.  Leipzig 
1842—52;  Suppl.  1872,  aus  der  botanischen  Bibliothek  der  K.  Technischen 
Hochschule. 

Lehrer  H.  Viehmeyer  macht  Mitteilungen  über  Dinar  da- Formen 
und  legt  einige  derselben  vor. 


Dritte  Sitzung  am  17.  März  1904  (Floristenabend).  Vorsitzender: 
Dr.  E.  Worgitzky.  —  Anwesend  24  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatus  K.  Schiller  legt  verschiedene  Neueingänge  aus  der  Isis¬ 
bibliothek  vor: 

Zunächst  im  Anschlufs  an  den  Vortrag  in  der  vorigen  Sitzung  eine  gute 
Abbildung  einer  Moschusochsengruppe  in  dem  21.  Jahresbericht  des 
Museums  in  Milwaukee; 

dann  die  mit  zahlreichen  schönen  Abbildungen  ausgestatteten  Arbeiten  über 
die  Wald  Verhältnisse  Nordamerikas  von  H.  Gannet:  „The  forest 
of  Oregon“  und  von  A.  Dodwell  und  Th.  Rixon:  „Forest  condi- 
tions  in  the  Olympic  Reserve,  Washington“  (U.  St.  geolog.  survey, 
profession.  papers  No.  4  und  7). 

Dr.  H.  Haupt  trägt  vor  über  die  Biologie  adriatischer  Meeres¬ 
algen  und 

Ingenieur  R.  Scheidhauer  über  die  Biologie  der  Wasservege¬ 
tation  des  Grödler  Kanals. 

Dr.  B.  Schorler  legt  zwei  tadellose  Photographien  alter  Taxus¬ 
bäume  vor,  die  von  Dr.  Naumann,  Mitglied  der  Bautzner  Isis,  aufge- 


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nommen  und  der  botanischen  Bibliothek  der  K.  Technischen  Hochschule 
geschenkt  worden  sind. 

Die  eine  ist  die  Abbildung  der  gröfsten  Eibe  Sachsens,  welche  in  dem  Dorfe  Ostritz 
in  der  Oberlausitz  steht  und  eine  Höhe  von  9  m  hat  bei  einem  Stammumfang  (in  1  m 
Höhe)  von  2,33  m.  Sie  wurde  zuerst  von  Dr.  Ko rsch eit- Zittau  beschrieben.  Die  andere 
stellt  die  stärkste  Eibe  Deutschlands  dar,  nämlich  die  zuerst  von  Prof.  Dr.  Czech- 
Breslau  erwähnte  Eibe  von  Katholisch-Henuersdorf  bei  Lauban.  Sie  hat  eine  Höhe  von 
12,50  m,  einen  Stammumfang  am  Wurzelhalse  von  5,65  m,  1,30  m  über  dem  Boden  noch 
von  5,03  m  und  oben  gerade  vor  der  Teilung  von  5,57  m. 

Hierauf  gelangen  die  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  in  den 
beiden  letzten  Jahren  zur  Vorlage  und  Besprechung.  (Vergl.  Abhandlung  IV.) 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  bespricht  die  verkleinerte  farbige 
Nachbildung  eines  Deckengemäldes  von  Frau  CI.  Ziegler-Frankfurt, 
welches  in  Kranzform  die  für  den  phänologischen  Jahreszyklus  wichtigen 
Blütenpflanzen  zur  Darstellung  bringt. 

Dr.  H.  Haupt  demonstriert  noch  eine  Mifsbildung  von  Anemone 
narcissiflora  von  der  grofsen  Schneegrube  des  Itiesengebirges. 


Vierte  Sitzung  am  6.  Juni  1904  (im  K.  Botanischen  Garten).  Vor¬ 
sitzender:  Dr.  B.  Schorler.  —  Anwesend  28  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  E.  Worgitzky  hält  einen  Vortrag  über  die  Blütenbiologie  der 
Gattung  Saxifraga  im  Anschlufs  an  eine  Arbeit  von  A.  Günthart  in 
Luerssens  Bibliotheca  botanica,  Heft  58,  1902,  unter  Vorlage  zahlreichen 
lebenden  Materials  aus  dem  Garten. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  an  der  Hand  einer  Arbeit  von 
G.  Volkens-Berlin  über  den  Laubwechsel  vieler  laubabwerfenden 
Holzgewächse  in  den  Tropen  und 

hierauf  über  den  Zusammenhang  von  Blattvariation  und  öko¬ 
logischen  Faktoren.  Diese  ,, ökologischen  Variationen“  werden  an  be¬ 
blätterten  Eichenzweigen  aus  dem  Garten  demonstriert. 


III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  4.  Februar  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  —  Anwesend  37  Mitglieder. 

Dr.  0.  Mann  spricht  über  die  Zinnerzlagerstätten  im  sächsischen 
Erzgebirge. 

An  der  Diskussion  beteiligen  sich  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  und  der 
Vorsitzende. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  spricht  über  Flufsspat  und  Kalkspat  in 
Krystallerde  am  Oltschikopf  im  Berner  Oberland. 


Zweite  Sitzung  am  7.  April  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal¬ 
kowsky.  —  Anwesend  46  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  spricht  über  das  Diluvium  in  Nordeuropa. 


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An  der  Diskussion  beteiligen  sich  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude, 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Dr.  0.  Mann  und  der  Vortragende. 


Dritte  Sitzung  am  9.  Juni  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal¬ 
kowsky.  —  Anwesend  23  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  bespricht  die  Werke  von  A.  Pelz:  „Geologie 
von  Sachsen“  Leipzig  1904,  und  R.  Brauns:  „Das  Mineralreich“.  Stutt¬ 
gart  1908,  legt  Graphit  von  Ceylon  vor  und  demonstriert  die  sogenannte 
Phosphoreszenz  des  Quarzes. 

Dr.  0.  Mann  berichtet  über  die  neuen  Fossilfunde  an  der  Teplitzer 
Strafse  in  Dresden  auf  Grund  der  Bearbeitung  derselben  durch  Dr.  W. 
Petrascheck  (vergl.  Abhandlung  1)  und 

spricht  über  Kupfererzlagerstätten  von  Klingenthal-Grafslitz. 

Dr.  K.  Deninger  hält  einen  Projektionsvortrag  über  Geologisches 
aus  Sardinien. 


IY.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  7.  Januar  1904.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deich müll er.  —  Anwesend  18  Mitglieder. 

Taubstummenlehrer  0.  Ebert  hält  einen  Vortrag  über  die  Band- 
keramik  der  steinzeitlichen  Gräberfelder  und  Wohnplätze  in  der 
Umgebung  von  Worms,  im  Anschlufs  an  die  Veröffentlichung  von  Dr.  C. 
Koehl  in  der  Festschrift  zur  34.  allgemeinen  Versammlung  der  Deutschen 
anthropol.  Gesellschaft  in  Worms  1903. 

An  den  Vortrag  schliefst  sich  eine  längere  Aussprache  an. 

Lehrer  em.  J.  A.  Jentsch  spricht  über  eine  Burgstätte  gegenüber 
dem  Bahnhof  Klotzsche  und  die  darauf  bezüglichen  alten  Wald¬ 
zeichen. 

Privatus  G.  Sieber  legt  eine  Anzahl  vor-  und  frühgeschichtlicher 
Gefäfsreste  von  Grofsgrabe,  Bernsdorf  und  Kamenz  vor,  ferner 
Brakteaten  und  Münzen  aus  dem  14.  Jahrhundert,  sowie  Gefäfse, 
in  denen  solche  Münzen  gefunden  worden  sind. 


Zweite  Sitzung  am  3.  März  1904.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deichmüller.  —  Anwesend:  30  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  vor: 

British  Museum:  A  guide  to  the  antiquities  of  the  bronze  age  in  the 
department  of  British  and  Mediaeval  antiquities.  Mit  10  Tafeln  und 
148  Textbildern.  London  1904. 

Oberlehrer  H.  Döring  spricht  über  die  Wälle  bei  Nauberg  und 
Köllmichen  und  einen  von  ihm  entdeckten,  in  der  Literatur  bisher  nicht 
erwähnten  Burgwall  bei  Förstgen, 


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Das  kleine  Dorf  Förstgen  (ca.  250  Einwohner)  liegt  gegenüber  von  Bahnhof  Grofs- 
bothen  bei  Grimma  am  rechten  Muldenufer,  etwa  3,5  km  von  der  Vereinigung  beider 
Mulden  entfernt,  da,  wo  der  Thümmlitzbach  aus  dem  gleichnamigen  Walde  heraustritt 
und  in  die  Mulde  fliefst.  Vom  Dörfchen  aus  ist  der  Wall  ca.  1,4  km  nach  Osten  entfernt 
und  zwar  noch  im  Waldrevier  auf  Schneise  5,  wenig  nördlich  von  Flügel  A  gelegen. 

Die  umwallte  Stelle  hat  eine  Seehöhe  von  156  m,  der  Spiegel  des  Thümmlitzbaches 
am  Fufse  des  Hanges  liegt  140  m  hoch,  so  dafs  sich  eine  relative  Höhe  von  16  m  ergibt. 

Der  Wall  wird  im  Volksmunde  als  „Schwedenschanze“  bezeichnet.  Er  hat  ungefähr 
die  Form  eines  Halbkreises  und  einen  Umfang  von  ca.  300  Schritt.  Der  Wall,  welcher 
aus  Steinen  und  Erde  erbaut  ist,  ist  ca.  1  m  hoch,  stellenweise  auch  ein  wenig  höher. 

Innerhalb  des  Wallraumes  ist  ein  weiterer  Wallteil,  parallel  zum  Aufsenwall,  zu  er¬ 
kennen,  so  dafs  man  ihn  wohl  zu  den  Doppelwällen  rechnen  darf. 

Der  Burgwall  liegt  auf  fiskalischem  Gebiet  und  zwar  im  Staatsforst  Thümmlitz- 
wald.  Funde  sind  bisher  von  dieser  Stelle  nicht  bekannt  geworden. 

Die  Sage  berichtet  von  einem  hier  verborgenen  Schatz,  und  dafs  oft  zu  mitter¬ 
nächtlicher  Stunde  Licht  an  diesem  Ort  zu  sehen  sei. 

Vermutlich  ist  die  Anlage  in  slavischer  oder  gar  germanischer  Zeit  entstanden. 

Ob  er  als  Kultstätte  oder  als  Zufluchts-  und  Verteidigungsplatz  gedient  hat,  läfst 
sich  heute  bei  dem  gänzlichen  Mangel  an  Bodenfunden  und  an  sonstigen  Überlieferungen 
nicht  entscheiden. 

Der  Vorsitzende  macht  auf  den  Burgwall  von  Schaddel  auf  dem 
linken  Muldenufer,  oberhalb  Kloster  Nimbschen,  aufmerksam,  auf  dem 
slavische  Gefäfsreste  in  grofser  Zahl  gefunden  worden  sind. 

Dr.  K.  Deninger  hält  unter  Vorführung  von  Lichtbildern  und  Vorlage 
verschiedener  Veröffentlichungen  einen  Vortrag  über  Pygmäen.  (Vergl. 
Abhandlung  II.) 

Taubstummenlehrer  0.  Ebert  legt  eine  Sammlung  Ansichtskarten 
von  Hünengräbern  der  Provinz  Hannover,  herausgegeben  von  P. 
Feldheim -Hannover,  vor. 

Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  spricht  über  die  zeitliche  Grup¬ 
pierung  der  Urnenfelder. 

Nach  Hinweis  auf  die  Arbeiten  von  R.  Virchow  und  M.  Weigel  (Niederlausitzer 
Mitteil.  1889,  Bd.  I,  S.  387),  durch  welche  der  Begriff  „Lausitzer  Typus“  aufgestellt  bez. 
enger  begrenzt  wurde,  und  von  A.  Voss  und  G.  Stimming:  „Vorgeschichtliche  Alter¬ 
tümer  aus  der  Mark  Brandenburg“  1890,  geht  Vortragender  auf  die  Veröffentlichung 
von  H.  Jentsch:  „Die  Thongefäfse  der  Niederlausitzer  Gräberfelder“  (ebenda  1891,  Bd.  II, 
S.  1)  ein,  in  welcher  der  erste  umfassendere  Versuch  gemacht  wurde,  die  Brandgräber¬ 
felder  der  Niederlausitz  zeitlich  zu  gruppieren.  Jentsch  stellte  drei  Gruppen  auf:  eine 
ältere,  deren  auffallendste  Gefäfsform  das  Buckelgefäfs  ist;  eine  mittlere,  als  Blütezeit 
des  Niederlausitzer  Typus  bezeichnete,  die  durch  breite  horizontale  Kehlstreifen  und 
aneinander  gereihte,  in  wechselnder  Stellung  schraffierte  Dreiecke  als  Verzierungs¬ 
elemente  charakterisiert  wird;  eine  jüngste,  innerhalb  welcher  die  scharfkantigen,  ge¬ 
brochenen  Profillinien  der  beiden  älteren  Gruppen  verwischt  und  gerundetere,  schlankere, 
vasenartige  Formen  vorherrschend  geworden  sind.  Einen  weiteren  Beitrag  zur  Klärung 
der  Altersfrage  lieferte  1897  A.  Götze  in  seiner  „Vorgeschichte  der  Neumark“. 

Als  neueste  Arbeit  auf  diesem  Gebiete  erschien  dann  1903  die  Abhandlung  von 
A.  Voss:  „Keramische  Stilarten  der  Provinz  Brandenburg  und  benachbarter  Gebiete“ 
(Zeitschr.  für  Ethnologie,  35.  Jhrg.,  S.  161).  Abgesehen  von  einer  noch  ungenügend 
bekannten  keramischen  Gruppe  der  frühesten  Metallzeit,  ordnet  der  Verfasser  die  Ton- 
gefäfse  der  Gräberfelder  des  behandelten  Gebietes  in  vier  Typen,  für  deren  ältesten,  den 
„Lausitzer  Typus  im  engeren  Sinne“  die  mehr  oder  minder  breiten,  horizontalen  Kanne¬ 
lierungen  und  Bogenfurchen,  letztere  oft  in  Verbindung  mit  Buckel  Verzierungen  (Buckel- 
gefäfse)  charakteristisch  sind.  Dieser  in  Mitteldeutschland  weit  verbreitete,  aus  der 
jüngeren  Bronzezeit  bis  in  die  Hallstattzeit  hinein  reichende  Typus  wird  allmählich 
abgelöst  durch  den  „Aurither  Typus“,  dessen  eigenartige  Verzierungsmotive  in  Punkt¬ 
reihen  und  Systemen  von  feinen,  meist  von  Punktreihen  eingefafsten  Parallellinien  be¬ 
stehen.  Derselbe  beginnt  in  der  Hallstattzeit  und  endet  in  der  LaTenezeit;  sein  Ver¬ 
breitungsgebiet  ist  ein  schmaler  Streifen,  der  sich  von  Thorn  bis  zum  Harz,  bez.  vom 
Havel-  und  Spreetal  bis  an  die  Grenze  des  Königreichs  Sachsen  erstreckt.  Nördlich 


9 


davon  hat  sich  im  Odergebiet  unter  Beeinflussung  durch  Hallstattformen  der  „Göritzer 
Typus“  ausgebildet;  südlich  schliefst  sich  der  „Billendorfer  Typus“  an,  dessen  weitgehende 
Verwandtschaft  mit  dem  Hallstatttypus  unverkennbar  ist  und  dessen  Hauptformen  vasen¬ 
artige  Gefäfse  mit  bauchigem  Unterteil,  fast  ebenso  hohem,  nach  oben  gleichmäfsig  ver¬ 
engtem  Hals  und  breitem,  schrägem  Mündungsrand  darstellen;  mit  ihm  werden  Eisen¬ 
beigaben  eingeführt.  Gegen  Ende  der  Hallstattzeit  ist  das  früher  vom  „Lausitzer  Typus“ 
eingenommene  Gebiet  in  die  drei  archäologisch  zusammengehörigen  Gebiete  des  „  Aurither“-, 
„Göritzer“-  und  „Billendorfer  Typus“  zerfallen,  an  welche  sich  im  Nordosten  bis  zur 
Ostsee  noch  das  Gebiet  der  „Gesichtsurnen“  anschliefst. 

Der  Vortragende  wendet  sich  nun  zu  den  Urnenfeldern  des  Königreichs  Sachsen 
und  betont,  dafs  er,  entgegen  der  Auffassung  des  „Lausitzer  Typus“  durch  Voss,  an  der 
von  Jentsch  aufgestellten  Zweiteilung  der  älteren  Urnenfelder  in  eine  Gruppe  mit  Buckel- 
gefäfsen  und  in  eine  solche  mit  kannelierten  Gefäfsen  nach  seinen  bisherigen  Erfahrungen 
festhalten  müsse.  Beide  Gruppen  sind  in  Sachsen  durch  typologisch  gut  bestimmte 
Gräberfelder  vertreten,  auch  ist  ihr  Verbreitungsgebiet  nicht  dasselbe.  Während  sich 
die  Urnenfelder  mit  Buckelgefäfsen  von  der  sächsischen  Lausitz  aus  westwärts  über  die 
Elbe  bis  nach  dem  nordwestlichen  Sachsen  (Mockau  bei  Leipzig)  verbreiten,  fehlen 
die  kannelierten  Gefäfse  im  östlichen  Sachsen  vollständig  (die  Ostgrenze  liegt  in  der 
Gegend  von  Radeburg).  .  In  der  letzteren  Gruppe  macht  sich  auch  der  Einflufs  des 
„Aurither  Typus“  nicht  unwesentlich  bemerkbar.  Der  „Billendorfer  Typus“  ist  in  der 
Hauptsache  über  das  Gebiet  zwischen  Elbtal  und  Lausitz  verbreitet  und  hier  durch  eine 
Anzahl  gröfserer  Gräberfelder  (u.  a.  Tolkewitz,  Löbtau,  Stetzsch,  Röderau,  Kamenz, 
Bautzen,  Kleinsaubernitz)  vertreten.  Westlich  der  Elbe  kommt  er  nur  ganz  ver¬ 
einzelt  vor. 

Die  Ausführungen  des  Vortragenden  werden  durch  eine  gröfsere  Zahl  von  Gefäfs- 
typen  erläutert. 


Dritte  Sitzung  am  5.  Mai  1904.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deich mü  11er.  —  Anwesend  34  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  bespricht  neue  Urnenfelder  aus  der  Umgebung 
von  Dresden:  von  Klotzsche  und  am  Osterberg  bei  Cossebaude  (beide 
mit  Buckelgefäfsen),  von  Kleinpestitz  (Billendorfer  Typus)  und  Tolkewitz 
(Billendorfer  Typus  und  La  Tenezeit),  weiter  Funde  aus  slavischen  Herd¬ 
stellen  nördlich  von  Kleindölzig  bei  Leipzig  und  eine  Kugelamphore 
von  Cröbern  bei  Leipzig. 

Oberlehrer  M.  Klahr  berichtet  über  eine  neue  steinzeitliche  Nieder¬ 
lassung  mit  Bandkeramik  von  Piskowitz  bei  Zehren  und  über  Urnen¬ 
funde  von  Schwochau  bei  Lommatzsch  (Lausitzer  Typus). 

Im  Anschlufs  hieran  gibt  der  Vorsitzende  an  einer  Karte  eine  Über¬ 
sicht  über  die  steinzeitlichen  Niederlassungen  in  Sachsen,  deren 
Zahl  gegenwärtig  etwa  45  beträgt. 

Oberlehrer  H.  Döring  legt  ein  neuerdings  bei  Mockritz  gefundenes 
Flachbeil  aus  Grünstein  und  einen  Becher  des  Billendorfer  Typus 
aus  dem  Gräberfeld  von  Löbtau  vor. 

Dr.  0.  Mann  hält  einen  Vortrag  über  die  steinzeitlichen  Wand¬ 
malereien  in  den  französischen  Höhlen  und  legt  hierzu  an  Lite¬ 
ratur  vor: 

Chiron,  L.  und  Lombard-Dumas:  La  grotte  de  Chabot.  Revue  de  l’ecole 
d’anthropologie  Xi,  1901,  S.  49; 

Capitan,  L.  und  Breuil,  H.:  La  grotte  de  Combarelles.  Eb.  XII, 
1902,  S.  33; 

Capitan,  L.  und  Breuil,  H.:  La  grotte  de  Font- de- Gaume.  Eb.  XII, 
1902,  S.  235; 

Hoernes,  M. :  Der  diluviale  Mensch  in  Europa.  Die  Kulturstufen  der 
älteren  Steinzeit,  ßraunschweig  1903; 


10 


Mailet,  A. :  La  g'rotte  ä  Graffiti  et  le  trou  du  Sarrasin.  L’homme  pre- 
historique  I,  1903,  S.  110; 

Mortillet,  A.  de:  Sur  quelques  figures  peintes  et  gravees  des  grottes  des 
environs  des  Eyzies.  Eb.  I,  S.  43; 

Ri  viere,  E.:  Les  parois  gravees  et  peintes  de  la  grotte  de  la  Mouthe. 
Eb.  1,  1903,  S.  65. 

An  den  Vortrag  schliefst  sich  eine  längere  Aussprache  an. 


Y.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 


Erste  Sitzung  am  18.  Februar  1004.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W. 
Hallwachs.  —  Anwesend  56  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  H.  A.  Rebenstorff  spricht  unter  .Vorführung  von  De¬ 
monstrationen  über  Luftfeuchtigkeit  und  Nebelbildung. 

Nachdem  mittels  eines  Heronsballes ,  der  ein  Füllröhrchen  des  Vortragenden  ent¬ 
hielt  (Zeitschr.  f.  d.  phys.  und  ehern.  Unterricht  XVII,  1904,  S.  91;  bei  Meiser  &  Mertig- 
Dresden  für  2,50  M.),  der  hohe  Dampfdruck  des  Äthers  gezeigt  war,  wird  die  Messung 
des  jeweiligen  Dampfdruckes  der  Luftfeuchtigkeit,  sowie  des  Sättigungsdruckes  vor¬ 
geführt.  Ein  weiterer  einfacher  Apparat  dient  zur  Messung  der  ungleichen  Druck¬ 
änderung  trockner  und  gesättigter  Luft  infolge  Temperaturänderungen.  Unter  Benutzung 
eines  Gelatinehygroskopes  wird  mittels  eines  Projektionsversuches  demonstriert,  dafs 
Luft  bei  Abnahme  des  Druckes  relativ  feuchter,  bei  Kompression  trockener  wird,  beides 
natürlich  nur,  solange  noch  kein  Ausgleich  der  adiabatisch  erfolgten  Temperaturänderung 
eingetreten  ist  (a.  a.  0.  S.  28). 

Hierauf  zeigt  der  Vortragende  seinen  Apparat  zur  Demonstration  der  ungleichen 
Temperaturänderung  trockener  und  feuchter  Luft  bei  Verminderung  und  Erhöhung  des 
Druckes,  auf  welcher  Erscheinung  bekanntlich  die  Erklärung  der  Temperaturverhältnisse 
des  Föhnwindes  beruht  (a.  a.  0.  S.  19).  Auch  bei  den  Versuchen  mit  diesem  Apparate 
macht  sich,  wie  berichtet  wird,  ein  Einflufs  in  der  Luft  vorhandenen  Staubes  bemerkbar. 

Der  Vortragende  zeigt  alsdann  ein  bequemeres  Verfahren  der  Herstellung  staub¬ 
dichter  Kollodiumballons  (vergl.  Abhandlung  III),  die  zu  zahlreichen  Versuchen  über 
bekannte  Erscheinungen,  insbesondere  über  die  Nebelbildung  aus  übersättigter  Luft 
unter  der  Bedingung  des  Vorhandenseins  von  Nebelkernen  (Staubteilchen  und  Jonen) 
verwendbar  sind.  Näheres  darüber  wird  in  der  Zeitschrift  für  den  physik.  und  ehern. 
Unterricht  behandelt  werden. 

Ferner  wird  ein  Aräopyknometer  vorgeführt,  das  durch  Anhängegewichte  als 
Universalinstrument  für  Flüssigkeiten  der  Dichten  von  0,7  bis  2,o  brauchbar  ist. 


Zweite  Sitzung  am  21.  April  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.W.  Hall¬ 
wachs.  —  Anwesend  74  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  Fr.  Foerster  hält  einen  durch  zahlreiche  Demonstrationen 
erläuterten  Vortrag  über  die  Elektro-Osmose  und  ihre  Anwendung 
in  der  Technik. 

An  den  Vortrag  schliefst  sich  eine  lebhafte  Aussprache. 


Dritte  Sitzung  am  23.  Juni  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.W.  Hall¬ 
wachs.  —  Anwesend  57  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  Möhlau  hält  einen  Vortrag  über  das  Wesen  des  Fär¬ 
bereiprozesses  unter  Vorführung  von  Experimenten. 


11 


YI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 


Erste  Sitzung*  am  11.  Februar  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  R.  Heger. 
—  Anwesend  21  Mitglieder. 

Oberbaurat  H.  Wiechel  spricht  über  mathematische  Theorie  der 
Volksdichtekarten.  (Vergl.  Abhandlung  V.) 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  M.  Krause  bespricht  die  Werke  von  G.  Bauer: 
„Vorlesungen  über  Algebra“.  Leipzig  1903,  und  H.  Weber:  „Elementare 
Algebra  und  Analysis“,  erschienen  als  I.  Band  der  Enzyklopädie  der  Ele¬ 
mentar -Mathematik  von  Weber  und  Wellstein.  Leipzig  1903. 

Bezüglich  des  ersten  Werkes  wird  insbesondere  sein  Verhältnis  zn  den  älteren  und 
neueren  Theorien  der  Algebra  besprochen  und  seine  Stellung  zu  früheren  Darstellungen 
des  Gegenstandes  in  der  deutschen  mathematischen  Literatur  gekennzeichnet. 

Bei  der  mit  einer  kurzen  Inhaltsangabe  verbundenen  Besprechung  des  zweiten 
Werkes  wird  speziell  auf  seine  Darstellung  der  Kombinatorik,  des  Kreisteilungsproblems, 
der  sogenannten  Unmöglichkeitsbeweise  und  der  auf  die  Transzendenz  von  e  und  rc  be¬ 
züglichen  Untersuchungen  hingewiesen. 


Zweite  Sitzung  am  14.  April  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  R.  Heger. 

—  Anwesend  8  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  Kugelkoordinaten  und  sphärische 
Kegelschnitte. 

Vortragender  setzt  zunächst  auseinander,  dafs  bei  Zugrundelegung  eines  festen 
sphärischen  Dreiecks,  dessen  Seiten  und  Winkel  sämtlich  gleich  90°  sind,  einerseits  jeder 
Punkt  der  Kugeloberfläche  durch  drei  „Punktkoordinaten“  x,  y,  z,  andrerseits  jeder  Haupt¬ 
kreis  der  Kugeloberfläche  durch  drei  „Hauptkreiskoordinaten“  u,  v,  w  fixiert  werden 
kann;  und  zwar  findet  hierbei  stets  die  Gleichung  x2+  y2+  z2—  L  resp.  u2-j-  v2-j-  w2=  1 
statt.  Die  Benutzung  dieser  Koordinaten  wird  nun  an  einer  Reihe  von  Aufgaben  aus 
der  Sphärik  erläutert  ;  dabei  wird  u.  a.  auf  die  Eigenschaften  des  vollständigen  sphärischen 
Vierseits  und  Vierecks  eingegangen,  ferner  auf  die  analytische  Darstellung  der  Neben¬ 
kreise  in  Punktkoordinaten  sowie  in  Hauptkreiskoordinaten.  Im  zweiten  Teile  seines 
Vortrags  behandelt  Redner  die  sphärischen  Kegelschnitte  und  zeigt,  dafs  sich  bei  ihnen 

—  mutatis  mutandis  —  gewisse  Eigenschaften  der  ebenen  Kegelschnitte  wiederfinden, 
so  die  Brennpunkts-  und  Direktrix-,  z.  T.  auch  die  Asymptoten-Eigenschaften.  U.  a.  wird 
dargelegt,  wie  man,  sobald  die  Gleichung  eines  sphärischen  Kegelschnitts  gegeben  ist, 
sofort  diejenige  seines  Polar -Kegelschnitts  aufstellen  kann. 


Dritte  Sitzung  am  9.  Juni  1904.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  R.  Heger. 
—  Anwesend  13  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  K.  Rohn  spricht  über  Flächen  mit  vier  Scharen 
kongruenter  Parallelkurven. 

Der  Vortragende  erläutert  kurz  die  geometrische  Entstehung  der  Translationsflächen 
und  die  analytische  Darstellung  derselben;  insbesondere  wird  hervorgehoben,  dafs  es  auf 
jeder  Translationsfläche  zwei  Scharen  kongruenter  gleichgestellter  Kurven  geben  mufs, 
und  dafs  jeder  dieser  beiden  Kurvenscharen  eine  bestimmte  Kurve  in  der  unendlich  fernen 
Ebene  zugeordnet  ist,  indem  die  Tangenten  sämtlicher  Kurven  der  betreffenden  Schar 
diese  unendlichferne  Kurve  treffen.  Sind  umgekehrt  zwei  unendlichferne  Kurven  Cj  und  c2 
vorgelegt,  so  zeigt  sich,  dafs  jede  Translationsfläche,  die  zu  denselben  in  der  angedeuteten 
Beziehung  stehen  soll,  Integralfläche  einer  gewissen  leicht  herstellbaren  partiellen  Diffe¬ 
rentialgleichung  II.  Ordnung  sein  mufs. 

Nun  wird  die  Frage  aufgeworfen,  ob  es  Flächen  geben  kann,  auf  denen  sich  nicht 
blofs  zwei,  sondern  vier  Scharen  kongruenter  gleichgestellter  Kurven  vorfinden.  Da 


12 


diesen  vier  Kurvenscharen  auch  vier  unendlichferne  Kurven  CnC^Cg,^  in  der  oben 
angegebenen  Weise  zugeordnet  sein  müssen,  so  kommt  die  gestellte  Frage  darauf  hinaus, 
ob  man  in  der  unendlicbfernen  Ebene  vier  Kurven  c4,  c2,  c3,  c4  derart  wählen  kann,  dafs 
eine  und  dieselbe  Translationsfläche  sowohl  zu  c4  und  c2  als  auch  zu  c3  und  c4  in  der 
erwähnten  Beziehung  steht;  diese  Fläche  mufs  alsdann  offenbar  eine  gemeinschaftliche 
Integralfläche  zweier  partieller  Differentialgleichungen  II.  Ordnung  sein, 

Redner  gibt  zunächst  einen  Rückblick  auf  die  Geschichte  dieses  von  Lie  formu¬ 
lierten  Problems  und  charakterisiert  kurz  die  interessanten,  aber  etwas  künstlichen 
Methoden,  durch  welche  der  genannte  Mathematiker  dasselbe  gelöst  hat,  indem  er  bewies, 
dafs  die  fraglichen  Kurven  c, ,  c2 ,  c3 ,  c4  zusammen  eine  algebraische  Kurve  IY.  Ordnung 
bilden  müssen.  Sodann  wird  ausführlich  die  Behandlung  auseinandergesetzt,  welche  das 
Problem  neuerdings  durch  Scheffers  erfahren  hat  (im  28.  Bande  der  Acta  mathematica), 
und  bei  welcher  das  genannte  Resultat  Lies  auf  elegantem  und  rein  analytischem  Wege 
abgeleitet  wird. 

Den  Schlufs  des  Vortrags  bilden  kurze  Bemerkungen  über  die  analytische  Dar¬ 
stellung  der  zu  einer  gegebenen  Kurve  IV.  Ordnung  gehörenden  Translationsflächen  und 
Hinweise  auf  Translationsflächen,  welche  mehr  als  vier  Scharen  kongruenter  gleich¬ 
gestellter  Kurven  enthalten. 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  legt  einige  stereometrische  und  kine¬ 
matische  Modelle  vor. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  28.  Januar  1904.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  —  Anwesend  151  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  W.  Hempel  hält  einen  Experimentalvortrag 
über  die  chemischen  Elemente. 


Zweite  Sitzung  am  25.  Februar  1904.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  —  Anwesend:  66  Mitglieder  und  Gäste. 

Zur  Vorlage  kommt  eine  vom  Verfasser  der  Isisbibliothek  als  Geschenk 
überwiesene  Schrift  von  H.  Conwentz:  ,,Die  Heimatkunde  in  der  Schule“. 
Berlin  1904. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrates,  Prof.  H.  Engelhardt  erstattet 
Bericht  über  den  Kasse  nab  schlufs  für  1903,  mit  dessen  Prüfung 
Bankier  A.  Kuntze  und  Privatus  E.  Fritzsche  beauftragt  werden,  und 
legt  den  Voranschlag  für  19  04  vor,  welcher  genehmigt  wird. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  gibt  einen  Aufruf  zur  Errichtung  eines 
Denkmals  für  M.  J.  Schleiden  in  Jena  bekannt  und  knüpft  daran 
Worte  über  die  Bedeutung  Schleidens  für  die  Botanik. 

Hauptmann  E.  Dietel-Pirna  führt  eine  Reihe  von  Lichtbildern 
aus  China  mit  erläuternden  Bemerkungen  vor, 

Dr.  A.  Naumann  solche  aus  Dalmatien  und  Bosnien,  die  er  auf 
einer  im  April  1903  dahin  unternommenen  Reise  aufgenommen  hatte. 


Dritte  (aufserordentlielie)  Sitzung  am  26.  Februar  1904.  Vor¬ 
sitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude.  —  Anwesend  ungefähr  200  Per¬ 
sonen. 

In  gemeinsamer  Verabredung  mit  dem  Dresdner  Goethebunde,  in  welchem 
Prof.  Dr.  P.  Schumann  eifrig  für  die  ästhetische  Seite  der  Heimatschutz- 


1 3 


Bestrebungen  eingetreten  war,  und  unter  Beitritt  des  Vereins  für  Erdkunde 
in  Dresden,  war  ein  Vortrag  von  Prof.  Dr.  H.  Con wen tz -Danzig  über 
Schutz  der  natürlichen  Landschaft,  ihrer  Pflanzen-  und  Tier¬ 
welt,  vornehmlich  in  Sachsen  in  der  Aula  der  K.  Technischen  Hoch¬ 
schule  angesetzt. 

Einladungen  zu  diesem  Vortrage  waren  an  die  Ministerien,  den  Landeskulturrat, 
die  Professorenkollegien  von  Dresden  und  Tharandt,  den  Sächsischen  Forstverein,  an 
verwandte  Gesellschaften  der  naturwissenschaftlichen  Gruppe  und  Bergvereine,  besonders 
an  die  Meifsner  „Isis“  und  an  den  Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz  ergangen, 
so  dafs  eine  sehr  mannigfaltige  Interessen  vertretende  Zuhörerschaft  sich  zusammen¬ 
gefunden  hatte. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude^als  Vorsitzender  der  „Isis“,  welche 
die  Fürsorge  für  den  Ort  der  Versammlung  übernommen  hatte,  begrüfst 
die  Erschienenen  und  hebt  die  Bedeutung  der  Veranstaltung  hervor. 

Den  hier  Versammelten  liege  in  gleicherweise  am  Herzen,  hinzuwirken  auf  den 
Schutz  unserer  heimatlichen  Landschaft  gegenüber  solchen  Schädigungen,  welche  nicht 
durch  das  rege  Betriebsleben  der  Gegenwart  unmittelbar  als  notwendig  zu  betrachten  sind. 

Prof.  Dr.  H.  Conwentz  hält  dann  den  angezeigten  Vortrag. 

Im  ersten  Teile  desselben  bespricht  der  Redner  die  Gesichtspunkte  in  ähnlicher 
Weise,  wie  sie  in  seinem  am  5.  Dezember  1903  in  der  Gesellschaft  für  Erdkunde  zu 
Berlin  gehaltenen  Vortrage  zum  Ausdruck  gelangt  sind*). 

Der  zweite  Teil  des  mit  grofsem  Beifall  aufgenoinmenen  Vortrages  richtet  sich  auf 
die  besonderen  V erhältnisse  Sachsens,  die  der  Redner  sich  auf  manchen  durch  das  Land 
unternommenen  Reisen  zu  eigen  gemacht  hat.  Jede  Abteilung  des  Voitrages  wird  be¬ 
gleitet  von  einer  Vorführung  von  Lichtbildern,  die  teils  die  Verunstaltung  der  Natur 
grell  zum  Ausdruck  bringen  sollen,  teils  den  verschiedenartigsten,  des  Schutzes  und  der 
Erhaltung  bedürftigen  Naturdenkmälern  gewidmet  sind. 

In  eine  Diskussion  des  reichhaltigen  Gegenstandes  tritt  die  Versamm¬ 
lung  nicht  ein,  und  so  schliefst  dieselbe  mit  einigen  Bemerkungen  des 
Vorsitzenden  des  Vereins  für  Erdkunde,  Prof.  Dr.  H.  Gravelius,  und  einer 
kernigen  Ansprache  des  Vorsitzenden  des  Dresdner  Goethebundes,  Frei¬ 
herrn  R.  vonMansberg,  die  zugleich  dem  lebhaften  Dank  der  Versammlung 
an  den  Kedner  Ausdruck  gibt. 


Vierte  Sitzung  am  24.  März  1904.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  —  Anwesend  46  Mitglieder. 

Vorgelegt  wird  eine  Einladung  zur  konstituierenden  Versammlung 
eines  Vereins  für  Heimatschutz. 

Prof.  H.  Engelhardt  spricht  über  die  geologische  Entwicklung 
des  Südwestens  von  Deutschland, 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  über  die  neueren  Anschauungen 
über  die  Physiologie  der  Befruchtung  im  Pflanzenreich. 


Fünfte  Sitzung  am  28.  April  1904.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  —  Anwesend  56  Mitglieder. 

Prof.  H.  Engelhardt  teilt  mit,  dafs  die  Bechnungsprüfer  den  Kassen- 
abschlufs  für  1903  geprüft  und  richtig  befunden  haben.  Der  Kassierer 
wird  hierauf  entlastet. 


*)  Im  Auszug  mitgeteilt  in  der  Zeitschr.  d.  Ges.  f.  Erdkunde  Berlin,  1904,  No.  3. 


14 


Der  Vorsitzende  erstattet  Bericht  über  den  Verlauf  der  koii- 
stituierenden  Versammlung  des  Bundes  „  Heimatschutz“  am 
30.  März  1904. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag  über  den  Salzgehalt 
des  Ozeans. 


Sechste  Sitzung  und  Ausflug  nach  Meifsen  am  12.  Mai  1904.  — 

Zahl  der  Teilnehmer  25  Mitglieder  und  13  Gäste. 

Von  Cölln  aus,  wo  die  Gesellschaft  von  Mitgliedern  der  Meifsner  „Isis“  und  des 
Verschönerungsvereins  „Naturfreund“  empfangen  werden,  führt  die  Wanderung  über  die 
Proschwitzer  Höhen  nach  der  Karpfenschänke,  von  wo  aus  das  Dampfschiff  zur  Fahrt 
nach  Diesbar  benutzt  wird.  Hier  findet  im  Gasthof  zum  Hofs  eine  Hauptversamm¬ 
lung  unter  Vorsitz  von  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  O.  Drude  statt,  an  der  sich  zahlreiche 
Mitglieder  der  beiden  genannten  Meifsner  Vereine  und  des  Bergvereins  für  Diesbar  und 
Umgegend  als  Gäste  beteiligen. 

Der  Vorsitzende  entwickelt  Zweck  und  Ziele  des  Verbandes  „Heimat¬ 
schutz“  und  lenkt  die  Aufmerksamkeit  auf  einzelne  Punkte  der  Umgebung  von  Meifsen, 
welche  zu  schützen  sich  besonders  empfehlen  würde. 

Apotheker  M.  Kuntzmann,  Vorstand  des  Vereins  „Naturfreund“  in  Meifsen,  be¬ 
richtet  über  die  seiten  dieses  Vereins  unternommenen  Schritte  zur  Erhaltung  der 
B  oselspitze. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Kirbach  erklärt  die  Bereitwilligkeit  der  Meifsner  „Isis“  zur 
Unterstützung  des  Heimatschutzes. 

Nach  gemeinsamem  Mittagsmahl  wandern  die  Teilnehmer  über  die  rechtsuferigen 
Höhen  nach  Seufslitz  und  über  Niederlommatzsch  nach  Schlofs  Hirschstein,  dessen  Be¬ 
sitzer,  Hauptmann  a.  D.  Crusius,  die  Besichtigung  des  herrlichen  Parkes  mit  vor¬ 
geschichtlichem  Bund  wall  bereitwilligst  gestattet  hatte.  Eine  zwanglose  Vereinigung 
der  Isismitglieder  und  ihrer  Gäste  im  Burgkeller  zu  Meifsen  schliefst  den  Ausflug  ab. 


Siebente  Sitzung  am  30.  Juni  1904  (im  K.  Botanischen  Garten). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude.  —  Anwesend  39  Mitglieder 
und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  einen  Vortrag  über  die  Bedeu¬ 
tung  der  ökologischen  Morphologie  und  Pflanzengeographie,  mit 
Erläuterungen  an  aufgestellten  Pfianzengruppen. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  6.  Februar  1904  starb  Dr.  phil.  Felix  Flügel,  Vertreter  der 
Smithsonian  Institution  in  Leipzig,  Ehrenmitglied  seit  1855. 

Am  24.  Mai  1904  verschied  in  Dresden  Dr.  ing.  h.  c.  Friedrich 
Siemens,  weltbekannt  als  Begründer  der  Aktien- Gesellschaft  für  Glas¬ 
industrie  vorm.  Fr.  Siemens,  wie  durch  seine  Arbeiten  auf  dem  Gebiete 
der  Beleuchtungs-  und  Heizungstechnik.  Unserer  Gesellschaft  gehörte  der 
Verewigte  seit  1872  als  wirkliches,  seit  1903  als  Ehrenmitglied,  dem  Ver¬ 
waltungsrate  derselben  seit  1882  als  werktätiges  Mitglied  an. 

Am  11.  Juni  1904  starb  Fabrikbesitzer  und  Stadtrat  a.  D.  F.  Robert 
Hirt  in  Dresden,  wirkliches  Mitglied  seit  1886. 


15 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Beyme,  Georg  H.,  Rittergutsbesitzer  in  Blasewitz,  am  30.  Juni  1904; 
Bohmig,  Konrad  Heinrich,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  24.  März  1904; 
Gebier,  Walter,  Fabrikbesitzer  in  Pirna,  am  28.  Januar  1904; 
Geifsler,  Alfred,  Realschullehrer  in  Dresden,  am  25.  Februar  1904; 
Kühnscherf,  Alexander,  Techniker  in  Dresden,  i  ... 

Kühnscherf,  Erich,  Kaufmann  in  Dresden,  J  am  ’  iVlarz 
Müller,  Karl,  Apotheker  in  Niederpoyritz,  am  30.  Juni  1904; 

Sohle,  Ulrich,  Dr.  phil.,  Geolog  in  Dresden,  i 

Tbümer,  K.  August,  Dr.  med.  in  Dresden,  J  am  Januar  iyü4* 


Aus  den  korrespondierenden  in  die  wirklichen  Mitglieder  sind 

übergetreten: 

Dietel,  E.,  Hauptmann  und  Batteriechef  in  Pirna; 

Ulbricht,  R.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Loschwitz. 


Kassenabschlufs  der  naturwiss.  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1903. 

Position.  Einnahme.  Position.  Ausgabe. 


16 


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Dresden,  am  24.  Februar  1904.  Hofbuchhändler  Gr.  Lehmann,  z.  Z.  Kassierer  der  Isis. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1904. 


I.  Über  die  jüngsten  Schichten  der  Kreide  Sachsens. 

Von  Dr.  W.  Petrascheck. 


Die  rege  Bautätigkeit  der  letzten  Jalire  führte  wiederholt  in  den  süd¬ 
lichen  Stadtbezirken  Dresdens  zu  einer  Verritzung  der  unter  dem  Quartär 
des  Elbtales  liegenden  Kreidemergel.  Bei  einer  solchen  Gelegenheit  machte 
Herr  C,  Droop,  Mineralienhändler  in  Dresden-Plauen,  eine  reiche  Ausbeute 
an  Fossilien,  die  mir  von  ihm  und  später  nach  deren  Erwerbung  durch 
das  Kgl.  Mineralogisch -geologische  Museum  von  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky  in  dankenswerter  Weise  zur  Bestimmung  überlassen  wurde.  Der 
Fundort  der  Fossilien  ist  die  an  der  Grenze  von  Dresden  und  Strehlen 
gelegene  Teplitzer  Strafse  und  zwar  der  Teil,  der  in  einem  seichten  Ein¬ 
schnitt  die  sanfte  südwestlich  von  Strehlen  gelegene  Böschung  nimmt. 
Bei  Herstellung  genannter  Strafse  stiefs  man  auf  bräunlich-graue  und  graue 
Mergel,  erstere  lagen  unten,  letztere  darüber.  Sie  sind  dem  Gestein  nach 
leicht  auseinander  zu  halten.  Aus  den  bräunlichen,  lichteren  Mergeln  liegt 
eine  weit  gröfsere  Zahl  von  Fossilien  vor,  sie  waren  darin  zweifellos 
häufiger,  jedoch  wurde  von  ihm  eine  gröfsere  Menge  Materials  bewältigt. 
Der  Erhaltungszustand  ist  ein  ziemlich  günstiger;  zwar  sind  die  meisten 
Stücke  flachgedrückt  und  die  Schalen  oft  verschwunden,  doch  bewahrte 
das  feine  Material  gut  die  Details  der  Skulpturen.  Meist  sind  es  Skulpturen¬ 
steinkerne,  aus  der  höheren,  grauen  Schicht  liegen  aufserdem  noch  eine 
Anzahl  verkiester  kleiner  Gastropoden  sowie  Scaphiten  vor.  Bei  den  dünnen, 
glättschaligen  Bivalven  blieb  die  Bestimmung  mitunter  zweifelhaft,  da  sich 
das  Schlofs  nicht  präparieren  liefs.  Ferner  mufsten  eine  Anzahl  der  Gastro- 
podensteinkerne  als  unbestimmbar  ausgeschaltet  werden. 

Die  untere  Schicht  bräunlicher  Mergel  lieferte  folgende  Arten*): 


Corax  heierodon  Reuss.  ss. 

Osmeroides  Lewesiensis  Ag.  s. 

Cladocyclus  strehlensis  Gein.  ss. 

Oxyrhina  angustidens  Reuss.  s. 

Scaphites  spec.  ss. 

Pachydiscus  peramplus  Maut.  ss. 

Bacidites  bohemicus  Fr.  u.  Schl.  h. 

Lytoceras  spec.  ss. 

Voluta  subsemiplicata  d’Orb.  sp.  ss. 
—  canalifera  Favre  sp.  ss. 


cf.  Fasciolaria  elongata  Sow.  sp.  ss. 
Tudicla  Cottae  Röm.  sp.  ss. 

Aporrhais  megaloptera  Reuss.  s. 
cf.  —  calcarata  Sow.  s. 

—  aff.  stenoptera  Goldf.  sp.  ss. 
Cerithium  Damesi  Müll.  ss. 

Turritella  multistriata  Reuss.  s. 
Turbo  Boimstorfensis  Griepenk.  ss. 
Pleurotomaria  baculitarum  Gein.  ss. 
Dentalium  striatum  Sow.  hh. 


*)  hh.  sehr  häufig,  h.  häufig,  s.  selten,  ss.  sehr  selten. 


4 


Dentalium  medium  Sow.  hh. 

Venus  parva  Sow.  ss. 

cf.  Tapes  faba  Sow.  hh. 

cf.  —  subfaba  cTOrb.  spec.  ss. 

Icanotia  elicita  Stol.  ss. 

Cardium  bipartitum  d’Orb.  s. 

—  semipapillatum  Reuss.  hh. 

—  deforme  Gein.  s. 

—  alutaceum  Goldf.  s. 

—  turoniense  Woods.  ss. 

Eriphyla  lenticularis  Goldf.  hh. 

Cardita  tenuicosta  Sow.  spec.  hh. 

Leda  Försteri  Müll.  ss. 

Nucula  pectinata  Sow.  s. 

—  cf.  producta  Nilss.  ss. 

Pectunculus  Geinitzi  d’Orb.  s. 


Cucullaea  subglabra  d’Orb.  ss. 

Area  undulata  Reuss.  ss. 

Inoceramus  Cuvieri  Sow.  h. 

—  latus  Sow.  s. 

—  cf.  Brongniarti  Sow.  ss. 

Pecten  inversus  Nilss.  h. 

—  laevis  Nilss.  s. 

—  virgatus  Nilss.  h. 

—  cf.  Dujardini  Röm.  ss. 

Lima  granulata  Nilss.  s. 

Anomia  subtruncata  d’Orb.  s. 

Exogyra  lateralis  Nilss.  h. 

Terebratidina  rigida  Sow.  hh. 

Holaster  planus  Mant.  ss. 


Phymosoma  radiatum  Sow.  sp.  ss. 


Aus  der  oberen,  grauen  Mergelschicht  liegen  vor: 


Osmeroides  Lewesiensis  Ag.  s. 

Scaphanorhynchus  raphiodon  Ag.  ss. 
Scaphites  Fritscln  Gross.  s. 

Turritella  acicularis  Reuss.  h. 

Cardium  semipapillatum  Reuss.  h. 
Cardita  tenuicosta  Sow.  h. 

Leda  Försteri  Müll.  ss. 

cf.  Nucula  pectinata  Sow.  s. 


Inoceramus  latus  Sow. 

s. 

Pecten  Nilssoni  Goldf. 

s. 

—  spatulatus  Röm. 

ss. 

—  laevis  Nilss. 

s. 

—  virgatus  Nilss. 

s. 

—  inversus  Nilss. 

s. 

Lima  granulata  Nilss. 

s. 

Ostrea  hippopodium  Nilss. 

s. 

Hierzu  kommen  noch  eine  Anzahl  nicht  näher  bestimmbarer  Gastro- 
podensteinkerne,  wie  sie  in  der  unteren  Schicht  nicht  gefunden  wurden. 
In  beiden  Schichten  sind  überdies,  in  der  unteren  in  weit  höherem  Grade 
als  der  oberen,  Foraminiferen  sehr  häufig.  Es  wurde  unterlassen,  die¬ 
selben  auszuschlämmen;  soweit  es  auffällig  grofse  Individuen  waren,  ge¬ 
hörten  sie  den  Gattungen  Flabellina  und  Frondicularia  an. 

Es  bestehen  also,  trotz  der  Ähnlichkeit  des  Gesteins,  faunistische 
Unterschiede  zwischen  beiden  Schichten.  Zwar  kommen  die  meisten  der 
aus  der  oberen  angeführten  Arten  auch  in  der  unteren  vor,  einige  fehlen 
ihr  aber  doch,  darunter  zwei  Arten  {Scapliites  Fritschi  Gross,  und  Turri¬ 
tella  acicularis  Reuss),  die  auf  ein  junges  Alter  hinweisen.  Beide  Arten 
kommen  in  den  Priesener  Schichten,  also  an  der  Grenze  von  Turon  und 
Senon  vor.  Immerhin  aber  ist  die  faunistische  Verknüpfung  beider  Mergel¬ 
bänke  eine  so  innige,  dafs  sie  nicht  als  verschiedene  Horizonte  zu  be¬ 
handeln  sind. 

Von  den  angeführten  Fossilien,  unter  denen  übrigens  eine  Reihe 
für  Sachsen  neu  und  zum  Teil  auch  in  den  gleichartigen  Kreideablage¬ 
rungen  Böhmens  noch  nicht  nachgewiesen  sind,  ist  die  überwiegende  Mehr¬ 
zahl,  nämlich  31  Arten,  auch  bei  Strehlen  gefunden  worden,  was  bei  der 
gleichen  Fazies  auch  sehr  begreiflich  ist.  Trotzdem  können  die  Mergel 
der  Teplitzer  Strafse  nicht  eines  Alters  mit  dem  Strehlener  Plänerkalk¬ 
stein  oder  den  Teplitzer  Schichten  Böhmens  sein,  denn  in  der  Fauna 
machen  sich  Elemente  bemerkbar,  die  auf  ein  entschieden  jüngeres  Alter 
hinweisen.  Ein  Teil  derselben  kehrt  in  den  etwas  jüngeren  Tonen  von 


5 


Zatzschke  und  den  Priesener  Schichten  Böhmens  wieder.  Es  sind  das  Arten, 
die  aus  dem  untersten  Senon,  aus  dem  Emscher  bekannt  sind.  Hierher 
gehört  z.  B.  Cerithium  JDamesi  Müll.,  Turbo  Boimstorfensis  Griepk.,  Pleuro- 
tomaria  baculitarum  Gein.*),  Voluta  sub semiplicat a  d’Orb.  und  V.  canali- 
fera  Favre  sp.,  Leda  Försteri  Müll.,  Nucula  producta  Nilss.**),  Pectunculus 
Geinitzi  d’Orb.,  Area  undidata  Beuss,  endlich  die  schon  oben  genannte 
Turritella  acicularis  Beuss  und  Scaphites  Fritschi  Gross.  Selbst  unter 
denjenigen  Spezies,  die  auch  in  Strehlen  gefunden  wurden,  herrschen  wieder 
die  Arten  vor,  die  noch  in  jüngere  Horizonte  hinauf  steigen.  Charakte¬ 
ristische  und  häufige  Strehlener  Arten  fehlen  hingegen  oder  sind  selten, 
ohne  dafs  etwa  veränderte  Fazies  dafür  verantwortlich  gemacht  werden 
könnte  (vergl.  Pachydiscus  peramplus,  Scapliites  Geinitzi ,  die  selten  oder 
fraglich  sind,  Spondylus  spinosus ,  Lima  Hoperi ,  Terebratula  semiglobosa , 
die  nicht  aufgefunden  werden  konnten).  So  weist  die  Fauna  mit  Be¬ 
stimmtheit  daraufhin,  dafs  der  Mergel  von  der  Teplitzer  Strafse 
etwas  jünger  ist  als  der  Strehlener  Pläner.  Das  Vorkommen  von 
Scaphites  Fritschi  Gross,  in  seiner  oberen  Bank  deutet  auf  die  Tone  von 
Zatzschke  hin. 

Diese  aber  haben  bis  jetzt  noch  keine  reiche  Fauna  geliefert.  Geinitz 
zählt  im  Elbthalgebirge***)  auf,  was  ihm  bekannt  geworden  war.  Beichlich 
sind  dagegen  die  Fossilfnnde  aus  den  gleichalterigen  Priesener  Schichten 
Böhmens.  Die  von  Fricf)  und  von  Jahn  ff)  herrührenden  Unter¬ 
suchungen  über  diese  Schichten  haben  festgestellt,  dafs  sie  an  der  Grenze 
von  Turon  und  Senon  stehenfff).  In  ihren  unteren  Bänken  finden  sich  noch 
turone  Arten,  während  die  oberen  spezifisch  senone  Arten  geliefert  haben. 
Unten  ist  Nucula  producta  ein  Leitfossil,  das  auch  in  den  Tonen  von 
Zatzschke  häufig  und  ebenfalls  an  der  Teplitzer  Strafse  vorgekommen  ist. 
Auch  Placenticeras  d’  Orbignyanum  Gein.  und  Scaphites  Fritschi  Gross, 
stellen  sich  hier  ein.  Diesen  unteren  Teilen  der  Priesener  Schichten 
Böhmens  entsprechen  unsere  Mergel  von  der  Teplitzer  Strafse 
in  Dresden  ebenso  wie  die  Tone  von  Zatzschke. 

In  dem  Niveau  der  letzteren  ist  übrigens  in  den  letzten  Jahren  von 
Herrn  Bealgymnasiasten  Joh.  Winkler  in  Dresden -Neustadt  ein  neuer 
Aufschlufs  gefunden  und  mit  grofsem  Fleifs  auf  Fossilien  durchsucht 
worden.  Die  Lokalität  befindet  sich  am  Südrande  des  Blattes  Stolpen 
der  geologischen  Spezialkarte  von  Sachsen  im  Lohmener  Walde  dort,  wo 
die  Schneifse  No.  23  an  den  nördlichen  Arm  des  Brausnitzbaches  heran¬ 
tritt.  Der  kleine  Bach  hat  hier  an  einer  im  Walde  verborgenen,  nach 

*)  Bei  Zatzschke  nicht  selten. 

**)  Zwar  ist  das  Original  Nilssons,  wie  Hennig  (Bevision  af  Lamellibr.  i  Nilssons 
Petrific.  suec.  Acta  univers.  Lundensis,  Bd.  33,  Lund  1897)  hervorhebt,  so  mangelhaft,  dafs 
eine  genaue  Definition  der  Art  nicht  möglich  und  diese  daher  einzuziehen  ist.  Jedoch 
kennt  man  aus  den  Priesener  Schichten  ebenso  wie  von  Zatzschke  eine  Art,  auf  die  man 
seit  Beuss  den  Namen  Nilssons  anwendet.  Zu  dieser  gehört  auch  diejenige,  die  uns 
vorliegt.  Da  dieselbe  noch  keinen  neuen  Namen  erhalten  hat,  wenden  wir  vorläufig  noch 
obige  Bezeichnung  an. 

***)  II,  S.  197. 

f)  Stud.  üb.  böhm.  Kreideform.  V:  Priesener  Schichten.  Archiv,  f.  d.  naturwiss. 
Landesdurchforsch.  v.  Böhmen,  Bd.  IX. 

ff)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Beichsanstalt  1895,  S.  125. 
fff)  Dabei  kann  die  Behauptung  Zahalkas  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Beichsanst.  Bd.  49, 
1899,  S.  577),  dafs  die  Teplitzer  Schichten  jünger  als  die  Priesener  Schichten  sind,  als 
evident  unrichtig  übergangen  werden. 


6 


Aussage  cles  Herrn  Winkler  etwa  50  m  langen  Strecke  einen  dunkel¬ 
grauen  harten  Mergel  angeschürft,  in  dem  dünne  Kalkschalen  von  Fossilien 
gar  nicht  selten  sind*).  Jedoch  lassen  nur  wenige  Stücke  eine  genaue 
Bestimmung  zu.  Herr  Winkler,  zum  Teil  auch  ich  selbst  fanden  hier: 


Scaphites  Geinitzi  d’Orb. 
Pleurotomaria  baculitarum  Gein. 
Turritella  cf.  multistriata  Reuss. 
Natica  Gentii  Sow. 


Nucula  pectinata  Sow. 

—  producta  Nilss. 
Pecten  Nüssoni  Goldf. 


Unter  diesen  Fossilien  sind  Nucula- Arten,  zu  denen  noch  eine  dritte, 
bisher  nicht  bestimmte  Art  kommt,  die  häufigsten.  Die  kleine  Fauna  ist 
charakteristisch  für  die  Tone  von  Zatzschke  und  die  Priesener  Schichten. 

Das  nicht  seltene  Vorkommen  von  Scaphiten  in  dem  Tone  von  Zatzschke 
war  die  Veranlassung,  dieselben  als  Scaphitenschichten  zu  bezeichnen. 
Dank  der  Freundlichkeit  des  Herrn  Geheimrat  Credner  und  Herrn 
Dr.  Etzold  konnte  ich  die  von  R.  Beck**)  gesammelten  Scaphiten  einer 
Durchsicht  unterziehen.  Auch  das  Kgl.  Mineralogisch -geologische  Museum 
zu  Dresden  besitzt  etliche  Exemplare  von  dort.  Es  liefsen  sich  insgesamt 
folgende  Arten  konstatieren: 

Scaphites  Geinitzi  d’Orb.  j  Scaphites Kieslingwaldensis Langenh. 

—  Fritschi  Gross.  und  Grundey, 

—  Lamberti  d’Orb. 

sowie  die 

Übergangsform  zwischen  Sc.  Lamberti  und  Sc.  Geinitzi , 

auf  die  Jahn***)  die  Aufmerksamkeit  gelenkt  hat.  Durch  diese  Arten, 
zu  denen  sich  als  charakteristisches  Leitfossil  noch  Placenticeras  d’Orbig- 
nyanum  Gein.  gesellt,  wird  das  Alter  der  Scaphitentone  von  Zatzschke 
genügend  scharf  präzisiert.  Sie  haben,  was  besonders  noch  hervorgehoben 
werden  soll,  nichts  zu  schaffen  mit  den  Scaphitenplänern  (Zone  des  Hete- 
roceras  Reussianum  und  Spondylus  spinosus)  Nordwestdeutschlands.  Sie 
gehören  vielmehr  in  das  jüngste  Turon,  dorthin,  wo  sich  bereits  Anklänge 
an  das  Senon  zeigen.  Sie  sind  als  ein  Äquivalent  des  Cu vieri-Pläners 
anzusehen,  oder,  wenn  wir  die  durch  Iukes  Browne  neuerlich  so  gut 
durchgearbeitete  Kreide  Englands  zum  Vergleich  heranziehen,  als  ein 
Äquivalent  seiner  Zone  des  Micraster  cor  testudinarium. 

Turon  und  Senon  sind  in  Böhmen  auf  das  engste  verknüpft.  Will 
man  die  Grenze  ziehen,  so  müfste  man  sie,  wie  Jahnf)  bemerkt,  mitten 
in  die  Priesener  Schichten  legen.  Nicht  überall  aber  ist  das,  wie  aus  den 
Untersuchungen  Fries  hervorgeht,  der  Fall.  In  Nordböhmen  liegen  auf 
den  Priesener  Schichten  noch  die  Quadersandsteine  der  Chlomeker  Schichten 
mit  einer  Fauna  des  untersten  Senons.  Dort  aber,  wo  Chlomeker  Schichten 
entwickelt  sind,  haben  die  Priesener  Schichten  nicht  nur  geringere  Mächtig¬ 
keit  wie  weiter  südlich,  wo  Chlomeker  Schichten  fehlen,  sondern  sie  zeigen 
auch  eine  Fauna,  in  der  senone  Elemente  mehr  zurücktreten,  eine  Fauna, 
die  mehr  den  tieferen  Schichten  des  Profils  von  Priesen  entspricht.  Es 


*)  Über  den  Tonen  liegen,  die  Böhe  nordöstlich  des  Aufschlusses  bildend,  mürbe 
Quadersandsteine,  die  demnach  zum  Überquader  gehören  dürften. 

**)  Erläuterungen  zur  Sekt.  Pirna,  S.  74. 

***)  1.  c.  S.  183. 
f)  h  c.  S.  140. 


7 


hat  daher  den  Anschein,  als  ob  eine  teilweise  fazielle  Vertretung  statt¬ 
finde  und  zwar  so,  dafs  die  tieferen  Teile  der  Priesener  Schichten  durch¬ 
wegs  als  Tone  entwickelt  sind,  dafs  jedoch  die  höheren  Bänke  der  Priesener 
Schichten  in  dem  Gebiete,  wo  Chlomeker  Schichten  nicht  zur  Ablagerung 
kamen,  eben  den  Chlomeker  Sandsteinen  entsprechen. 

In  Sachsen  liegt  über  den  nur  wenige  Meter  mächtigen  Tonen  von 
Zatzschke  der  Überquader,  der  nichts  anderes  als  die  Chlomeker  Schichten 
Böhmens  ist.  Als  ich*)  mich  vor  einigen  Jahren  mit  diesem  beschäftigte, 
betonte  ich  wohl  die  Zusammengehörigkeit  desselben  mit  den  Chlomeker 
Schichten  Nordböhmens  und  dem  Kieslingswalder  Sandstein.  Die  neueren 
Arbeiten  über  beide  letzteren  lagen  aber  noch  nicht  vor  und  ebenso  war 
die  Fauna  des  norddeutschen  Untersenons  noch  nicht  so  gut  wie  heute 
bekannt.  Ich  suchte  daher  das  Äquivalent  des  Überquaders  in  dem  Ge¬ 
steine  des  Salzberges,  in  der  Zone  des  Marsupites  ornatus.  Die  Arbeiten 
Fries**)  und  Sturms***)  geben  nunmehr  ein  vollständigeres  Bild  von  der 
Fauna  des  in  Sachsen  durch  den  Überquader  repräsentierten  Niveaus  und 
lassen  eine  noch  weitergehende  Übereinstimmung  erkennen.  Sturm  prä¬ 
zisierte  den  Kieslingswalder  Sandstein  als  zum  Emscher  gehörend.  Diesem 
entspricht  demnach  auch  der  Überquader.  Unsere  Aufsammlungen  wurden 
damals  noch  eine  Zeit  lang  fortgesetzt  und  dabei  festgestellt,  dafs  in  noch 
höherem  Grade  senone  Arten  vorwiegen,  als  schon  betont  wurde.  Was 
als  Micraster  cf.  cor  testudinarium  bezeichnet  wurde,  erwies  sich  an  bes¬ 
seren  Steinkernen  als  Cardiaster  ananchytis  Leske  sp.  Der  Inoceramus 
Brongniarti  wurde  von  Herrn  G.  Müller,  Berlin,  geprüft  und  als  nicht 
mehr  zu  dieser  Art  gehörend  befunden.  Er  ähnelt  zwar  gewissen  senonen 
Formen,  doch  ist  es  nicht  möglich,  den  Steinkern  mit  Sicherheit  zu  be¬ 
stimmen.  Die  Pholadomya  nodulifera  ist  die  auch  bei  Kieslingswalde  vor¬ 
kommende  Pholadomya  elliptica  Münst.  Neu  fand  sich  Liopistha  aequi- 
valvis  Goldf.  und  eine  vielleicht  neue  Banoy aea.  Von  besonderer  Wichtig¬ 
keit  sind  die  glücklichen  Funde  des  Herrn  Dr.  K.  Deninger,  die  das  Er¬ 
gebnis  von  bis  in  die  letzte  Zeit  fortgesetzten  Aufsammlungen  sind.  Wie 
mir  genannter  Herr  freundlichst  mitteilte,  gelang  ihm  der  Nachweis  folgender 
für  den  Überquader  neuen  Fossilien:  Placenticeras  d’ Orbignyanum  Gein., 
Hamites  sp.,  Panopaea  Geinitzi  Holzapf.,  Venus  faba  Sow.,  Pholas  sclerotites 
Gein.  und  Sequoia  Beichenbachi  Gein.  Von  dem  zuerst  genannten  Am¬ 
moniten  liegen  zwei  schöne  grofse  Exemplare  vor,  wie  sie  auch  in  den 
Chlomeker  Schichten  Böhmens  gefunden  wurden,  welche  letztere  von 
Grossouvre  mit  Unrecht  zu  Placenticeras  Fritschi  Gross,  gestellt  wurden. 

Demnach  würde  die  Fauna  des  Überquaders,  soweit  es  sich  um  sicher 
bestimmbare  Reste  handelt,  folgende  Arten  umfassen: 


Placenticeras  d’  Orbignyanum  Gein. 
Nautilus  rugatus  Fr.  und  Schl. 
Pholadomya  elliptica  Münster. 
Liopistha  aequivalvis  Goldf. 
Panopaea  Geinitzi  Holzapf. 

Pholas  sclerotites  Gein. 


Venus  faba  Sow. 
Cyprina  quadrata  d’Orb 
Cardium  Ottoi  Gein. 
Pinna  cretacea  Schloth. 
Vota  quadricostata  Sow. 
Lima  canalifera  Goldf. 


*)  Über  das  Alter  des  Überquaders  im  sächsischen  Elbthalgebirge.  Abhandl.  der 
Isis  in  Dresden  1897,  S.  24. 

**)  Chlomeker  Schichten.  Archiv,  naturw.  Landesdurchf.  v.  Böhmen  Bd.  10. 

***)  Der  Kieslingswalder  Sandstein.  Jahrb.  d.  k,  preufs.  geolog.  Landesanst.  21  (1900). 


8 


Alectryonia  frons  Park. 
Ostrea  semiplana  Sow. 
Exogyra  lateralis  Nilss. 


Catopygus  albensis  Gein. 
Cardiaster  ananchytis  Leske. 
Sequoia  Beichenbachi  Gein. 


Hierzu  käme  noch  ein  spezifisch  nicht  näher  bestimmbarer  von  Herrn 
Joh.  Winkler  gefundener  Pachydiscus *)  sowie  ein  Seestern,  den  Geinitz 
als  Stellaster  cf.  elegans  Forbes  und  Dixon  bezeichnet  hatte**). 

Das  senone  Gepräge  der  Fauna  kommt  nunmehr  noch  deutlicher  zum 
Ausdruck,  als  es  nach  unserer  früheren  Mitteilung  der  Fall  war.  Unter 
Berücksichtigung  der  Fauna  der  Chlomeker  Schichten  und  der  Kieslings- 
walder  Sandsteine  kann  man  sagen,  dafs  der  Überquader  gleiches 
Alter  wie  die  Sande  vom  Löhofsberge  bei  Quedlinburg  und 
Spiegelsberge  bei  Halberstadt  haben,  er  gehört  der  Zone  des 
InoceramuS"  Koeneni  Müll  ***)  an.  Jedoch  dürfte  in  dem  böhmisch¬ 
schlesischen  Äquivalente  des  Überquaders  auch  noch  die  nächst  jüngere 
Zone  des  Emschers  enthalten  sein. 

Die  vorstehenden  Erörterungen,  sowie  unsere  früheren  Untersuchungenf) 
ermöglichen  es,  unter  Benutzung  der  grundlegenden  stratigraphischen  und 
palaeontologischen  Arbeiten  namentlich  von  Geinitz,  Beck  und  Schalch 
die  Schichtfolge  der  Kreide  von  Sachsen  in  sehr  genaue  Übereinstimmung 
mit  derjenigen  Nordwestdeutschlands  sowohl  wie  Englands  und  des  Pariser 
Beckens  zu  bringen.  Es  lassen  sich  die  Schichten  der  Kreide  Sachsens 
in  folgende  Gliederung  zusammenfassen: 


Unterer  Emscher. 
Cuvieri- Stufe. 

Scaphiten- Stufe. 


Brongniarti  -  Stufe 
{sensu  stricto) 


Labiatus- Stufe. 


Überquader. 

Cuvieri  -  Mergel  von  der  Teplitzer  Strafse  in 
Dresden  und  Scaphiten -Ton  von  Zatzschke. 

Obere  Abteilung  mit  Acanthoc. 
Neptuni ,  Scaphites  Geinitzi,  Lima 
Hoperi :  Spinosus-Pläner  von  Strehlen- 
Weinböhla  (Brongniarti- Pläner)  und 
Brongniarti  -  Quader  der  Sächsischen 
Brongniarti-  Schweiz. 

Stufe  (der  Untere  Abteilung  mit  Acanthoc. 
sächsischen  Woollgari  und  Prionotropis  caro- 
Geologen)  linus :  Brongniarti -Mergel  von  Räck¬ 
nitz,  Brongniarti-Pläner  von  Krietzsch¬ 
witz  und  Hoher  Schneeberg, _  Grünsand¬ 
stein  mit  Bhynchonella  bohemica ,  un¬ 
terer  Teil  des  Brongniarti-Quaders  von 
Tetschen  und  Elbleiten. 

Labiatus -Pläner  und  Labiatus -Quader. 


Zone  des  Actino- 
camax  plenus. 

Cenomane  Quader-Stufe. 


Carinaten- Pläner  und  Plänersandstein. 

Carinaten  -  Quader. 

Crednerien  -  Stufe. 


*)  Vergl.  W.  Petrascheck:  Ammoniten  d.  sächs.  Kreide.  Beitr.  z.  Pal.  u.  Geol. 
Österr.-Ung.  14  (1902),  S.  138. 

**)  In  Sitzungsber.  der  Isis  in  Dresden  1882,  S.  70  als  St.  albensis  Gein.  erwähnt. 

***)  Vergl.  G.  Müller  in  Zeitsch.  d.  deutschen  geol.  Ges.  1900,  S.  39. 
f )  Studien  üb.  Faciesbildungenin  der  sächs.  Kreide.  Abhandl.  d.  Isis  in  Dresden  1899,  S.  31. 


9 


Der  Parallelismus  der  sächsischen  Kreidehorizonte  mit  denen  Englands 
und  des  Pariser  Beckens  in  der  Gliederung,  wie  sie  Grossouvre*)  und 
Iukes  Browne**)  in  ihren  Monographien  gegeben  haben,  ist  ein  voll¬ 
kommener.  Behalten  wir  in  Ermangelung  charakteristischer  Leitfossile 
die  Namen  Cenomanquader  und  Überquader  für  den  ältesten  bez.  jüngsten 
Horizont  bei,  so  kann  folgendes  Schema  zur  Vergleichung  dienen: 


Sachsen 

F  rankreich 

England 

Überquader 

Coniacien 

(. Barroisiceras  Haber¬ 
fellner  i) 

Z.  of  Micr.  cor 
ang. 

Upper  Z.  of  Micr .  cor 
Chalk  testuä. 

Z.  of  Holaster 
planus 

Cuvieri- Stufe 

Scaphiten- Stufe 

Brongniarti- Stufe 

Labiatus- Stufe 

Angoumien 

Z.  of  Terebratu- 
Middle  lina 

Chalk  Z.  of  j Rhyncho- 
nella  Cuvieri 

Saumurien 

Plenus-Zone 

Cenoman- Quader 

Z.  of  Actinoca- 
Lower  max  plenus 

Chalk  übrige  Cenoman- 
Zonen 

Cenomanien 

Die  Erkenntnis,  dafs  in  den  Mergeln  von  der  Teplitzer  Strafse  in 
Dresden  ein  Niveau  vorliegt,  das  jünger  als  der  Plänerkalk  von  Strehlen 
ist,  hat  auch  Bedeutung  für  die  Tektonik  des  Elbtales  bei  Dresden.  Da 
das  Fallen  der  Schichten  auf  den  Höhen  von  Plauen  und  Kaitz  sowohl 
wie  bei  Strehlen  ein  flach  nordöstliches  ist,  würde  man  in  den  Mergeln 
von  der  Teplitzer  Strafse,  ungestörte  Lagerung  vorausgesetzt,  eine  Schicht 
suchen,  die  älter  ist,  als  der  Strehlener  Pläner.  Der  Umstand,  dafs  sie 
jünger  sind,  deutet  auf  einen  Bruch  hin,  der  ein  nochmaliges  Auftauchen 
älterer  Schichten  bewirkt.  Man  wird  kaum  fehlgehen,  wenn  man  das 
Hervortreten  des  Strehlener  Kalkhügels  auf  einen  nordwestlich  streichenden 
Bruch  zurückführt,  an  dem  der  südwestliche  Flügel  etwas  abgesunken  ist. 
Das  Niveau  des  Strehlener  Pläners  dürfte  unter  der  Lehmdecke  südlich 
von  Zschertnitz,  woselbst  Geinitz***)  bei  einer  Brunnengrabung  Strehlener 
Fossilien  nachgewiesen  hat,  vielleicht  auch  noch  in  den  Zschertnitzer 
Mergeln  die  Scaphites  Geinitzi  d’Orb.  geliefert  haben,  selbst  zu  suchen 
sein.  Zudem  ist  es  wahrscheinlich,  dafs  die  Strehlener  Verwerfung,  zu 
deren  Annahme  wTir  soeben  geführt  wurden,  nicht  die  einzige  ist,  die  sich 
an  der  Bildung  des  linken  Gehänges  der  Elbtalwanne  von  Dresden  be¬ 
teiligt.  Auf  den  Höhen  oberhalb  Plauen  und  bei  Kaitz  liegen  ältere 

*)  Recherches  sur  la  craie  superieure.  I.  Stratigraphie  generale.  Mem.  ponr  serv. 
ä  l’expl.  de  la  carte  geol.  Paris  1901. 

**)  The  cretaceous  rocks  of  Britain.  3  Bde.  Mem.  of  the  geol.  snrv.  London 
1900  —  1904. 

***)  Sitzungsher.  d.  Isis  in  Dresden  1865,  S.  65. 


10 


Schichten,  Cenoman  und  unteres  Turon,  an  ihrem  Fufse,  oft  ganz  in  der 
Nähe  von  Aufschlüssen  in  ersteren,  jedoch  beträchtlich  tiefer,  stehen 
jüngere  Horizonte  an.  Nicht  immer  genügt  das  sehr  flache  Einfallen  der 
Schichten  zur  Erklärung  dieser  Tatsache.  Eine  von  meinem  früheren  Kol¬ 
legen,  dem  jetzigen  Kgl.  Preufsischen  Geologen  Dr.  E.  Naumann  mir 
gegenüber  geäufserte  Ansicht,  dafs  an  den  Gehängen  von  Plauen-Räcknitz 
ein  Bruch  vorhanden  sein  könne,  gewinnt  sehr  an  Wahrscheinlichkeit,  um¬ 
somehr,  als  weiter  elbabwärts  bei  Niederwartha  ein  solcher  linkselbischer 
Bruch,  der  dem  dortigen  Elbtale  den  Charakter  eines  Grabens  verleiht, 
durch  Beck  und  Dalmer  nachgewiesen  worden  ist,  ein  Bruch,  der  sich 
übrigens  noch  etwas  weiter  nach  Südost  in  die  Kreide  verfolgen  läfst. 
Dafs  es  auch  an  dem  Gehänge  von  Plauen  an  Verwerfungen  nicht  fehlt,  war 
vor  einem  Jahre  beim  Baue  einer  am  oberen  Teil  der  Hohen  und  Coschützer 
Strafse  verbindenden  noch  namenlosen  Strafse  zu  beobachten.  Man  hatte 
Labiatus-Pläner  mit  der  darunter  liegenden  Tonmergelschicht  angeschnitten, 
die  neben  einem  Bruche  zu  einer  kleinen  flachen  Mulde  und  einem  ebenso 
flachen  Sattel  zusammengestaucht  waren.  Jenseits,  östlich  des  Bruches, 
standen  nach  abwärts  geschleppte  Plänerbänke  an.  Dieser  Bruch  schien 
nördliches  bis  nordöstliches  Streichen  zu  besitzen  und  dürfte  wohl  den 
Charakter  einer  kleinen  Querstörung  haben. 


II.  Über  europäische  Zwergvölker*). 

Von  Dr.  K.  Deninger. 


Weit  verbreitet  unter  den  Völkern  sind  die  Sagen  von  Zwergen.  In 
unseren  deutschen  Sagen  und  Märchen  spielen  sie  ja  eine  grofse  Rolle, 
und  bis  in  die  neueste  Zeit  hat  sie  die  Wissenschaft  ausschliefslich  auf 
dieses  Gebiet  verwiesen.  Jetzt  ist  es  allgemein  bekannt,  dafs  auf  der 
Erde  heutzutage  noch  zahlreiche  Zwergvölker  leben,  die  ihre  Heimat  vor¬ 
wiegend  in  Afrika  haben.  Ihr  Auftreten  in  den  verschiedensten  Teilen 
dieses  Weltteils  läfst  darauf  schliefsen,  dafs  alle  diese  Gruppen  einst  in 
Zusammenhang  standen  und  dafs  die  jetzt  noch  erhaltenen  Volksstämme 
die  letzten  Reste  einer  früher  über  Afrika  allgemein  verbreiteten  Bevöl¬ 
kerung  darstellen.  Auch  in  Südasien  leben  einige  Zwergvölker  und  in 
neuester  Zeit  will  man  sie  auch  in  Amerika  aufgefunden  haben.  Allen 
diesen  Völkern  ist  aufser  der  geringen  Körperhöhe  eine  sehr  niedere  Kultur¬ 
stufe  gemeinsam.  Fast  alle  Zwergvölker  sind  ausschliefsliche  Jägervölker. 

In  unseren  deutschen  Sagen  sind  die  Zwerge  mit  so  vielen  übernatür¬ 
lichen  Zutaten  versehen  worden,  dafs  es  schwer  hält,  aus  ihnen  Material 
für  die  Zwergforschung  zu  schöpfen.  Ganz  anders  steht  es  damit  in  den 
schweizer  Sagen**).  Hier  werden  die  „Wildmännli“,  in  Graubünden 
auch  „Fänggen“  genannt,  als  ein  Naturvolk  von  kleinem  Wuchs  geschil¬ 
dert.  Sie  leben  an  schwer  zugänglichen  Stellen  des  Gebirges  zu  kleinen 
Horden  vereint  in  Felshöhlen.  Im  Sommer  gewährt  ihnen  ihre  starke 
Behaarung  genügenden  Schutz  und  nur  im  Winter  bekleiden  sie  sich  aufser- 
dem  mit  Fellen.  Es  sind  gutmütige  Naturkinder,  die  selten  den  Menschen 
etwas  zu  leid  tun,  ihnen  dagegen  häufig  durch  Hülfeleistung  nützen.  Ihre 
Gewandtheit  im  Laufen  und  Klettern  wird  stets  gerühmt.  Die  Menschen 
machen  sich  gelegentlich  auch  den  Scherz,  ein  solches  Wildmännli  einzu¬ 
fangen  —  eines  soll  sogar  nach  Rom  gesandt  worden  sein  — ,  worauf 
dann  der  Rest  des  Völkchens  auf  Nimmerwiedersehen  auswandert.  Diese 
Schilderungen  der  bündner  Sagen  stimmen  so  vorzüglich  mit  dem  überein, 
was  wir  von  anderen  Zwergvölkern  wissen,  dafs  man  sich  nicht  recht  vor¬ 
stellen  kann,  wie  Sennen  diese  Dinge  sollten  frei  erfunden  haben.  Da  es 
sich  hier  um  Sagen  deutscher  Schweizer  handelt,  müfsten  die  Fänggen 
noch  nach  der  Völkerwanderung  in  den  Alpen  gelebt  haben.  Dies  ist 
vorläufig  aber  weder  als  erwiesen,  noch  als  unmöglich  anzusehen. 


*)  Vortrag  gehalten  in  der  naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis  in  Dresden 
am  3.  März  1904. 

**)  Georg  Luck:  Rätische  Alpensagen.  Davos  1902. 


12 


Nun  brachten  aber  in  den  letzten  Jahren  prähistorische  Forschungen 
in  der  Schweiz  ganz  überraschende  Tatsachen  zu  Tage,  die  einen  wichtigen 
Fortschritt  auf  dem  Gebiet  der  Zwergforschung  bedeuten*). 

In  den  Jahren  1891  — 1893  wurde  von  Dr.  Nüesch  in  Schaffhausen  die 
prähistorische  Niederlassung  am  Schweizersbild  in  der  Nähe  dieser  Stadt 
ausgebeutet,  und  neben  zahlreichen  Stein-  und  Knochengeräten  der  älteren 
und  jüngeren  Steinzeit  fanden  sich  auch  eine  Anzahl  von  Grabstätten  der 
Steinzeitmenschen.  Die  Gräber,  mit  denen  wir  uns  hier  zu  beschäftigen 
haben,  gehören  sämtlich  der  älteren  neolithischen  Periode  an  und  wurden 
von  Professor  Kollmann  in  Basel  einer  eingehenden  anthropologischen 
Untersuchung  unterzogen. 

Er  fafst  die  Resultate  dahin  zusammen:  „Es  wurden 

1.  Knochenreste  von  Menschen  gefunden,  die  eine  ansehnliche  Körper¬ 
höhe  besafsen,  wie  sie  unter  uns  als  Regel  angesehen  wird,  nämlich  von 
1,60  m  Körperhöhe  und  darüber; 

2.  Knochenreste,  welche  offenbar  von  Pygmäen  herrühren,  d.  h.  von 
Menschen  mit  einer  Körperhöhe  von  weit  unter  1,60  m,  deren  kleiner  Wuchs 
gleichwohl  nichts  mit  dem  auf  krankhafter  Unterlage  entstandenen  Zwerg¬ 
wuchs  gemein  hat.  Das  Schweizersbild  liefert  also  Belege,  dafs  in  Europa 
während  der  neolithischen  Periode  neben  den  hochgewachsenen  Varietäten 
des  Menschen  auch  eine  pygmäenhafte  Varietät  gelebt  hat,  sowie  dies  noch 
heute  in  anderen  Kontinenten  der  Fall  ist  und  offenbar  dort  auch  schon 
in  der  ältesten  Zeit  der  Fall  war.“ 

Die  Mafse  der  Menschen  vom  Schweizersbild  werde  ich  weiter  unten 
mit  denen  von  anderen  Fundpunkten  aufführen  und  will  deshalb  hier  nur 
erwähnen,  dafs  sämtliche  Männer  der  grofsen,  die  Frauen  aber  der  kleinen 
Rasse  angehören. 

Bald  kam  weiteres  Material  zum  Vorschein.  Bei  Chamblandes,  in  der 
Nähe  von  Lausanne,  wurde  ein  Gräberfeld  aufgedeckt,  das  ebenfalls  Reste 
von  kleinen  Leuten  enthielt. 

Ferner  fand  Professor  Kollmann  die  Menschenreste  wieder  auf,  welche 
im  Jahre  1874  von  Dr.  von  Mandach  in  der  Höhle  im  Dachsenbüel  bei 
Schaff  hausen  gesammelt  worden  waren,  und  es  stellte  sich  heraus,  dafs 
sich  auch  unter  diesen  pygmäenhafte  Leute  befanden. 


Herkunft 

Ge¬ 

schlecht 

Körperhöhe  nach  Manouvrier 

Schweizersbild 

P 

1416 

5? 

P 

1355 

55 

P: 

1500 

Kleine 

Dachsenbüel 

P 

1300  j 

(  Rasse? 

1 

55 

cf  ■ 

1450  ' 

Chamblandes 

4  P 

1450-1520  ] 

1 

55 

Schweizersbild 

Dachsenbüel 

cf 

cf 

cf 

1580-1680 
1662  ! 
1650-1660 

I  Grofse 
[  Rasse? 

*)  J.  Nüesch:  Schweizersbilch  Zürich  1902  (2.  Auf!.);  J.  Nüesch:  Dachsenbüel. 
Zürich  1902. 


13 


Berücksichtigt  man  nur  die  beiden  nordschweizerischen  Fundstellen, 
so  liefse  sich  die  Trennung  einer  grofsen  und  einer  kleinen  Menschenrasse 
aufrecht  erhalten.  Man  müfste  dann  mit  Professor  Kollmann  die  Grenze 
etwa  bei  1,50  m  ansetzen  und  es  verblieben  dann  für  die  Pygmäen  sämt¬ 
liche  Frauen  und  der  eine  Mann  vom  Dachsenbüel,  für  die  grofse  Rasse 
zwei  Männer  von  1,65 — 1,66  m.  Eine  Frau  von  1,50  als  pygmäenhaft  zu 
bezeichnen,  scheint  mir  allerdings  etwas  gewagt,  aber  der  Kernpunkt  der 
Frage  scheint  mir  weniger  auf  den  Begriff  der  Pygmäen  hinauszulaufen 
als  darauf,  ob  hier  zwei  verschiedene  Rassen  vorliegen  oder  nicht.  Für 
diese  Frage  scheint  aber  die  Art,  wie  die  Menschenreste  zusammen  gefunden 
wurden,  nicht  unwichtig  zu  sein.  Im  Dachsenbüel  wurden  nämlich  die 
Reste  des  grofsen  Mannes  von  1,65  m  mit  denen  der  kleinen  Frau  von 
1,30  m  in  einem  sorgfältig  angelegten  Grabe  zusammen  bestattet  aufge¬ 
funden.  Wenn  aber  Menschen  unter  solchen  Umständen  zusammen  be¬ 
stattet  werden,  so  ist  der  Schlufs  wohl  erlaubt,  dafs  sie  nicht  nur  neben¬ 
einander,  sondern  miteinander  gelebt  haben.  Wenn  zwei  verschiedene 
Rassen  auch  friedlich  nebeneinander  leben,  so  werden  sie  doch  nie  ihre 
Angehörigen  mit  allen  Ehren  zusammen  bestatten.  Höchstens  bei  ganz 
intensiver  Rassenvermischung  dürfte  dies  Vorkommen,  und  dann  ist  es  uns 
bei  so  spärlichen  Resten  überhaupt  unmöglich,  verschiedene  Völker  aus¬ 
einander  zu  halten.  Nun  ist  der  Unterschied  zwischen  einem  Manne  von 
1,65  m  und  einer  Frau  von  1,30  m  allerdings  sehr  beträchtlich.  Berück¬ 
sichtigen  wir  aber,  dafs  dies  auch  so  ziemlich  die  extremsten  Gröfsen- 
unterschiede  der  schweizer  Neolithiker  sind  und  dafs  derartige  Unterschiede 
nicht  nur  bei  Kulturvölkern,  sondern  auch  bei  Naturvölkern  sehr  häufig 
Vorkommen,  so  liegt  kein  Grund  vor,  der  gegen  die  Zugehörigkeit  dieser 
Leute  zu  ein  und  demselben  Volke  spricht. 

Noch  viel  einfacher  liegen  die  Verhältnisse  in  Chamblandes.  Hier 
schwankt  die  Gröfse  der  Männer  zwischen  1,58  —  1,68  m,  diejenige  der 
Frauen  zwischen  1,45  und  1,52.  Wollte  man  hier  nach  der  Körpergröfse 
zwei  verschiedene  Rassen  unterscheiden,  so  müfste  man  wiederum  die 
Männer  zur  grofsen,  die  Frauen  zur  kleinen  Rasse  rechnen.  Hier  liegt 
aber  augenscheinlich  ein  Volk  vor,  das  zwar  nicht  grofs  aber  durchaus 
nicht  pygmäenhaft  ist  und  bei  dem  der  Gröfsenunterschied  zwischen 
Männern  und  Frauen  ziemlich  beträchtlich  ist. 

Kurz  erwähnen  möchte  ich  noch,  dafs  die  anthropologische  Unter¬ 
suchung  der  Knochenreste  wohl  einige  Merkmale  niederer  Menschenrassen 
an  diesen  Skeletten  aufgefunden  hat,  dafs  aber  das  Gesamtergebnis  doch 
bleibt,  dafs  wir  es  hier  mit  Vertretern  der  kaukasischen  Rasse  zu  tun  haben. 
Wenn  ich  mich  nun  der  Ansicht  von  Professor  Kollmann,  dafs  hier  die 
Reste  zweier  verschiedener  Menschenrassen  vorliegen,  nicht  anschliefsen  kann, 
so  mufs  doch  die  Tatsache  anerkannt  werden,  dafs  die  Neolithiker  der 
Schweiz  ein  durchschnittlich  sehr  geringes  Körpermafs  besafsen.  Will  man 
diese  Leute  mit  den  Zwergsagen  der  Schweiz  in  Zusammenhang  bringen,  so 
braucht  man  nur  anzunehmen,  dafs  sie  durch  die  eindringende  spätere  Bevöl¬ 
kerung  mehr  und  mehr  in  die  schwer  zugänglichen  Täler  des  Hochgebirges 
zurückgedrängt  wurden.  Die  Zersprengung  in  kleine  Horden  mit  ungünstigen 
Existenzbedingungen  konnte  noch  weiter  zu  einem  Kleinerwerden  der  Men¬ 
schen  beitragen.  Unbedingt  nötig  ist  es  übrigens  gar  nicht,  dafs  diese  Leute 
je  zu  den  Mafsen  der  afrikanischen  Zwergvölker  herabgesunken  sind,  denn 
auch  so  mufsten  sie  den  hochgewachsenen  Alemannen  als  Zwerge  erscheinen. 


14 


Nun  gibt  es  auch  auf  den  Mittelmeerinseln  Sizilien  und  Sardinien 
eine  auffallend  grofse  Zahl  kleiner  Leute,  so  dafs  versucht  wurde,  diese 
mit  anderen  Zwergvölkern  in  Zusammenhang  zu  bringen.  Die  Zwerge 
dieser  Inseln  sind  aber  meiner  Auffassung  nach  durchaus  eine  lokale  Er¬ 
scheinung.  Sardinien  hat  wie  so  viele  Inseln  ja  seine  eigene  Zwergtierwelt 
ausgebildet.  Alle  wildlebenden  Säugetier-Arten  dieser  Insel  sind  beträcht¬ 
lich  kleiner  als  die  entsprechenden  Arten  des  Festlandes.  Es  ist  deshalb 
sehr  wahrscheinlich,  dafs  die  gleichen  Ursachen,  die  das  Kleinerwerden 
der  übrigen  Säugetiere  der  Insel  hervorgebracht  haben,  auch  auf  die  dort¬ 
lebenden  Menschen  eingewirkt  haben.  Ich  möchte  hier  auch  einmal  die 
Aufmerksamkeit  auf  die  interessante  Stadt  Alghero  in  Sardinien  lenken, 
wo  sich  eine  spanische  Kolonie  seit  wenigen  Jahrhunderten  un vermischt 
erhalten  hat.  Diese  Leute,  die  doch  zweifellos  nicht  von  Pygmäen  ab¬ 
stammen,  zählen  zu  den  kleinsten  der  ganzen  Insel.  Hier  könnte  man 
nur  die  Inzucht  in  der  verhältnismäfsig  kleinen  Kolonie  zur  Erklärung 
dieser  auffallenden  Tatsache  heranziehen. 


III.  Über  Eigenschaften  der  Eollodinmmembran. 

Yon  H.  Reben storff. 


Giefst  man  die  Lösung  von  Nitrozellulose*)  in  einem  Gemisch  von 
Alkohol  und  Äther  auf  eine  glatte,  nicht  poröse  Fläche,  so  bleibt  nach 
dem  Verdunsten  des  Lösungsmittels  ein  Häutchen  zurück,  das  man  vielfach 
unversehrt  von  der  Fläche  ablösen  kann.  Die  so  hergestellte  Membran 
diente  einigen  Forschern  zu  osmotischen  Untersuchungen.  Schuhmacher 
(Pogg.  Ann.  Bd.  110,  1860,  S.  337)  stellte  das  bemerkenswerte  Verhalten 
der  Kollodiumhäutchen  fest,  dafs  sie  Alkohol  schneller  als  Wasser  diffun¬ 
dieren  lassen,  sich  also  diesem  Körper  gegenüber  entgegengesetzt  verhalten 
wie  Tiermembranen.  Gleiche  Eigenschaften  zeigten  indessen  auch  Häutchen 
von  Bohnenhülsen  und  von  Caulerpa  prolifera.  Bei  diesen  Untersuchungen 
trat  die  grofse  Langsamkeit  der  Diffusion  durch  Kollodium  hervor.  Damit 
hängt  natürlich  der  hohe  elektrische  Widerstand  der  in  einer  Zersetzungs¬ 
zelle  zwischen  den  Elektroden  angebrachten  Kollodiummembran  zusammen, 
worauf  Hittorf  (Zeitschr.  für  phys.  Chemie  Bd.  43,  1903,  S.  247)  hinweist 
und  als  Folge  des  Umstandes  bezeichnet,  dafs  diese  Membran  eine  Lösung 
kaum  einsaugt  und  trocken  bleibt. 

Zweck  der  vorliegenden  Arbeit  ist  eine  weitere  Untersuchung  der 
Eigenschaften  der  Kollodiumhaut  im  Anschlufs  an  neuere  Erfahrungen  bei 
der  Zubereitung  möglichst  dichter  Ballons  aus  dem  eigenartigen  Material. 
Ich  gelangte  dazu,  nachdem  ich  im  vorigen  Jahre  eine  von  dem  sonst  em¬ 
pfohlenen  Verfahren  etwas  abweichende  Herstellungsart  dieser  Ballons  be¬ 
schrieben  hatte  (Zeitschr.  f.  d.  phys.  u.  ehern.  Unt.  XVI,  S.  31),  die  einen 
bequemen  Ersatz  der  zu  Luftballon-  und  anderen  Unterrichtsversuchen 
dienenden  Hüllen  ermöglichen  sollte.  Während  es  für  diese  Zwecke  keineswegs 
auf  äufserste  Dichtheit  ankommt,  ist  diese  Eigenschaft  eine  Bedingung  für  die 
Benutzung  der  Membran  zu  zahlreichen  andern,  zum  Teil  schon  in  dieser 
Arbeit  angedeuteten  Anwendungen.  Deshalb  sei  zunächt  das  mancherlei  Rück¬ 
sichten  erfordernde  Verfahren  der  Herstellung  dichter  Ballons  beschrieben. 


*)  Als  Entdecker  des  Kollodiums  wurde  lange  Zeit  der  „junge  Amerikaner  May- 
nard“  an  erster  Stelle  genannt.  Georg  W.  A.  Kahlbaum  wies  indessen  vor  kurzem 
nach,  dafs  dem  Entdecker  der  Schiefsbaumwolle  Christian  Schönbein  unstreitig  die 
Priorität  gebührt  (Mitteil.  zur  Gesch.  d.  Medizin  u.  d.  Naturw.  1902,  S.  20).  Dieser  hat 
sich  bereits  1846  über  die  Löslichkeit  nitrierter  Zellulose  ausgesprochen  und  spätestens 
zu  Ende  dieses  Jahres  die  Verwendbarkeit  der  Lösung  in  der  Wundpflege  erkannt. 
Maynard  trat  damit  erst  hervor,  als  Bigelow  1848  als  erster  in  Amerika  die  medi¬ 
zinische  Benutzung  empfohlen  hatte.  Der  Name  Kollodium  stammt  von  Augustus 
A.  Gould.  (Nach  dem  Referat  in  der  Zeitschr.  f.  d.  phys.  u.  ehern.  Unt.  XV,  S.  370.) 


16 


I.  Zubereitung  dichter  Kollodiumhallons. 

Die  vorhandenen  Schwierigkeiten  gliedern  sich  in  solche,  die  das  Heraus¬ 
holen  eines  nicht  eingerissenen  Ballons  aus  einem  Rundkolhen  als  Rest  eines 
eingetrockneten  Wandbelags  von  Kollodiumlösung  betreffen,  und  solche,  die 
die  Vermeidung  feiner  Undichtheiten  an  scheinbar  unversehrten  Hüllen  hat. 

1.  Die  Glaswand.  Geeignet  sind  Rundkolben  von  6 — 10  cm  Durch¬ 
messer  (für  die  zunächst  in  Betracht  kommenden  Zwecke)  mit  kurzem,  nicht 
zu  engem  Halse.  Erforderlichen  Falles  ist  letzterer  abzuschneiden  und 
der  neue  Halsrand  in  der  Flamme  umzulegen.  Giefst  man  in  einen  be¬ 
liebigen  Kolben  Kollodiumlösung,  verteilt  sie  durch  Drehen  auf  die  Kolben¬ 
wände  und  schüttet  den  Überschufs  zurück,  so  ist  nach  teilweisem  oder 
völligem  Verdunsten  des  Lösungsmittels  die  zurückbleibende  Haut  nur  selten 
gleich  das  erste  Mal  ohne  Rifs  herauszubekommen.  Sie  haftet  an  gewissen 
Stellen  der  Glaswand  fest,  die  nicht  völlig  rein  und  nicht  immer  durch 
Ausspülen  allein  zu  reinigen  sind.  Bisweilen  gelingt  es,  durch  Umschütteln 
mit  Sand,  Filtrierpapierresten  und  Wasser,  reichlichem  Nachspülen  und 
Trocknen  mit  Alkohol  und  Äther  es  so  weit  zu  bringen,  dafs  schon  beim 
ersten  oder  einem  der  folgenden  Versuche  die  Kollodiumhaut  sich  gleich  - 
mäfsig  ablöst.  Manche  Glaswände  behalten  aber  an  gewissen  Stellen  auch 
nach  den  erwähnten  Mafsnahmen  gröfsere  Adhäsion  zum  Kollodium  bei.  In 
solchen  Fällen  füllt  man  den  Kolben  mit  Kaliumbichromat-Schwefelsäure- 
lösung  und  läfst  ihn  damit  kalt  tagelang  oder  in  der  Hitze  (Wasserbad,  um 
Überkochen  zu  verhüten)  einige  Stunden  stehen.  Darauf  wird  wie  vorhin 
mit  Wasser  gespült  und  getrocknet. 

Während  eine  solche  Vorbereitung  bei  keinem  Versuche,  einen  Ballon 
zu  machen,  aufser  acht  bleiben  sollte,  auch  wenn  man  ihn  nur  als  Luft¬ 
ballon  steigen  lassen  will,  mufs  man  zur  Vermeidung  des  Auftretens  sehr 
kleiner  Löcher  weiter  darauf  achten,  dafs  die  Innenwand  des  Rundkolbens 
möglichst  frei  ist  von  eingeschmolzenen  Luftbläschen,  die  nach  innen  konvex 
vorspringen.  An  solchen  Stellen  entsteht  oft  regelmäfsig  ein  feines  Loch, 
zunächst  freilich  wohl  nur  eine  äufsert  dünne  Wandung,  die  aber  beim 
ersten  Einblasen  von  Luft  aufplatzt. 

Ist  ein  Kolben  während  längerer  Zeit  zur  Ballonbereitung  nicht  be¬ 
nutzt  worden,  so  verschlechtern  sich  wieder  die  Adhäsionsverhältnisse  der 
Wandung;  nach  einigen  vergeblichen  Versuchen,  durch  die  man  sich  nicht 
abschrecken  lassen  darf,  erhält  man  aber  wieder  Ballons  von  der  früheren 
Beschaffenheit.  Es  ist  wahrscheinlich  und  wird  gegenwärtig  erprobt,  dafs 
Kolben  ihre  geeignete  Wandbeschaffenheit  lange  bewahren,  wenn  man  sie 
mit  etwas  Äther  wohl  verschlossen  aufbewahrt. 

2.  Die  Kollödiumlösimg.  Stellt  man  Ballons  nach  den  älteren  Vor¬ 
schriften  her,  indem  man  die  auf  der  inneren  Kolbenwand  verbliebene 
Lösung  durch  mehrtägiges  Stehen  fast  oder  ganz  eindunsten  läfst  und 
die  zum  Teil  von  selbst  losgegangene  Haut  mit  äufserster  Vorsicht  heraus¬ 
zieht,  so  erhält  man  gewöhnlich  Ballons  von  verzerrter  Kugelform,  deren 
Durchmesser  erheblich  kleiner  als  der  des  Kolbens  ist.  Da  infolgedessen 
die  Dicke  der  Kollodiumschicht  nicht  zu  gering  ausfällt,  kann  man  von 
dem  gewöhnlichen  Kollodium  (zu  4  °/0)  der  Apotheken  Gebrauch  machen. 
Bereitet  man  indessen  die  Ballons  nach  der  weiter  unten  mitgeteilten 
Anweisung,  so  werden  die  Ballons  durch  das  Aufblähen  der  noch  weichen 
Kollodiumhaut  dünnwandiger,  und  es  empfiehlt  sich,  das  besonders  zu 


bestellende  Kollodium  triplex  (zu  6  °/0)  zu  benutzen.  Man  erleichtert  sich 
die  Arbeit  sehr,  wenn  man  auch  diese  Lösung  noch  dadurch  etwas  kon¬ 
zentriert,  dafs  man  sie  bei  recht  trockener  Luft  im  Freien  zwischen  zwei 
Gefäfsen  in  langem  dünnem  Strahle  mehrmals  hin-  und  hergiefst.  Ge¬ 
haltsbestimmungen  macht  man  sehr  einfach  durch  Abwägen  von  etwas 
Lösung  vor  und  nach  dem  Abdunsten  zwischen  gut  schliefsenden,  leer  ge¬ 
wogenen  Uhrgläschen.  Für  die  Gewinnung  genau  kugelförmiger  Ballons 
von  gröfster  Dichtheit  ist  es  wichtig,  dafs  die  benutzte  Lösung  durch 
Herumwälzen  und  längeres  Stehenlassen  der  verschlossenen  Flasche  — 
dies  auch  zum  Aufsteigen  der  Luftblasen,  eine  möglichst  gleichmäfsige 
Beschaffenheit  erhält.  Besonders  durch  das  Zurückfliefsen  des  Kollodium¬ 
überschusses  aus  den  Kolben  wird  die  Lösung  von  ungleicher  Konzen¬ 
tration,  so  dafs  die  damit  hergestellten  Ballons  aus  mehreren  verwachsenen 
Kugeln  zu  bestehen  scheinen.  Zweckmäfsig  erscheint  es  mir,  nach 
schnellem  Zurückgiefsen  des  gröisten  Teils  vom  Kollodiumüberschufs  einen 
Gummistopfen  auf  seine  Mündung  zu  setzen,  durch  dessen  Durchbohrung, 
die  ein  sehr  kurzes  Glasröhrchen  enthält,  der  Überschufs  in  die  Kollodium- 
Vorratsflasche  abfliefst.  Hierbei  steht  natürlich  der  Kolben  verkehrt 
und  senkrecht  direkt  über  der  offenen  Flasche.  Nach  etwa  2  Minuten 
beschliefst  man  den  stockenden  Abflufs  durch  Auflegen  der  warmen  Hand 
auf  den  Kolben,  hebt  den  Stopfen  ab  und  klemmt  den  Kolben  in  der 
zuletzt  eingenommenen  Stellung  an  einem  Stative  fest.  Es  ist  von  Be¬ 
deutung,  dafs  auch  jetzt  noch  etwas  Lösung  abrinnt,  damit  der  Ballon¬ 
hals  ein  wenig  dickwandiger  wird.  Den  Gummistopfen  reinige  man  sofort, 
am  besten  mit  glattem  Seidenpapier  unter  Benutzung  eines  Glasstäbchens 
für  die  Durchbohrung;  Leinen  fasert  und  verschlechtert  beim  nächsten 
Gebrauche  des  Stopfens  die  abrinnende  Lösung,  da  an  feinen  Fäserchen 
in  der  Membran  Luftkanäle  entstehen  können,  wie  die  Beobachtung  zeigte. 

Zum  eventuellen  Färben  des  Kollodiums  setzt  man  die  ätherische 
Lösung  des  Anilinfarbstoffes  hinzu  und  mischt  durch  Schütteln,  Umwälzen 
der  Flasche  und  langes  Stehenlassen.  Feuchtigkeit,  die  sich  aus  der  Luft 
beim  Eindunsten  der  Lösung  infolge  der  Abkühlung  niederschlägt,  macht 
die  Membranen  opak  und  wahrscheinlich  weniger  fest  und  dicht.  Die 
Ballonbereitung  nehme  man  daher  in  recht  trockener,  warmer  Luft  vor. 

3.  Das  Herausziehen  des  Ballons  aus  dem  Kolben.  Den  auf  der 
Innenwand  mit  der  Lösung  gleichmäfsig  benetzten  Kolben  läfst  man 
wenigstens  eine  Stunde  in  der  Stativklemme.  Zum  Herausziehen  des 
Ballons  lege  man  sich  aufser  einem  Glasrohr  von  etwa  25  cm  Länge  und 
der  Dicke  eines  starken  Bleistiftes  Stücke  weichen  Bindfadens  (baum¬ 
wollenes  Stopf-  oder  Wiebelgarn),  sowie  kurze  Glasstöpselchen  aus  zu¬ 
geschmolzenen  Röhrchen  bereit,  mit  denen  man  ein  auf  das  Glasrohr  ge¬ 
setztes  kurzes  Schlauchstück  verschliefsen  kann.  Die  Enden  des  Glas¬ 
rohres  müssen  gut  rund  geschmolzen  sein. 

Nachdem  man  mit  einem  Messer  die  Kollodiumhaut  an  der  Kolben¬ 
mündung  ringsherum  gelöst  und  sie  durch  geringes  Unterschieben  der 
Klinge  etwa  1  cm  weit  vom  Glase  abgehoben  hat,  versieht  man  das  Glas¬ 
rohr  mit  dem  kurzen  Schlauchstück  und  senkt  es  mit  dem  andern  Ende 
durch  den  Kolbenhals  1  —  3  cm  tief  in  den  Bauchteil  des  Kolbens  ein. 
Nun  drückt  man  mit  dem  Zeigefinger  ein  Randstück  des  losgemachten 
Ballonhalses  gegen  das  Glasrohr  und  dreht  den  Kolben  mit  der  andern 
Hand  um  das  Glasrohr  als  Achse.  Die  Ballonwand  löfst  sich  hierbei  vom 


18 


Kolbenhalse  ab  und  legt  sich  in  lockeren  Schraubenwindungen  um  das 
Glasrohr.  Letzteres  halte  man  recht  leicht  in  der  Hand,  so  dafs  man  dem 
schwachen  Zuge  nach  dem  Kolbenbauche  folgt,  der  beim  Aufwinden  des 
Ballons  auf  das  Glasrohr  ausgeübt  wird.  Nach  einigen  Umdrehungen 
kann  man  den  seitlichen  Druck  des  Zeigefingers  auf  Ballonhals  und  Glas¬ 
rohr  auf  heben,  da  genügend  fester  Sitz  beim  drehenden  Aufwinden  ent¬ 
steht.  Hat  man  einmal  zu  früh  mit  diesem  Drucke  aufgehört  oder  ist 
durch  stundenlanges  Stehen  des  Kolbens  vor  dem  Hervorziehen  des  Ballons 
dessen  Halswandung  schon  fast  erstarrt  und  daher  glatter  geworden, 
so  nimmt  man  zum  längeren  Andrücken  des  Ballonhalses  an  das  Glas¬ 
rohr  ein  kurzes  Holz-  oder  Glasstäbchen  zu  Hilfe.  Ist  durch  fortgesetztes 
Drehen  des  Kolbens  (oder  des  Glasrohres  in  entgegengesetztem  Sinne) 
ein  gröfserer  Teil  des  Kolbenbauches  von  der  Membran  frei  geworden, 
so  denke  man  beim  weiteren  Drehen  daran,  dafs  das  Glasrohr  nicht  dem 
Kolbenboden  zu  nahe  kommt.  Man  halte  es  also  etwas  zurück  und  lasse 
die  letzten  Windungen  des  Ballons  sich  in  der  Verlängerung  des  Glas¬ 
rohres  ausbilden.  Man  zieht  alsdann  unter  Drehungen  im  gleichen  Sinne, 
Glasrohr  und  Ballon  aus  dem  Kolben  und  bläst  sofort  nicht  zu  schnell 
zur  Kugel  auf.  Auch  der  Ballonhals  wird  hierbei  von  dem  Glasrohr  frei, 
so  dafs  man  meistens  letzteres  leicht  in  den  Ballonhals  zurückziehen  kann, 
was  für  manche  Anwendungen  der  Ballons  erwünscht  ist.  Während  man 
hierbei  den  Ballonhals  nur  ganz  lose  hält,  um  den  senkrecht  nach  unten 
hängenden  Ballon  vor  dem  Herabfallen  zu  bewahren,  drückt  man  nun¬ 
mehr  die  Wand  des  Ballonhalses  unter  Drehungen  des  Glasrohres  so  an 
dieses  an,  wie  wenn  man  ein  loses  Zigarrendeckblatt  wieder  anlegen  will. 
Es  kommt  nämlich  unterhalb  der  Befestigungsstelle  des  Ballons  leicht  zur 
Bildung  feiner  Öffnungen,  wenn  daselbst  die  Ballonhaut  gar  zu  unregel- 
mäfsig  zerknittert  ist.  Nach  oder  während  des  Andrückens  bläst  man 
den  Ballon  wieder  schwach  auf  und  schliefst  das  Schlauchstück  am  Glas¬ 
rohr  mit  einem  Stöpselchen  ab.  Zweckloses  Einblasen  von  feuchter 
Atemluft  ist  durchaus  zu  vermeiden.  Man  spannt  nun  das  Glasrohr  recht 
fest  senkrecht  in  eine  Stativklemme  ein  und  bindet  den  Ballonhals  durch 
nicht  zu  straffe  Umschnürungen  mit  dem  weichen  Garn  auf  dem  Glas¬ 
rohr  fest.  Dann  löst  man  vorübergehend  das  Glasstöpselchen  und  bläst 
den  Ballon  langsam  je  nach  dem  Zwecke,  dem  er  dienen  soll,  mehr  oder 
weniger  auf,  wras  bis  zu  einem  etwa  um  die  Hälfte  gröfseren  Durchmesser 
meistens  leicht  möglich  ist.  Nach  dem  Abschliefsen  des  Glasrohres  läfst 
man  den  Ballon  völlig  erstarren. 

4.  Das  Erhärten  der  Kollodiummembran.  Hat  der  Ballon  völlige 
Dichtheit,  so  behält  er  beim  Verdunsten  der  Reste  des  Lösungsmittels, 
das  in  zwei  Stunden  bis  auf  Spuren  entfernt  ist,  seinen  Durchmesser  fast 
unvermindert  bei.  Die  Membran  zieht  sich  nämlich  beim  Erstarren  er¬ 
heblich  zusammen,  aber  der  hierdurch  entstehende  gröfsere  Innendruck 
weitet  den  noch  etwas  weichen  Ballon  wieder  aus.  Eine  gewisse  Volum¬ 
abnahme  wird  aber  dadurch  bedingt,  dafs  der  Dampf  des  Lösungsmittels 
schneller  nach  aufsen  diffundiert,  als  Luft  nach  innen  (s.  die  unten  be¬ 
schriebenen  Diffusionen  von  Gasen,  die  in  der  die  Membran  durchtränkenden 
Flüssigkeit  löslich  sind).  Hatte  der  Ballon  indessen  eine  undichte  Stelle, 
die  wie  schon  erwähnt,  über  einer  kleinen,  nach  innen  konvexen  Wölbung 
der  Glaswand,  sowie  bei  einem  Fäserchen  im  Kollodium  entstehen  kann, 
so  geht  der  Ballon  schneller  oder  langsamer  an  Gröfse  zurück  und  wird 


w 


schlimmsten  Falles  so  unansehnlich,  dafs  man  ihn  auch  dort  nicht  ge¬ 
brauchen  wird,  wo  er  nicht  völlig  dicht  zu  sein  braucht.  Da  es  nicht 
leicht  ist,  Kolben  mit  nur  ganz  wenigen  Luftbläschen  zu  erhalten  und 
daher  die  Ballons  sehr  oft  ein  ganz  feines  Löchlein  besitzen  werden,  so 
sei  erwähnt,  dafs  letztere  um  so  seltener  entstehen,  je  konzentrierter 
die  Lösung  gemacht  war  (z.  B.  71/2pn>zentig),  dafs  man  ferner  die  feine 
Öffnung  nachträglich  schliefsen  kann.  Hierzu  mufs  sie  freilich  erst  ge¬ 
funden  sein.  Man  verbinde  das  Glasrohr  des  Ballons  mit  einem  längeren 
Gummischlauch  und  drehe  den  Ballon,  während  man  ihn  mit  dem  Munde 
auf  bläst  (Druck  gleich  etwa  20  cm  Wassersäule)  nahe  dem  Auge  so,  dafs 
dieses  alle  Wandstellen  abprüfen  kann.  Auch  ein  äufserst  feiner  Gas¬ 
strom  ruft  am  Auge  Kältegefühl  hervor  und  meistens  gelingt  es  nun,  die 
kreisrunde  Öffnung  zu  sehen.  Eine  Uhrmacherlupe  vor  dem  andern  Auge 
oder  eine  in  hohem  Stativ  befestigte  gewöhnliche  Lupe  erleichtert  die 
Auffindung  des  oft  an  der  Grenze  der  Sichtbarkeit  befindlichen  Löchleins. 
Es  ist  bemerkenswert,  dafs  zahlreiche,  erheblich  kleinere  Öffnungen  in 
den  Ballons  höchstens  an  Fäserchen  Vorkommen.  Wären  sehr  feine  kon¬ 
vexe  Blasenerhöhungen  in  der  Glaswand,  so  würden  sie  von  dem  flüssigen 
Kollodium  wohl  genügend  stark  überdeckt  werden.  Zum  Schliefsen  einer 
entdeckten  feinen  Öffnung  genügt  ein  kleiner  Tropfen  Kollodium  von  6  °/0, 
den  man  mit  einem  mit  dem  äufsersten  Ende  in  die  Lösung  getauchten 
dünnen  Glasstäbchen  recht  schnell  aus  der  Flasche  auf  die  Öffnung  bringt. 
Der  innendruck  ist  dabei  vorher  fast  aufzuheben,  und  durch  etwa  eine 
halbe  Minute  fortgesetztes  Blasen  gegen  das  Tröpfchen  mit  angenähertem 
Munde  oder  aus  einem  Lötrohr  das  Festwerden  zu  beschleunigen.  War 
der  Ballon  erst  einige  Minuten  zuvor  aus  dem  Kolben  genommen,  so  ge¬ 
lingt  das  feine  Bisterchen  so  gut,  dafs  man  es  nur  schwierig  später  wieder¬ 
findet.  Einen  Ballon,  an  dem  man  erst  nach  einer  Viertelstunde  des 
Andieluftbringens  noch  dichten  will,  bestimme  man  lieber  nicht  zu 
Anwendungen,  bei  denen  es  auf  besondere  Dichtheit  ankommt.  Versucht 
man  das  Schliefsen  einer  Öffnung  an  einem  fast  erhärteten  Ballon,  so  ent¬ 
stehen  ungleichmäfsige  Faltungen,  die  eine  Quelle  neuer  viel  gröfserer  Löcher 
werden.  Solange  der  Bezug  blasenfreier  Kolben  für  Kollodiumballons,  den 
ich  zu  erreichen  hoffe,  nicht  möglich, 
wäre  ein  Dichtungsmittel  anderer  Art, 
als  das  die  erstarrte  Wand  wieder  lö¬ 
sende  Kollodium  erwünscht.  In  vielen 
Fällen  liefert  aber  die  Befolgung  der  ge¬ 
gebenen  Fingerzeige  Ballons  von  schön¬ 
ster  Form  und  Dichtheit. 

Schliefst  man  an  das  Ballonglas¬ 
rohr  ein  Quecksilbermanometer,  so  zeigt 
dies  den  inneren  Überdruck  an,  der  in 
etwa  15  Minuten  seinen  gröfsten  Betrag 
von  60  mm  und  darüber  überschreitet. 

Um  nach  dem  Anschlufs  an  das  Mano¬ 
meter  wieder  auf  blähen  zu  können, 
schalte  man  ein  T-rohr  in  die  Schlauch¬ 
verbindung  ein ,  an  dessen  drittem 
Schenkel  ein  Schlauch  mit  Quetschhahn 
zum  Einblasen  sitzt  (wie  bei  Fig.  1).  Der 

** 


Fig.  1. 


20 


beim  Erstarren  der  Ballonwand  sich  ausbildende  Überdruck  zersprengt 
bisweilen  unter  Knall  die  Hülle.  Die  Ballons  halten  den  Druck  aber  fast 
stets  aus ,  wenn  sie  nicht  gerade  nahe  einer  Wärmequelle  oder  im  direkten 
Sonnenlicht  sich  befinden.  Man  kann  indessen  zur  Vorsicht  statt  des 
kurzen  geschlossenen  Schlauchstückes  an  das  Glasrohr  einen  dichten 
längeren  Schlauch  anschliefsen,  der  in  ein  Glasrohr  ausläuft,  das  bis  auf 
den  Boden  eines  8  cm  hoch  mit  Quecksilber  gefüllten  Standcylinders  ein¬ 
gesenkt  ist.  Natürlich  mufs  man  vor  dem  Abschliefsen  eines  Rohres  durch 
das  Quecksilber  den  Ballon  aufblasen  und  den  Schlauch  bis  nach  dem 
Einsenken  zudrücken. 

II.  Eigenschaften  der  Ballonmembran. 

5.  Wanddicke  des  Ballons.  Aus  der  Flächengröfse,  dem  absoluten 
und  spezifischen  Gewicht  von  Stücken  der  Ballonwand  findet  man  leicht 
die  Wandstärke.  Für  einen  ganzen  Ballon  fällt  die  so  gefundene  Zahl 
etwas  zu  grofs  aus,  da  die  Hülle  nach  dem  Halse  zu  sehr  an  Dicke  zu¬ 
nimmt.  Aus  solchen  Bestimmungen  erhält  man,  das  spez.  Gew.  der  Nitro¬ 
zellulose  =  1,53  angenommen*),  Werte  von  1/200  bis  1/100  mm. 

Die  Festigkeit  der  Ballonwand  ergibt  sich  in  roher  Annäherung  aus 
der  zu  0,675 . 10~3  cm  gefundenen  Dicke  der  Reste  eines  durch  9  cm  Queck¬ 
silberdruck  zersprengten  Ballons  von  etwa  8  cm  Durchmesser  zu  1,8  kg 
pro  mm2.  Für  Holzfaser  findet  man  in  Kohlrauschs  Handbuch  die  Festig¬ 
keit  gleich  1,5 — 5  kg  angegeben.  Natürlich  ist  die  Tragfähigkeit  gröfser 
als  berechnet,  da  der  Rifs  von  der  dünnsten  Stelle  ausgeht. 

An  besonders  weit  aufgeblähten  Ballons  sind  Farben  dünner  Blättchen 
höherer  Ordnung  nichts  Seltenes,  freilich  nicht  an  den  mittleren,  sondern 
an  den  Randpartien  der  Kollodiumkugel,  wo  der  Lichteinfall  schräger  ist. 
Die  niemals  gleichmäfsige  Verteilung  der  Wanddicke  kann  man  sehr 
deutlich  nach  den  moireartigen,  etwa  8  mm  von  einander  verlaufenden 
Interferenzstreifen  beurteilen,  die  man  im  Lichte  einer  kräftigen  Natrium¬ 
flamme  sieht  (Teclubrenner  mit  durchlochter  Asbestplatte  mit  Brom¬ 
natrium).  Da  man  die  Streifen  im  durchfallenden  Lichte  im  Abstande 
von  mehreren  Metern  gut  sehen  kann,  so  liefert  die  Erscheinung  einen  brauch¬ 
baren  optischen  Schulversuch.  Nach  dem  Halse  zu  schliefsen  die  Kurven 
gleicher  Dicke  darstellenden  Interferenzlinien  immer  näher  aneinander 
auf,  was  nur  in  nächster  Nähe  zu  sehen  ist. 

Bei  der  geringen  Dicke  der  Ballonwände  sind  dieselben  sehr  be¬ 
weglich.  Beim  langsamen  Aufblasen  oder  Zusammensaugen  eines  Ballons 
schwankt  ein  seitlich  angeschlossenes  Wassermanometer  kaum  um  1 — 2  mm. 
Für  einige  Anwendungen  zu  Unterrichtsversuchen  ist  diese  Eigenschaft 
von  Bedeutung.  Selbst  der  elektrische  Wind  von  einer  mit  der  Influenz¬ 
maschine  verbundenen  isolierten  Spitze  bläst  einen  Ballon  auf. 

6.  Die  Dichtheit.  Zur  Prüfung,  ob  ein  Ballon  ziemlich  dicht  ist, 
braucht  man  ihn  nur  mit  dem  Munde  aufzublasen,  den  am  Glasrohr 


*)  Die  Dichte  der  Nitrozellulose  hängt  vom  Nitrierungsgrade  ab.  Es  sind  in  der 
Literatur  wenig  Angaben  darüber  vorhanden.  Herrn  Professor  Dr.  von  Walther 
danke  ich  die  Kenntnis  der  Angabe  des  spez.  Gewichts  der  Schiefswolle  gleich  1,634 
bei  Guttmann:  Schiefs-  und  Sprengmittel,  S.  104.  Mir  ergab  die  Dichtebestimmung 
an  dem  Verdunstungsrückstande  der  Kollodiumlösung  durch  Wägung  in  Luft  und  in 
Wasser  den  Wert  1,535',  durch  Versuche  des  Schwebens  von  Ballonflittern  in  fast  ge¬ 
sättigter  Jodkaliumlösung  nach  der  Methode  von  Dufour  erhielt  ich  die  Dichte  gleich  1,56. 


21 


sitzenden  Schlauch  zuzudrücken  und  zu  warten,  bis  sich  vielleicht  schon 
nach  wenigen  Sekunden  ein  schwaches  Knistern  als  Zeichen  des  Ver¬ 
schwindens  eines  inneren  Überdruckes  einstellt.  Für  Luftballon-  und 
manche  andere  Unterrichtszwecke  sind  vom  Glasrohr  gelöste  oder  noch 
daran  befestigte  Ballons  verwendbar,  auch  wenn  sie  bei  der  Probe  schnell 
ihre  geringe  Dichtheit  zeigen,  da  sie  nach  dem  Aufblähen  ihre  Form  be¬ 
wahren  und  einen  Gasinhalt  wegen  der  sehr  kleinen  Druckdifferenz  oben 
und  unten  aus  kleinen  Öffnungen  nur  langsam  verlieren.  Dies  geht  übrigens 
auch  aus  der  Verwendbarkeit  der  käuflichen  Kollodiumballons  hervor. 

Zum  Absuchen  nach  undichten  Stellen  kann  man  aufser  dem  oben 
erwähnten  Verfahren  folgendes  Mittel  gebrauchen.  Während  man  durch 
Einblasen  in  einen  längeren,  an  das  Ballonglasrohr  angeschlossenen 
Gummischlauch,  den  Ballon  aufgeblasen  hält,  läfst  man  ihn  langsam  auf 
einer  gröfseren  Wasseroberfläche  rotieren.  Ein  Strom  feiner  Bläschen  zeigt 
die  Öffnung  an.  Nicht  selten  dringen  Bläschen  dort  hervor,  wo  der  Ballon 
auf  dem  Glasrohr  festgebunden  ist.  In  solchen  Fällen  kann  man  den 
Ballon  öfters  dadurch  ganz  dicht  machen,  dafs  man  weiter  unten  einen 
zweiten  Faden  umlegt.  Um  bei  dieser  Probe  den  Ballon  ganz  unterzu¬ 
tauchen,  mufs  man  natürlich  den  Druck  mit  dem  Glasrohr  dadurch  unter¬ 
stützen,  dafs  man  mit  der  flachen  Hand  gegen  den  Kugelteil  des  Ballons 
drückt. 

Eine  genauere  Angabe  des  Dichtheitsgrades  erhält  man  durch  An- 
schlufs  des  Ballons  an  ein  Wassermanometer  und  Beobachtung  der  Zeit 
der  Druckabnahme  nach  Herstellung  eines  bestimmten  Druckes.  Um 
nicht  durch  die  Nähe  des  Körpers  unbrauchbare  Kesultate  zu  erhalten, 


Fig.  2. 


beobachtet  man  das  Manometer  (m,  s.  Fig.  2)  mit  dem  Fernrohr,  wobei 
eine  scharfe  Erkennung  der  Zeitpunkte  für  die  einzelnen  Manometerstände 
möglich  wird.  Der  Ballon  wird  mit  seinem  Glasrohr  von  einer  Stativ¬ 
klemme  festgehalten  oder  durch  einen  Kork  gesteckt,  der  den  Tubus 
einer  mehr  breiten,  als  hohen  Glasglocke  g  schliefst.  Die  Glocke  wird 
auf  untergeschobenen  Holzklötzchen  so  aufgestellt,  dafs  Luftwechsel  be¬ 
steht.  Der  Druck  wird  etwa  mit  einem  Gummigebläse  erhöht,  wobei 


22 


man  zur  Vorsicht  den  Schlauch  nur  wenig  öffnen  darf  (zudrücken  bei  d 
mit  den  Fingern  nach  schwachem  Öffnen  des  Schraubenquetschhahns  q), 
um  nicht  das  Wasser  des  Manometers  ganz  hinauszuwerfen.  Zwischen 
dem  Ballon  und  dem  Gebläse,  dem  man  sich  ja  zu  nähern  hat,  stellt 
man  zweckmäfsig  einen  Schirm  s  aus  Fensterglas  auf. 

Nachdem  man  den  Druck  auf  etwa  20  cm  Wassersäule  gebracht  hat, 
schliefst  man  den  Quetschhahn  und  beobachtet  das  Manometer  durch  das 
Fernrohr.  Sobald  der  Wassermeniskus  einen  bestimmten  Teilstrich  be¬ 
rührt,  löst  man  ein  Chronoskop  aus  und  hält  es  wieder  an,  sobald  der 
nächste  Teilstrich  erreicht  wird.  Die  so  erhaltene  Zahl  ist  ein  genaues 
Mafs  der  Dichtheit  des  Ballons,  vorausgesetzt,  dafs  nicht  inzwischen 
Druck  und  Temperatur  sich  erheblich  geändert  haben  und  nicht  der  Ballon 
kurz  vorher  in  einer  Umgebung  von  anderem  Feuchtigkeitsgehalt  geweilt 
hatte.  Die  bekannten  Variometerschwankungen*)  lassen  sich  stets  an 
einem  mit  dem  Wassermanometer  verbundenen  Ballon  beobachten,  sobald 
ein  innerer  Überdruck  im  Ballon  besteht,  während  sie  bei  schlaffen  Ballon¬ 
wänden  sich  an  diesen  auszugleichen  scheinen.  Strahlung  wirkt  sehr 
schnell  auf  den  Druck  im  Ballon;  das  Manometer  hat  in  5 — 10  Sekunden 
fast  ganz  den  Einstellungswechsel  beendet,  den  eine  in  der  Ferne  an¬ 
gezündete  oder  ausgelöschte  Flamme  hervorruft.  Der  Einflufs  geänderter 
Luftfeuchtigkeit  geht  aus  dem  weiter  unten  Mitgeteilten  hervor. 

Ballons  können  schon  als  sehr  dicht  angesehen  werden,  bei  denen 
die  Druckabnahme  z.  B.  von  17  bis  auf  15  cm  Wassersäule  mehr  als 
eine  Minute  in  Anspruch  nimmt.  Durch  Verbindung  des  Schlauches  z 
mit  dem  U-rohr  r,  an  das  die  Bürette  b  mit  Wasser  gesetzt  war,  wurde 
festgestellt,  dafs  nach  dem  Herauslassen  des  Überdruckes  aus  dem  Ballon, 
für  eine  Druckerhöhung  um  je  2  cm  Wassersäule  stets  nahezu  gleichviel 
Wasser  aus  der  Bürette  in  das  U-rohr  übertreten  mufste.  Nur  die  erste 
Druckzunahme  von  0 — 2  cm  brauchte  wegen  kleiner  Falten  auf  der  Ballon¬ 
wand  etwas  reichlicheres  Eindringen  von  Luft,  die  durch  das  Wasser 
der  Bürette  verdrängt  wurde.  Das  für  2  cm  Druckzunahme  nötige  Luft¬ 
volumen  schwankte  je  nach  der  Gröfse  des  Ballons  um  1,2  ccm.  Das 
gleiche  Luftvolumen  trat  natürlich  aus,  wenn  der  Druck  durch  Ent¬ 
weichen  von  Luft  durch  die  Wände  um  2  cm  abnahm.  Berechnet  man 
sich  nach  den  Gesetzen  über  das  Ausströmen  der  Gase  die  Gröfse  einer 
Öffnung,  durch  die  bei  einem  der  Ballons,  der  den  Druck  von  17  auf 
15  cm  in  3  1/2  Minuten  sinken  liefs,  in  dieser  Zeit  1,2  ccm  Luft  bei  einem 
mittleren  Drucke  von  16  cm  Wassersäule  ausfliefsen  könnten,  so  findet 
man  den  Querschnitt  von  1,12.10~4  mm2.  Eine  solche  Öffnung  könnte 
nun  freilich  in  der  Ballonwand  vorhanden  sein  oder  mehrere  noch  kleinere, 
die  sich  in  den  berechneten  Lochquerschnitt  teilten. 

Da  aber  die  Kollodiumballons  ein  gutes  Mittel  abgeben  zum  Trennen 
gewöhnlicher  staubhaltiger  Luft  von  solcher,  die  keine  Nebelkerne  ent¬ 
hält,  so  mufs  man  sie  für  frei  von  Öffnungen  halten,  durch  die  jene  winzigen 
Gebilde,  deren  Querschnitt  von  sehr  viel  kleinerer  Gröfsenordnung  ist 
als  der  oben  gefundene  Querschnitt,  hin  durch  drin  gen  können,  wenn  gar- 
kein  oder  nur  kurze  Zeit  ein  kleiner  Überdruck  besteht.  Anders  liegt 
die  Sache,  wenn  der  Druck  dauernd  einwirkt.  Bisher  habe  ich  hierüber 
nur  folgenden  Versuch  gemacht. 

*)  M.  Toepler,  Wied.  Ann.  Bd.  57,  1896,  S.  472,  und  Ann.  d.  Phys.  Bd.  12, 
1903,2  S.  787. 


23 


Fig.  3. 


In  eine  Flasche  mit  Boden tubus  (Fig.  3),  der  durch  einen  Kork  mit 
Glasrohr  verschlossen  war,  wurde  etwas  Wasser,  sowie  ein  Kollodiumballon 
eingebracht,  dessen  Glasrohr  in  einem  Gummistopfen 
steckte,  mit  dem  die  Flasche  oben  verschlossen 
wurde.  An  das  Glasrohr  des  Bodentubus  war  ein 
Schlauch  mit  Quetschhahn  angeschlossen.  Durch 
wiederholtes  Verdichten  der  Luft  durch  Einblasen 
in  den  mit  einem  Schlauch  verbundenen  Ballon, 
einiges  Warten  nach  Zudrücken  dieses  Schlauches 
und  Öffnen  desselben  bildet  man  Nebel  in  der  Luft 
um  den  Ballon  herum,  der  sich  zunächst  langsam, 
nach  einigen  Wiederholungen  schneller  senkt  und 
die  Nebelkerne  schliefslich  vollständig  zu  Boden 
fallen  läfst.  Gelangen  nur  einzelne  Stäubchen  oder 
andere  Nebelkerne  in  die  Flaschenluft,  so  werden 
sie  durch  eine  Entspannung  bei  fntensivbeleuchtung 
mit  einem  Lichtkegel  aufs  deutlichste  sichtbar.  Es  wurde  nun  nach  Öffnen 
des  Quetschhahnes  der  Ballon  ganz  aufgeblasen  und  dessen  Glasrohr  mit 
einem  Aspirator  aus  zwei  Flaschen  mit  Bodentubus  verbunden,  aus  dem 
Zimmerluft  in  den  Ballon  einströmen  konnte.  Um  die  Menge  der  so  die 
Ballonwände  durchsetzenden  Luft  zu  bestimmen,  führte  der  von  dem 
Bodentubus  der  Ballonflasche  kommende  Schlauch  in  eine  pneumatische 
Wanne,  wo  sich  in  32/s  Stunden  50  ccm  Luft  in  einem  Cylinder  an¬ 
sammelten.  Der  wirkende  Druck  betrug  nur  8  cm  Wassersäule;  der 
Ballon  war  besonders  dünnwandig  und  eigentlich  einer  derjenigen,  die  viel 
schneller  Luft  durchliefsen  als  andere.  Nachdem  durch  Saugen  am  Ballonrohr 
unter  Eindringen  von  Wasser  durch  den  Bodentubus  der  Ballon  genügend 
verkleinert  war,  wurde  eine  Verdichtung  und  Entspannung  der  Flaschen¬ 
luft  vorgenommen.  Es  zeigten  sich  nur  einzelne  Nebeltröpfchen,  die  auch 
wohl  durch  die  beim  Einsaugen  des  Wassers  nicht  ganz  vermeidbare  Tropfen¬ 
bildung  desselben  und  die  hierbei  reichlich  entstehenden  Kerne  veranlafst 
sein  konnten.  Jedenfalls  wirkte  der  dünnwandige  Ballon  auf  die  50  ccm 
Luft,  die  Millionen  von  Kernen  enthielten,  als  Filter. 

Über  den  Luftdurchtritt  können  auch  folgende  Messungen  etwas  aus- 
sagen.  Während  der  Ballon  von  Zimmerluft  umgeben  war,  wurden  die 
Zeiten  notiert,  die  zum  stufenweisen  Sinken  eines  Überdruckes  von  17  cm 
um  je  2  cm  nötig  waren.  Von  zahlreichen  Messungen  seien  nur  die 
folgenden  angeführt,  die  angestellt  wurden,  nachdem  der  Einflufs  eines 
Feuchtigkeitswechsels  der  Luft  gefunden  und  aufser  Wirkung  gesetzt  war. 
Die  für  die  allmählichen  Druckabnahmen  um  2  cm  gefundenen  Zeiten, 
also  die  Differenzen  der  für  die  Augenblicke  des  Manometerdurchganges 
durch  die  um  die  gleiche  Gröfse  getrennten  Werte  notierten  Zeiten  sind 
in  Sekunden:  215,  477,  793,  1180,  1685,  2358,  3550. 

Der  fünfte  dieser  Werte  entspricht  dem  Sinken  des  Druckes  von  9 
auf  7  cm,  also  dem  Ausströmen  der  Luft  beim  mittleren  Drucke  von  8  cm, 
der  Hälfte  des  mittleren  Druckes  für  das  Ausströmen,  auf  das  sich  die 
erste  Ziffer  der  Reihe  bezieht.  Nach  dem  Torricellischen  Gesetz  sind  nun  die 
Ausströmungs-Geschwindigkeiten  den  Quadratwurzeln  aus  den  Druckhöhen 
direkt  proportional.  Da  sich  nun  die  ersteren  Gröfsen  umgekehrt  verhalten 
wie  die  zum  Ausflufs  gleicher  Volumina  erforderlichen  Zeiten,  so  sind  die 
letzteren  den  Quadratwurzeln  aus  den  Druckhöhen  umgekehrt  proportional. 


24 


Man  sieht  nun  sofort,  dafs  die  Zahlen  der  obigen  Reihe  viel  schneller 
zunehmen,  als  es  beim  Ausströmen  durch  unverändert  bleibende  Öffnungen 
sein  miifste.  Beim  Durchfliefsen  kapillarer  Röhren  sind  die  Zeiten  für  die 
Bewegung  gleicher  Volumina  den  Druckhöhen  annähernd  umgekehrt  pro¬ 
portional;  obige  Zahlen  nehmen  aber  besonders  im  Anfänge  viel  schneller 
zu.  Von  der  vierten  Zahl  an  könnte  man  allenfalls  den  Ausflufs  als  durch 
Kapillaren  erfolgend  ansehen.  Es  macht  die  schnelle  Abnahme  der  Zeiten 
bei  Zunahme  des  Druckes  den  Eindruck,  als  wenn  die  Bahnen  für  die 
Luft  erst  durch  den  Druck  geschaffen  oder  wenigstens  stark  erweitert 
würden.  Inwiefern  die  Lösung  des  Gases  im  Stoffe  der  Membran  mitwirkt, 
wird  später  zu  untersuchen  sein.  Fig.  4  stellt  das  Sinken  des  Druckes 
mit  der  Zeit  in  wohl  ohne  weiteres  verständlicher  Weise  dar. 


0  500  1000  2000  3000 

Zeit  in  Sekunden. 


Bringt  man  den  Ballon  in  feuchtere  Luft,  so  tritt  zunächst  eine  Ver- 
gröfserung  der  Ballonfläche  ein,  nach  deren  Beendignng  man  erst  wieder 
in  der  geschilderten  Weise  Messungen  über  die  Dichtheit  der  Membran 
machen  kann.  Es  zeigt  sich,  dafs  die  Zeiten  für  die  Druckabnahme  sehr 
zugenommen  haben.  Auch  nachdem  die  Manometerbewegung  von  17  bis 
15  cm  fünfmal  so  langsam  geworden,  nimmt  bisweilen  infolge  direkter  Be¬ 
deckung  des  dann  undurchsichtig  werdenden  Kollodiums  mit  Wassertröpfchen 
in  gesättigt  feuchter  Luft  die  Dichtheit  der  Membran  noch  weiter  zu. 
Zahlenwerte  für  die  Druckabnahmen  unter  diesen  Umständen  seien  nicht 
angegeben,  da  sie  infolge  der  wechselnden  Wasserbedeckung  zu  veränderlich 
waren. 

7.  Wasseraufnahme  der  Kollodiumhaut.  Wenn  auch  ein  Aufquellen 
dieser  Membran  in  feuchter  Luft  und  in  Wasser  durchaus  nicht  statt¬ 
findet  und  sie  darin  vielmehr  gewissermafsen  trocken  bleibt,  so  ist  doch 
die  Ausdehnung  auffallend  grofs,  die  durch  Wasseraufnahme  herbeigeführt 
wird.  Ein  Ballon,  der  nach  längerem  Aufenthalt  in  Zimmerluft  gewogen 
war,  verliert  unter  dem  Exsikkator  1 — 2  °/0  an  Gewicht,  sein  Volumen  nimmt 
dabei  um  mehrere  Kubikzentimeter  ab.  Unter  die  Glocke,  in  deren  Tubus  ein 
Kork  mit  einem  dichten  Ballon  sich  befand  (vgl.  Fig,  2),  wurde  stunden- 


25 


und  tagelang  entweder  ein  Schälchen  mit  Schwefelsäure  oder  mit  Wasser 
aufgestellt  und  die  Änderungen  des  Ballonvolumens  dadurch  bestimmt, 
dafs  durch  Bewegung  des  Wassers  der  Bürette  b  so  viel  Luft  aus  dem 
Ballon  gesaugt  oder  hineingetrieben  wurde,  bis  der  Druck  wieder  um  1  cm 
Wassersäule  gröfser  als  der  äufsere  Luftdruck  war.  Änderungen  von  Luft¬ 
druck  und  Temperatur  in  der  Zwischenzeit  wurden  berücksichtigt.  In  etwa 
einer  Stunde  war  die  Hälfte  der  Volumänderung  des  Ballons  infolge 
Wechsels  der  Luftfeuchtigkeit  erreicht,  hierauf  schritt  die  weitere  Volum¬ 
änderung  sehr  langsam  vor.  Tn  einem  Tage  nahm  das  Volumen  eines 
Ballons  von  248  ccm  Gröfse  in  Zimmerluft  um  15,4  ccm  zu,  wenn  an  Stelle 
der  Schwefelsäure  Wasser  unter  die  Glocke  gebracht  war.  Die  bei  noch 
längerer  Einwirkung  von  feuchter  Luft  erfolgende  Volumzunahme  ist  etwas 
gröfser.  Direkt  mifst  man  mit  dem  Apparat  eine  geringere  Volumänderung, 
da  heim  Anfeuchten  der  Luft  der  Umgebung  sich  auch  das  Innere  des 
Ballons  mit  einigen  Kubikzentimeter  Wasserdampf  erfüllt,  die  beim  Trocknen 
der  umgebenden  Luft  wieder  durch  die  Membran  gehen.  Für  die  obige 
Volumzunahme  wurde  das  Dampfvolumen  berechnet  und  der  gemessenen 
geringeren  Zahl  hinzugefügt. 

Aus  der  Volumzunahme  ergibt  sich  eine  Vergröfserung  des  fast  8  cm 
betragenden  Durchmessers  des  Ballons  um  0,162  cm,  d.  h.  um  etwa  1/48. 
Dieser  linearen  Dilatation  entspricht  die  erheblich  erscheinende  dreimal 
so  grofse  Volumzunahme  des  Kollodiums  beim  Durchfeuchten.  An  Gewicht 
nahm  ein  nach  Aufenthalt  im  Exsikkator  0,1493  gr  schwerer  Ballon  unter 
einer  feuchten  Glasglocke  um  0,0097  gr  zu,  was  annähernd  mit  der  an¬ 
gegebenen  Volumzunahme  des  Kollodiums  übereinstimmt;  wegen  der  Aus¬ 
scheidung  von  feinen  Tröpfchen  auf  der  Oberfläche  der  unter  einer  feuchten 
Glocke  befindlichen  Gegenstände  kann  man  auf  die  Gewichtszunahme  keinen 
besonderen  Wert  legen. 

8.  Wanderung  von  Wasser  durch  Kollodiumhaut.  Füllt  man  einen 
Ballon  mittels  eines  Trichterrohres  mit  Wasser  und  hängt  ihn  an  einem 
Faden  frei  in  der  Luft  auf,  so  läuft  seine  glänzende  Oberfläche  erst  beim 
Behauchen  an.  Der  Hauch  verschwindet  aber  wieder  in  einiger  Zeit,  je¬ 
doch  etwas  langsamer  als  auf  der  Oberfläche  eines  in  der  Nähe  aufge¬ 
stellten,  behauchten  Glaskolbens.  Senkt  man  ein  Thermometer  durch  das 
Glasrohr  des  Ballons  bis  in  das  Wasser  ein  oder  drückt  man  dessen  Ge- 
fäfs  von  aufsen  gegen  die  Kollodiumwände,  so  ersieht  man  aus  dem  tieferen 
Stande  die  beständige  Verdunstung  von  Wasser  durch  die  Membran.  Diese 
verhält  sich  wie  die  menschliche  Körperhaut  bei  mittlerer  oder  geringer 
Luftfeuchtigkeit.  Die  Mengen  des  durchtretenden  Wassers  sind  nicht  ganz 
klein.  Ein  470  gr  Wasser  enthaltender  Ballon  verlor  je  nach  Temperatur 
und  F euchtigkeit  der  Zimmerluft  zwischen  22,7  und  33,9  g  pro  Tag  an  Ge¬ 
wicht,  eine  Menge,  deren  Volumen  der  Gröfsenordnung  nach  mit  dem 
durch  den  gleichen  geringen  Überdruck  durch  die  Wände  eines  dichten 
Ballons  getriebenen  Luftvolumen  übereinstimmt. 

Mit  der  Verdunstung  durch  die  Kollodiumhaut  wurde  diejenige  von 
der  Oberfläche  zweier  mit  Wasser  gefüllter  Tierblasen  verglichen.  Da 
diese  nicht  überall  dicht  waren,  so  mufsten  sie  auf  einen  frei  in  der  Luft 
stehenden  Teller  gelegt  werden.  Die  täglichen  Wägungen  zeigten,  dafs 
gleiche  Flächen  der  Blasen,  trotzdem  diese  überall  feucht  waren,  weniger 
Wasser  verdunsten  liefsen ,  als  die'  äufserlich  völlig  trocknen  Kollodium¬ 
ballons.  Die  Ursache^hierfür  hat  man  wohl  in  hygroskopischen,  aus  der 


26 


Tiermembran  gelösten  Stoffen  zu  suchen,  die  sich  an  der  feuchten  Ober¬ 
fläche  der  Blase  konzentrieren. 

Bringt  man  den  mit  Wasser  gefüllten  Ballon  in  einen  abgeschlossenen 
Raum,  z.  B.  in  die  auf  eine  abgeschliffene  Glasplatte  gesetzte  Glocke  der 
Fig.  2,  so  sättigt  sich  natürlich  bald  die  umgebende  Luft  mit  Feuchtigkeit. 
Es  erscheint  allmählich  ein  Wasserhauch  auf  den  Ballonwänden;  zum  Ab¬ 
tropfen  kommt  es  bei  dichten  Ballons  nicht. 

Auch  die  Wasseraufnahme  durch  Kollodiumhaut  hindurch  konnte  kon¬ 
statiert  werden.  Ein  mit  etwa  100  gr  starker  Chlorkalziumlösung  versehener 
Ballon  nahm,  frei  in  der  Zimmerluft  hängend,  beständig  an  Gewicht  zu. 
Anfangs  betrug  die  Wasseraufnahme  pro  Stunde  etwa  0,19  g,  nach  einigen 
Stunden  nur  noch  0,n  g.  Schon  Schuhmacher  bemerkte  (a.  a.  0.),  dafs 
Kollodiummembran  bei  längerer  Einwirkung  von  Kalziumlösungen  sich  ver¬ 
änderte.  Genauere  Vergleiche  der  Verdichtung  von  Wasser  aus  der  Luft 
in  den  Ballons  mit  derjenigen  an  der  Oberfläche  von  Lösungen  in  Uhrgläschen 
könnten  der  verschiedenen  Aufstellung  der  hygroskopischen  Flächen  wegen 
nicht  berechtigt  erscheinen.  Eine  ungefähre  Übereinstimmung  erhält  man 
indessen,  wenn  man  die  anfänglich  beobachteten  Gewichtszunahmen  der 
Ballons  in  Betracht  zieht. 

9.  Durchgang  wasserlöslicher  Gase  durch  die  Membran.  Die  Diffusion 
durch  dichte  Kollodiumhaut  findet  nicht  nach  den  Gesetzen  der  freien 
Diffusion  und  derjenigen  durch  poröse  Wände  statt.  Wenigstens  diffundiert 
Kohlensäure  auch  durch  wasserarmes  Kollodium  schneller  als  die  Bestand¬ 
teile  der  Atmosphäre.  Durch  diese  Membran  dringt  in  feuchten  Gasen  das¬ 
jenige  überraschend  schnell  hindurch,  welches  in  Wasser  eine  gröfsere  Lös¬ 
lichkeit  besitzt.  Ähnlich  verhalten  sich  wohl  alle  Membranen,  die  Wasser 
in  ihre  molekularen  Zwischenräume  aufnehmen  können;  es  fehlte  aber  bis¬ 
her  an  hinreichend  dünnen  und  doch  lochfreien  Membranen  dieser  Art, 
um  den  Durchgang  wasserlöslicher  Gase  zu  untersuchen.  Diese  Gaswan¬ 
derung  verdient  umsomehr  Beachtung,  als  sie  in  gleicher  Weise  bei  der 
Atmung  durch  die  von  Wasser  durchtränkten  dünnen  Wände  der  Lungen¬ 
bläschen  und  der  sie  umspinnenden  Blutkapillaren  stattfindet. 

Das  Auffallende  der  Erscheinung  wird  durch  folgenden  Versuch  be¬ 
merkbar.  Leitet  man  mittels  einer  engen  Glasröhre,  die  durch  das  in  einer 
Stativklemme  mit  senkrecht  herabhängendem  Ballon  befestigte  Glasrohr  bis 
in  den  Ballon  selbst  hinabführt,  Kohlensäure  ein,  schliefst  nach  Entfernen 
des  Zuleitungsrohres  den  Ballon  durch  ein  sehr  kurzes  Schlauchstück  und 
Glasstöpselchen  ab*)  und  läfst  den  Ballon  in  ein  Gefäfs  mit  feuchten  Wänden 
hineinragen,  so  wird  der  Ballon  durch  den  Durchtritt  der  Kohlensäure  in 
einigen  Stunden  völlig  zusammengeknüllt.  Nach  7  Stunden  war  der  Ballon 
in  einem  Falle  durch  den  Luftdruck  nahe  dem  Glasrohr  zerdrückt.  Läfst 
man  den  Ballon  statt  in  gesättigt  feuchter  Luft  in  Zimmerluft  verweilen, 
so  geht  die  Kohlensäure  langsamer  durch  die  Membran,  aber  immerhin 
schneller  als  atmosphärische  Luft  nach  innen  diffundiert.  Nach  14  Stunden 
enthielt  ein  mit  Kohlensäure  beschickter  Ballon  in  Zimmerluft  noch  85  ccm 


*)  Die  nicht  ganz  geringe  Menge  Kohlensäure,  die  auch  ein  Schlauchstück  von 
nur  1  cm  Länge  absorbiert  (etwa  0,4  ccm  pro  Stunde)  verkleinert  man  bei  diesen  Ver¬ 
suchen  bedeutend,  wenn  man  das  Glasstöpselchen  mit  reichlich  anhängendem  dickflüssigen 
Glycerin  so  weit  in  das  kurze  Schlauchstück  vorschiebt,  dafs  es  das  Glasrohrende  berührt. 
Versuche  mit  Ballons,  deren  Glasrohre  nach  der  Füllung  mit  Kohlensäure  zugeschmolzen 
wurden,  hatten  kein  anderes  Ergebnis. 


27 


Gas;  148  ccm  waren  entwichen.  In  dem  noch  vorhandenen  Gase  waren 
51  ccm  Kohlensäure;  die  übrigen  34  ccm  enthielten  9  ccm  Sauerstoff.  Ragt 
ein  mit  Kohlensäure  gefüllter  Ballon  in  ein  Gefäfs  hinein,  dessen  Luft  durch 
Schwefelsäure  trocken  gehalten  wird,  so  gehen  die  Ballonwände  nur  langsam 
etwas  zusammen. 

Führt  man  einen  mit  Sauerstoff  gefüllten  Ballon  in  die  feuchte  Luft 
eines  Gefäfses  mit  nassen  Wänden  ein,  so  verkleinert  sich  ebenfalls  mit  der 
Zeit  das  Luftvolumen.  Der  Sauerstoff  entweicht  wegen  seiner  geringeren 
Löslichkeit  in  Wasser  aber  erheblich  langsamer  als  Kohlensäure.  Ein  Ballon 
von  240  ccm  enthielt  nach  15  Stunden  32  ccm  Gas  weniger.  In  diesem 
befanden  sich  77°/0  Sauerstoff;  es  waren  80  ccm  Sauerstoff  entwichen, 
48  ccm  Stickstoff  eingedrungen.  In  einem  andern  Falle  traten  in  77  Stunden 
112  ccm  Stickstoff  an  die  Stelle  von  183  ccm  Sauerstoff. 

Über  die  zahlreichen  Anwendungen  der  Kollodiumballons  teils  zu  Un¬ 
terrichtsversuchen,  teils  zu  Versuchen  über  Nebelbildung  soll  in  anderen 
Arbeiten  berichtet  werden. 


IV.  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  im  Jahre  1903. 

Von  Dr.  B.  Sehorler. 


Im  folgenden  sind  die  wesentlichsten  Funde  aus  dem  letzten  Jahre  im 
Anschlufs  an  Wünsches  Flora  zusammengestellt.  An  neuen  Arten  ist  der 
Bestand  unserer  Flora  nur  wenig  bereichert  worden,  wenn  man  von  den 
eingeschleppten  und  meist  nicht  aushaltenden  Formen  und  den  Bastarden 
absieht.  Fotamogeton  Zizii ,  Melica  picta  und  die  Alge  Lithoderma  fon- 
tannm  sind  hier  zu  nennen.  Einige  andere  Arten  dagegen,  die  bisher  als 
Bürger  der  sächsischen  Flora  aufgeführt  wurden,  müssen  als  solche  gestrichen 
werden,  so  Hierochloa  odorata  und  Calamagrostis  litorea.  Diejenigen  Funde, 
welche  nur  eine  kleine  Erweiterung  des  schon  bekannten  sächsischen  Areals 
darstellen,  sind  zwar  für  unser  Herbarium  sehr  wertvoll  und  werden  stets 
mit  Dank  angenommen,  sind  aber  hier  nicht  besonders  genannt. 

Athyrium  alpestre  Nyl.  war  bisher  aus  dem  Erzgebirge  nur  vom  Fichtel¬ 
und  Keilberge  bekannt.  Im  Sommer  1902  fand  ich  ihn  auf  dem  Gottes- 
gaber  Spitzberg  (H.  =  1115  m)  und  1903  auch  auf  dem  Auersberg  von  900  m 
an  bis  zum  Gipfel  in  mehreren  Stöcken. 

Fotamogeton  obtasifolius  M.  und  K.  Herr  Professor  Dr.  Fischer- Bam¬ 
berg  war  in  diesem  Frühjahr  so  freundlich,  die  Fotamogeton- Arten  unseres 
Herbariums  einer  eingehenden  Revision  zu  unterziehen.  Ich  teile  einige 
auf  sächsische  Arten  bezügliche  Ergebnisse  derselben  hier  mit.  Die  obige 
Art  ist  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  mit  folgenden  Standorten  ver¬ 
treten:  Schönfeld  bei  Leipzig,  Wurzen,  Dresden  und  Umgebung:  Moritz¬ 
burg,  Yolkersdorf  und  Steinbach,  Grofsenhain:  Skassa  und  das  Vogtland 
mit  Mühltroff  und  Schleiz. 

F.pusillus  L.  *Berchtoldi  Fieber  wurde  1858  und  1861  von  Seidel  im 
Priefsnitztal  bei  Dresden  in  Lachen  mit  Eisenocker  gesammelt. 

F.  Zizii  M.  und  K.  ist  bereits  von  König  Friedrich  August  II.  im 
Egelsee  bei  Pirna  gesammelt  und  als  F.  curvifolius  bestimmt  worden.  Er 
kommt  dort  auch  heutigen  Tages  noch  vor.  Junge  Exemplare  stehen  dem 
P.  lucens  sehr  nahe,  der  im  Egelsee  in  der  Varietät  acuminatus  f.  cornutus 
auftritt  zusammen  mit  P.  gramineus .  Ein  zweiter  Standort  dieser  als 
Bastard  zwischen  P.  lucens  und  gramineus  betrachteten  Form  liegt  in  der 
Teichgegend  nördlich  von  Radeburg  bei  Zschorna. 

F.  polygonifolius  Pourr.  Die  Art  ist  von  den  folgenden  in  Wünsches 
Flora  nicht  angegebenen  Standorten  in  dem  Herbarium  vertreten:  Radeburg 
und  Medingen  und  Tauscha  bei  Radeburg;  Königsbrück:  bei  Glauschnitz 
und  Bohra;  Chemnitz:  bei  Einsiedeln. 


29 


Hierochloa  odorata  Whlbg.  soll  nach  Wünsche  bei  Lockwitz-Dresden 
Vorkommen.  Das  ist  aber  sicher  nicht  der  Fall.  Die  Fundortsangabe  rührt 
wahrscheinlich  von  Poscharsky  her.  Von  diesem  liegt  ein  Exemplar  mit 
der  Standortsangabe:  Flor.  Dresd.:  an  Bergabhängen  im  Lockwitzer  Grund. 
10.  Mai  1868!  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica.  Wie  schon  der  Stand¬ 
ort  „an  Bergabhängen“  andeutet  (H.  odorata  wächst  auf  Torfwiesen)  und 
eine  vorgenommene  Revision  bestätigte,  liegt  hier  eine  fehlerhafte  Be¬ 
stimmung  vor.  Die  Blütenstielchen  sind  am  Grunde  der  Ährchen  ganz 
deutlich  behaart.  Es  ist  also  die  H.  anstralis  R.  und  Sch.,  die  hier  wächst. 
Da  nur  der  eine  Standort  für  H.  odorata  in  Sachsen  angeführt  wird,  so 
mufs  diese  Pflanze  als  sächsischer  Bürger  gestrichen  werden. 

f Beckmannia  eruciformis  Host.  Dresden:  im  grofsen  Gehege  (Stiefel¬ 
hagen). 

f  Anthoxanthum  aristatum  Boiss.  Dresden :  im  grofsen  Gehege  (Stiefel¬ 
hagen). 

Alopecurus  pratensis  x  geniculatus.  Kamenz:  bei  Deutsch -Baselitz 
(Stiefelhagen). 

Calamagrostis  lanceolata  Roth.  var.  Gaudiniana  Rchb.  Dresden:  im 
oberen  Mordgrund  und  bei  Bühlau  (Stiefelhagen). 

C.  litorea  D.  C.  In  Heft  XVII  der  Mitt.  d.  Thür.  Bot.  Ver.  weist  Torges 
nach,  dafs  die  sächsische  Pflanze  vom  Muldental  bei  Nerchau  nicht 
C.  litorea  ist,  sondern  C.  Halleriana  var.  rivalis  Torges.  Demnach  ist 
auch  diese  Art  aus  unserer  Flora  zu  streichen. 

Melica  picta  C.  Koch.  Wurde  in  diesem  Frühjahre  von  Stiefelhagen 
an  den  Zadeler  Abhängen  bei  Meilsen  aufgefunden. 

Koeleria  cristata  Pers.  zerfällt  in  zwei  Unterarten,  in  K  *ciliata  Kern, 
und  K  *gracilis  Pers.  Die  beiden  unterscheiden  sich  durch  die  folgenden 
Merkmale : 


Koeleria  ciliata  Kerner. 

Halm  2  —  6  dm,  unter  der  Rispe 
dicht  kurzhaarig. 

Blätter  flach,  breit,  am  Rande  steif 
gewimpert,  sonst  kahl. 

Blattscheiden  kahl. 

Rispe  8 — 15  cm,  oft  deutlich  gelappt. 

Ährchen  ziemlich  grofs. 

Deckspelzen  6 — 7  mm. 

Spelzen  auf  dem  Kiele  gewimpert- 
rauh. 

Grasige  Plätze. 


Koeleria  gracilis  Pers. 

Halm  nur  2—4  dm,  auch  dünner, 
unter  der  Rispe  kahl. 

Blätter  schmal,  eingerollt,  am  Rande 
nicht  bewimpert,  kurz  und  dicht 
weichhaarig. 

Blattscheiden  kurz  und  dicht  weich¬ 
haarig. 

Rispe  3 — 6  cm,  meist  schmal. 

Ährchen  kleiner,  nur  2  blütig. 

Deckspelzen  3 — 4  mm. 

Spelzen  auf  dem  Kiele  ein  wenig  rauh. 

Besonders  auf  Sandfluren. 


Wir  haben  in  Sachsen  beide  Unterarten,  doch  scheinen  sie  nicht  zu¬ 
sammen  vorzukommen.  Im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  liegt  K  ciliata 
von  folgenden  Standorten:  1.  Plauenscher  Grund,  auf  sonnigen  grasigen 
Abhängen,  von  Vogel  1842  und  1868  gesammelt,  und  2.  Kaitz  bei  Dresden, 
von  Reichenbach  fil.  An  beiden  Orten  ist  es  die  Varietät  Kpyramidata  Lam., 
als  welche  sie  auch  von  den  Sammlern  bestimmt  worden  ist.  Ein  dritter 
im  Herbarium  vertretener  Standort  liegt  aufserhalb  Sachsens  bei  Gera. 
Hier  wurde  die  Pflanze  1889  von  Drude  auf  sonnigen  Höhen  mit  Veronica 
latifolia  und  Medicago  falcata  gefunden. 


BO 


K.  *  gracilis  scheint  ihre  Hauptverbreitung  im  Elbhügellande  zu  haben. 
Sie  wurde  bei  Blasewitz  auf  sandigen  Fluren  mit  Elymus  arenarius ,  auf 
dem  Heller,  im  Ostragehege  und  den  Elbwiesen,  bei  Löbtau,  auf  der  Bosel 
und  im  Triebischtale  bei  Meifsen,  bei  Lommatzsch  nach  der  Elbe  zu  und 
bei  Königsbrück  gesammelt.  Sonst  ist  nur  noch  ein  Standort  aus  Sachsen, 
nämlich  Leipzig,  zwischen  Gohlis  und  Lindenau  (Fritzsche),  im  Herbarium 
vertreten.  Die  genauere  Verbreitung  der  beiden  Unterarten  ist  noch  fest¬ 
zustellen. 

Poa  annua  L.  var.  supina  Rchb.  Diese  montane  Varietät  kommt 
nicht  nur  im  Böhmerwald,  sondern  auch,  wie  seit  langem  bekannt,  auch 
im  Erzgebirge  vor.  Ihre  Verbreitung  daselbst  ist  aber  noch  genauer  fest¬ 
zustellen.  Im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  liegt  nur  ein  vom  König 
Friedrich  August  II.  1839  auf  dem  Keilberge  gesammeltes  Exemplar,  das 
von  Reichenbach  bestimmt  wurde.  In  des  letzteren  Flora  Saxonica  werden 
Wiesenthal  und  Zinnwald  und  von  Heynhold  Carlsfeld  im  Erzgebirge  als 
Standorte  genannt.  Ferner  gibt  Celakovsky  in  seinen  „Resultaten  der 
botan.  Durchforschung  Böhmens  im  Jahre  1885“  an:  „bei  Abertham,  be¬ 
sonders  auf  dem  Plateau  unter  der  Plefsberg-Koppe,  in  Menge  auf  Triften 
und  Wegen“. 

Die  Varietät  unterscheidet  sich  von  Poa  annua  durch  die  gröfseren, 
breiteren,  auffallend  violett  überlaufenen  Ährchen. 

Poa  alpina  L.  Wird  seit  Sendtner  als  Bürger  des  Bayrischen  Waldes 
angegeben,  wo  sie  auf  dem  Arber  am  Enzianrücken  bis  zum  Hochstein 
und  am  Lusen  wachsen  soll.  Celakovsky  bezweifelt  dieses  Vorkonlmen. 
Er  schreibt  in  seinen  Resultaten  für  1886*):  „Überdies  ist  mir  das  Vor¬ 
kommen  auf  dem  Arber  zweifelhaft  geworden,  da  ich  früher  und  heuer 
auch  mein  Sohn,  beide  ganz  vergeblich  am  Arbergipfel  nach  ihr  gesucht 
und  nur  Poa  pratensis  dort  vorgefunden  haben“.  Daraufhin  untersuchte 
ich  die  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  unter  P.  alpina  liegenden  Exemplare 
vom  Böhmerwald  und  fand  unter  ihnen  keine  einzige  P.  alpina.  Es  sind 
alles  niedere  Formen  der  P.  pratensis.  Am  häufigsten  ist  die  von  Ehrhardt 
und  Reichenbach  als  humilis  bezeichnete  Form  vertreten  (s.  Reichenbach: 
Jcones  I,  Taf.  88,  Fig.  1651),  die  Ascherson  und  Gräbner  (Synopsis  II,  1, 
S.  433)  neuerdings  als  var.  subcoerulea  bezeichnen.  Sie  wurde  am  Arber, 
Osser  und  Rachel  gesammelt,  wo  sie  nach  den  Etiketten  sowohl  in  den 
Spalten  der  Gipfelfelsen  als  auch  in  die  Nardus-  Rasen  eingesprengt  vor¬ 
kommt.  Die  Form  findet  sich  übrigens  auch  auf  der  Jeschkenkuppe  und 
im  Erzgebirge.  Sie  ist  leicht  kenntlich  an  den  an  der  Spitze  kappenförmig 
zusammengezogenen,  ganz  glatten  blaugrünen  Blättern  und  ebenso  gefärbten 
Ährchen.  Am  Arbergipfel  wächst  aufser  dieser  Form  auch  noch  die  etwas 
höhere  Varietät  anceps  Gaud.,  wie  schon  Celakovsky  in  den  obigen  „Re¬ 
sultaten“  angibt. 

Mit  diesen  Feststellungen  soll  nun  keineswegs  gesagt  sein,  dafs  die 
P.  alpina  im  Böhmerwald  nicht  Vorkommen  könnte.  Aber  sie  bestärken 
jedenfalls  die  Zweifel  Celakovskys.  Wie  in  unserem  Falle  kann  auch  den 
früheren  Angaben  eine  Verwechslung  zu  gründe  liegen.  Da  aber  das  Vor¬ 
kommen  der  P  alpina  im  Böhmerwalde  pflanzengeographisch  sehr  wichtig 
ist  —  für  ihr  Indigenat  im  ganzen  hercynischen  Florenbezirk  kommt  ja 


*)  Ich  bin  durch  eine  Notiz  in  Ascherson  und  Graebners  Synopsis  auf  die  Stelle  auf¬ 
merksam  gemacht  worden. 


31 


einzig  und  allein  dieses  Gebirge  in  Frage  —  so  würden  wir  für  die  Ein¬ 
sendung  von  Exemplaren  aus  dem  Böhmerwalde  an  das  Herbarium  der 
Flora  Saxonica  sehr  dankbar  sein. 

Festuca  rubra  var.  planifolia  Hack.  Dresden:  bei  Plauen  auf  Schutt 
(Stiefelhagen). 

Bromus  patulus  M.  und  K.  Meifsen:  Elbkies  bei  der  Karpfenschänke 
(Stiefelhagen). 

Triticum  intermedium  Host  var.  campestre  A.  und  G.  f.  vaginis  inferi- 
oribus  hirsutis  nach  der  Bestimmung  von  Hackel.  Meifsen:  oberhalb  der 
Knorre  an  Weinbergsmauern  (Stiefelhagen). 

Rhynchospora  alba  Vahl.  Die  atlantischen  Rhynchospora- Arten  haben 
ihre  Hauptverbreitung  in  Sachsen  in  der  nördlichen  Lausitz  (s.  d.  Karte  in 
Drudes  hercynischem  Florenbezirk).  Während  nun  Rh.  fusca  bei  uns  auf 
dieses  Gebiet  beschränkt  ist,  tritt  Rh.  alba  südlich  und  westlich  davon  an 
zerstreuten  Standorten  besonders  im  angrenzenden  Elbhügellande  auf,  so 
bei  Meifsen,  Weinböhla,  Dresden,  Pillnitz  und  Königstein.  Reichenbach 
gibt  noch  weitere  Fundstellen  im  Tharandter  Wald,  bei  Leipzig,  Chemnitz 
und  Schneeberg  an.  In  der  Umgebung  der  letzteren  Stadt  erreicht  Rh.  alba 
sogar  das  Bergland.  Der  Standort  „Bärenwalde  nach  Ober-Crinitz  zuu 
wird  ca.  500  m  hoch  liegen.  In  der  gleichen  Höhe  bei  500  m  fand  ich 
Rh.  alba  im  Sommer  1903  westlich  von  Schneeberg  nördlich  von  dem 
Dorfe  Lindenau  an  einem  Teichrand  in  einem  Sphagnetum  mit  Drosera 
rotundifolia.  An  diese  beiden  hochgelegenen  Standorte  schliefst  sich  ein 
dritter  von  Lehrer  Naumann  am  Filzteich  bei  Kirchberg  in  370  m  Höhe 
aufgefundener  an. 

Heleocharis  ovata  R.  Br.  Diese  Art  trat  im  letzten  Sommer  in  einem 
trocken  liegenden  Teiche  bei  Pausa  im  Vogtlande  sehr  zahlreich  mit  Juncus 
supinus  und  Polygonum  * tomentosum  Schrnk.  auf.  Der  Standort  ist  für 
das  sächsische  Vogtland  neu;  der  nächste  mir  bekannte  Standort  befindet 
sich  in  dem  Plothener  Teichgebiet  bei  Schleiz  und  ist  in  der  Luftlinie  20  km 
entfernt.  Die  dort  mit  der  Binse  vergesellschafteten  Arten,  wie  Potentilla 
norvegica ,  Scirpus  maritimus  und  Carex  cyperoides  fehlen  aber  hier  voll¬ 
ständig. 

Carex  stricta  Good  x  vulgaris  Fr.  f.  supervulgaris.  Dresdener  Haide : 
am  schwarzen  Teich  (Stiefelhagen). 

C.gracilis  Curt  x  stricta  Good  f. supergracilis.  Meifsen:  am  Zschaschen- 
dorfer  Graben  (Stiefelhagen). 

Lilium  Martagon  L.  Döbeln,  von  Professor  Stübner  den  13.  Juni  1903 
aufgefunden  und  in  Belegexemplaren  an  das  Herbarium  der  Flora  Saxonica 
eingesandt.  Über  den  Standort  berichtet  Herr  Professor  Stübner:  Etwa 
1,5  km  südlich  von  Döbeln  auf  zwei  eng  begrenzten  Gebieten  rechts  und 
links  der  Mulde;  der  rechts  gelegene  Standort  zum  Rittergute  Hermsdorf, 
der  links  gelegene  zum  Rittergute  Ebersbach  gehörig.  Beide  Orte  am  oberen 
Talrande  im  Gehölz.  Der  Standort  war  bisher  im  Herbarium  noch  nicht 
vertreten. 

Cypripedium  Calceolus  L.  Als  Standort  für  diese  Pflanze  wird  in 
den  Floren  das  Kirchenholz  von  Dohna  angegeben.  Doch  ist  die  Pflanze 
dort  nicht  mehr  zu  finden  und  auch  nicht  erst  in  den  letzten  Jahr¬ 
zehnten  ausgerottet  worden,  wie  ein  Brief  beweist,  der  sich  in  den  Akten 
zur  Flora  Saxonica  befindet.  Auf  Veranlassung  des  damaligen  Prinzen 
Friedrich  August  hatte  Reichenbach  im  Jahre  1832  von  Pflanzenkennern 


32 


Dohnas  Nachforschungen  nach  Melittis  Melissophyllum  und  Cypripedium 
Calceolus  anstellen  lassen.  Er  erhielt  darauf  am  31.  Mai  1832  einen  Brief 
von  dem  Knabenlehrer  J.  G.  Meinelt -Dohna,  in  dem  sich  die  folgende  auf 
Cypripedium  bezügliche  Stelle  findet:  „Das  Cypripedium  Calceolus  ist  jetzt 
in  dem  Kirchenholze  zu  Dohna  beinahe  gar  nicht  mehr  zu  finden,  indem 
demselben  so  nachgestellt  worden  ist,  dafs  fast  kein  Exemplar,  wenigstens 
kein  blühendes  mehr,  zu  entdecken  ist.  Jedoch  habe  ich  sogleich  bei  dem 
hiesigen  Herrn  Pastor  M.  Gerschner  nachgefragt;  dieser  hat  ein  blühendes 
in  seinem  Garten  stehen.  Ihre  Königliche  Hoheit  können  daher  diese 
Pflanze  bei  demselben  in  Augenschein  nehmen.  Auch  wird  derselbe  es 
zur  hohen  Gnade  anrechnen,  dieselbe  Ihro  Königlichen  Hoheit  verehren 
zu  können“. 

Rumex  *arifolius  All.  Die  Art,  die  man  wohl  besser  als  Varietät  oder 
Subspezies  bei  R.  Acetosa  unterbringt,  wird  in  den  Floren  von  den  meisten 
deutschen  Mittelgebirgen,  vom  Harz,  Thüringer-  und  Böhmerwald  und  den 
Sudeten,  aber  nicht  vom  Erzgebirge  angegeben.  Da  wir  nun,  sowohl  Herr 
Geheimrat  Drude  wie  auch  ich,  bei  unseren  Exkursionen  im  Erzgebirge 
die  Form  dort  öfters  antrafen,  diese  auch  von  anderen  Sammlern  aus  dem 
Erzgebirge  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  liegt,  so  achtete  ich  in  diesem 
Jahre  etwas  genauer  auf  ihr  Vorkommen  und  ihre  Charaktere  und  konnte 
folgendes  feststellen:  Die  erzgebirgische  Pflanze  unterscheidet  sich  in  ihren 
Blättern  absolut  nicht  von  denen  der  übrigen  hercynischen  Bergländer 
und  der  Sudeten.  Wir  haben  auch  bei  ihr  die  charakteristischen,  seiden¬ 
papierartig-weichen,  kahlen  Blätter,  die  am  Blattgrunde  5 — 7  vorspringende 
Nerven  fast  aus  einem  Punkte  fächerförmig  entsenden.  Die  abstehenden  Spiefs- 
lappen  sind  stumpf  oder  kurz  bespitzt.  Die  stengelständigen  Blätter, 
namentlich  die  oberen,  sind  scharf  zugespitzt,  bei  R.  Acetosa  dagegen 
stumpflich.  Die  unteren  und  mittleren  Tuten  (Nebenblätter)  sind  bis  1,5  cm 
lang,  vollkommen  ganzrandig,  oben  gestutzt  oder  stumpf.  Die  oberen 
Tuten  sind  kürzer,  entweder  einfach  und  ganzrandig  oder  vollständig  in 
2  oder  3  Zipfel  geteilt,  die  zugespitzt  oder  abgerundet  sein  können  und 
an  getrockneten  Exemplaren  gewöhnlich  zurückgeschlagen  sind.  Gezähnte 
oder  franzig  zerschlitzte  Tuten  finden  sich  jedoch  auch  am  oberen  Stengel 
nicht.  Celakovsky  gibt  ferner  in  seinem  Prodromus  von  den  Tuten  an: 
„zur  Blütezeit  schon  zerstört“.  Das  ist  bei  den  erzgebirgischen  Pflanzen 
nicht  der  Fall,  sowohl  die  unteren  wie  die  oberen  sind  vorhanden.  Die 
Zwei-  und  Dreiteilung  der  oberen  Tuten  würde  als  einziges  Merkmal  an¬ 
zuführen  sein,  das  die  erzgebirgische  Form  von  dem  typischen  R.  arifolius 
unterscheidet.  Da  aber  solche  Zersplitterungen  der  Tuten  auch  anderwärts 
beobachtet  worden  sind  —  Pospichal  schreibt  z.  B.  in  seiner  Flora  des 
österreichischen  Küstenlandes  „Tuten  ganzrandig  oder  nur  die  untersten 
zerschlitzt“  — ,  so  müssen  wir  die  erzgebirgische  Form  auch  zu  R.  *  ari¬ 
folius  stellen. 

Sie  umsäumt  im  oberen  Erzgebirge  meist  in  Gesellschaft  von  Homo- 
gyne ,  Mulgedium  und  Luzula  maxima  die  Bergbäche  in  schattigen  Schluchten, 
tritt  aber  auch  auf  die  Bergwiesen  hinaus.  Um  den  Fichtelberg  und  Keil¬ 
berg  ist  sie  über  900  m  gar  nicht  selten. 

\Amaranthus  albus  L.  Dresden:  an  der  Marienbrücke  (Stiefelhagen). 

Silene  gallica  L.  Dresden:  Plauenscher  Grund  (Stiefelhagen). 

Helleborus  viridis  L.  Bei  Weesenstein  unter  Haselgebüsch  in  Gesell¬ 
schaft  von  Asarum ,  Hepatica  und  Primida  elatior  zahlreich,  anscheinend 


38 


wild  (J.  Ostermaier).  Garcke  gibt  in  seiner  Flora  von  Deutschland  einen 
zweiten,  weder  von  Wünsche  noch  von  Frenkel  erwähnten  Standort  in  der 
Nähe  dieses  neuaufgefundenen  an,  nämlich  Grofs-Cotta  unweit  Pirna.  Ob 
die  Pflanze  hier  wohl  noch  vorkommt? 

fLepidium  virginicum  L.  Dresden:  am  Altstädter  Elbquai  und  im 
Plauenschen  Grunde  (Stiefelhagen). 

| Brassica  elongata  Ehrh.  Dresden:  Plauenscher  Grund  (Stiefelhagen). 

f  Cakile  maritima  Scop.  Dresden:  am  Berliner  Bahnhof  (Stiefelhagen). 

Sedum  purpureum  Link.  Zschopautal:  bei  Kriebstein  (Stiefelhagen). 

Trifolium  striatum  L.  Mühlberg:  bei  Boragk  (Stiefelhagen). 

Geranium  divaricatum  Ehrh.  Meifsen:  Zadeler  Abhang  kopiös  mit 
Myosotis  sparsiflora  (Stiefelhagen). 

Erica  Tetralix  L.  Dresden:  am  Funkenteich  bei  Weinböhla,  der  bis 
jetzt  bekannte  südlichste  Standort  in  Sachsen  (Stiefelhagen). 

Melittis  Melis sophyllum.  L.  wurde  von  Professor  Stübner  bei  Döbeln 
gesammelt  und  dem  Herbarium  der  Flora  Saxonica  überwiesen  mit  der 
Etikette:  Rechtes  Muldenufer  in  lichtem  Laubgehölz  des  Hermsdorfer 
Waldes,  eine  halbe  Stunde  südlich  von  Döbeln.  Es  ist  das  wahrscheinlich 
derselbe  Standort,  den  bereits  1891  Leonhardt  auffand.  Ein  von  letzterem 
eingesandtes  Herbarexemplar  trägt  nur  die  Standortsangabe  „bei  Döbeln“, 
eine  zweite  von  Hofmann  1892  gesammelte  Pflanze  dagegen  die  nähere 
Bezeichnung  „Döbeln:  Abhänge  an  der  Mulde“.  Ein  zweiter  Standort 
dieser  schönen  Labiate  in  jener  Gegend  wurde  1890  von  Leonhardt  ent¬ 
deckt,  nämlich  zwischen  Döbeln  und  Riesa  bei  dem  Dorfe  Ostrau. 

Veronica  Dillenii  Crantz  =  *  campestris  Schmalh.  Kamenz:  Sand¬ 
felder  bei  Deutsch-Baselitz  (Stiefelhagen). 

Achillea  *setacea  W.  und  K.  Mühlberg:  bei  Boragk  (Stiefelhagen). 

Cirsium  canum  M.  B.  Leipzig:  am  Bienitz  an  verschiedenen  Stellen 
(Stiefelhagen).  Der  Standort  wird  auch  von  den  Leipziger  Spezialfloren 
nicht  angegeben.  Ob  die  Art  sich  dort  erst  in  jüngster  Zeit  angesiedelt 
hat  oder  nur  übersehen  worden  ist? 

C.  canum  M.  B .xpalustre  Scop.  Leipzig:  am  Bienitz  (Stiefelhagen). 

C.  heterophyllum  All  .xpalustre  Scop.  Tal  der  Wilden  Weifseritz 
bei  Pretzschendorf  (Stiefelhagen). 

C.  acaule  All.  x  canum  M.  B.  Meifsen:  Nasse  Aue  (Stiefelhagen). 

Mulgedium  alpinum  Cass.  Wurde  im  Juli  1903  von  J.  Ostermaier  im 
Weifseritztal  zwischen  Edle  Krone  und  Barthmühle  in  Gesellschaft  von 
Ranunculus  platanifolius ,  Cirsium  heterophyllum  und  Mimulus  luteus  auf¬ 
gefunden.  Der  Standort  ist  durch  seine  niedere  Höhe  (350  m)  bemerkenswert. 

Im  Anschlufs  an  die  obigen  Phanerogamen  sei  zum  Schlüsse  noch  der 
Auffindung  einer  recht  seltenen  montanen  Alge  gedacht,  nämlich  der  zu 
den  Phaeophyceen  gehörigen  Lithoderma  fontanum  Flah.  Sie  ist  erst  im 
Jahre  1883  von  Flahault-Montpellier  als  Süfs wasserbewohner  entdeckt  und 
beschrieben  worden  und  bisher  nur  von  wenigen  Standorten  (Südfrankreich 
und  Böhmen)  bekannt.  Doch  teilte  mir  Herr  Professor  Schmidle  mit,  dafs 
die  Alge  in  den  Schwarzwaldbächen  der  höheren  Gebirgsgegend  und  in 
Bächen  der  Alpen  häufig  ist.  Auch  im  Erzgebirge  ist  sie,  wie  ich  vor 
einigen  Wochen  konstatieren  konnte,  weiter  verbreitet.  Ich  habe  sie  am 
28.  Mai  1904  bei  Frauenstein  in  dem  Becherbach,  einem  Zuflufsbache  der 
Wilden  W7eifseritz  noch  bei  740  m  gefunden.  Schon  im  Jahre  1898  hatte 

* 


34 


ich  auf  einer  Exkursion  im  Erzgebirge  am  Fichtelberg  in  1100  m  Höhe 
auf  den  überfluteten  Steinen  eines  rasch  fliefsenden  Gebirgsbaches  schwarze, 
etwas  schleimig  sich  anfühlende  Krusten  beobachtet  und  aufgesammelt, 
über  deren  Natur  ich  damals  nicht  ins  Klare  kam.  Im  vorigen  Sommer 
suchte  ich  nun  jene  Stelle  nochmals  auf  und  fand  auch  die  Krusten  wieder. 
Sie  treten  in  dem  Bache  an  der  Südost-Seite  des  Fichtelberges  (Jungfern¬ 
grund)  von  1000 — 1100  m  auf  allen  festliegenden  und  überfluteten  Gneifs- 
blöcken  und  Geröllstücken  als  schwarze  Flecken  auf,  die  zuweilen  an  den 
Rändern  etwas  grünlich  schimmern,  heben  sich  also  von  dem  hellen  Gestein 
sehr  deutlich  ab.  Die  Gröfse  ist  sehr  verschieden,  von  1  qcm  bis  2  qdm 
alle  Übergänge.  Kleine  Krusten  sind  kreisförmig.  Wachsen  einzelne  Krusten 
zu  gröfseren  Flecken  zusammen,  so  zeigen  sie  häufig  einen  gekerbten  Rand, 
den  einzelnen  Krusten  entsprechend.  Sie  sitzen  auf  den  Steinen  sehr  fest 
auf,  so  dafs  man  mit  dem  Messer  nur  kleine  Brocken  abkratzen  kann.  Da¬ 
durch  unterscheiden  sie  sich  leicht  von  den  nur  lose  aufsitzenden  Häuten 
von  Phormidium  subfuscum  Ktz.  (tab.  phycol.  I,  t.  45),  die  ähnliche  Stand¬ 
orte  am  Fichtelberg  hat. 

Unter  dem  Mikroskop  erscheint  die  Alge  von  der  oberen  Fläche  ge¬ 
sehen  als  ein  parenchymatisches  Gewebe,  in  welchem  grüne  und  farblose 
Zellen  mit  einander  abwechseln.  Zerdrückt  man  mit  dem  Deckglas  die 
Massen,  so  sieht  man  grüne  und  farblose  Zellreihen  fächerartig  gruppiert. 
Häufig  finden  sich  auch  die  farblosen,  stark  lichtbrechenden  birnenförmigen 
Sporangien,  welche  sich  leicht  von  den  Zellreihen  loslösen  und  frei  im 
Präparat  umherschwimmen.  Ihre  Gröfse  beträgt  18 — 24  in  der  Länge 
und  8  [j.  in  der  Breite.  Herr  Prof.  Flahault-Montpellier  bestätigte  freundlichst 
meine  Bestimmung. 


Y.  V olksdichte  -  Schichtenkarten 
in  neuer,  mathematisch  begründeter  Entwurfsart. 

Von  H.  Wiechel,  Oberbaurat  in  Dresden. 

Mit  1  Karte. 


Die  Einwohnerzahlen  oder  Bevölkerungszahlen  von  Ortschaften,  Be¬ 
zirken  oder  Ländern  lassen  sich  auffassen  als  Gröfsen  erster,  zweiter  oder 
dritter  Potenz,  je  nachdem  man  sich  die  Personen  vorstellt  als  aneinander¬ 
gereiht,  oder  indem  man  jeder  Einzelperson  ein  und  denselben  fest  be¬ 
stimmten  Einheitsflächenraum  anweist  und  damit  die  Volksgröfse  in  einer 
Ebene  als  Fläche  ausbreitet,  oder  endlich  indem  man  die  Person  als  räumliche 
Einheit  auffafst,  diese  Einheiten  aufeinander  türmt  und  damit  die  Be¬ 
völkerungszahlen  in  ein  körperhaftes  Belief  verwandelt,  das  wie  ein  Berg¬ 
relief  durch  gleichabständige  Schichten  gleicher  Volksdichte  geschnitten  und 
damit  in  der  Karte  dargestellt  werden  kann. 

Als  lineare  Gröfse  aufgefafste  Bevölkerungszahlen  sind  kartographisch 
nicht  verwertbar,  dagegen  läfst  sich  die  Ausbreitung  der  Volkszahl  als 
Fläche  mit  einiger  Vorsicht  zu  kartenartigen  Darstellungen  verwenden,  wenn 
man  den  Flächen  solche  Formen  gibt,  die  an  die  Umrisse  der  betreffenden 
Länder  erinnern.  Derartige  Kartogramme,  die  man  Volksmengekarten 
nennen  könnte,  sind  bisher  noch  nicht  allgemein  gebräuchlich*)  geworden; 
sie  scheinen  aber  als  treffliches  Mittel  der  zeichnerischen  Veranschaulichung 
der  Beachtung  wert  zu  sein.  Da  derartige  Karten  sich  der  mathematischen 
Behandlung  völlig  entziehen  und  lediglich  mit  den  Hilfsmitteln  der  karto¬ 
graphischen  Technik  und  zeichnerischen  Taktes  weiter  ausgebildet  werden 
können,  kommen  sie  hier  nicht  in  Betracht. 

Das  Bevölkerungsrelief  hat  man  bisher  ausschliefslich  dadurch  gebildet, 
dafs  man  sich  gewisse  kleinere  oder  gröfsere  Landesflächen  nach  gewissen 
Gesichtspunkten  abgrenzte,  hierauf  die  auf  diese  Flächen  entfallende  Volks¬ 
menge  ermittelte  und  endlich  die  auf  die  Flächeneinheit  entfallende  Be¬ 
völkerungszahl  und  damit  die  Volksdichte  berechnete.  Das  so  gebildete 
Bevölkerungsrelief  hat  hiernach  das  Ansehen  eines  Waldes  von  Prismen, 
von  Kristallen,  die  dicht  aneinandergereiht  in  verschiedenen  Höhen  neben- 


*)  Als  Beispiel  ist  zu  erwähnen:  Kartogramm  zur  Beichstagswahl,  zwei  Wahl¬ 
karten  des  deutschen  Beiches  in  alter  und  neuer  Darstellung  von  Dr.  H.  Haack  und 
H.  Wiechel.  Gotha  1903. 


36 


einander  stehen.  Wollte  man  eine  derartige  Darstellung  vom  mathematischen 
Standpunkte  aus  verfeinern,  so  bliebe  für  eine  wissenschaftliche  Behandlung 
nur  die  Auffindung  von  Grundsätzen,  nach  denen  die  Grundflächen  ab¬ 
zugrenzen  wären,  übrig.  Volksdichtekarten  in  ihrer  vollendetsten  Form 
werden  sich  auf  die  Ortseinwohnerzahlen  stützen.  Alle  Karten,  die  auf 
gröfsere  Bewohnermengen  abgeleitet  sind,  können  offenbar  nur  als  Ab¬ 
schwächungen  der  vorgenannten  Dichtekarten  gelten.  Aus  diesem  Grunde 
soll  hier  nur  auf  Ortseinwohnerzahlen  Rücksicht  genommen  werden. 

Als  Grundfläche  der  Ortseinwohnerprismen  bietet  sich  zunächst  die 
Ortsflur  dar.  Nicht  immer  aber  sind  Flurgrenzen  in  den  Spezialkarten 
eingetragen,  nicht  immer  kann  die  grofse  Mühe  der  Flächenberechnung  für 
jede  Flur  aufgewendet  werden;  dann  wird  man  sich  genötigt  sehen,  auf 
willkürliche  Abgrenzung  der  Grundfläche  zuzukommen.  Quadrate,  Bienen¬ 
zellenform,  Dreiecke  usw.  sind  vorgeschlagen  worden.  Besonders  gut  eignen 
sich  gleichflächige  Paralleltrapeze,  weil  man  dann  wenigstens  zwei  Trapez¬ 
seiten  von  Fall  zu  Fall  den  topographischen  Anforderungen  ändern  und 
dadurch  diesen  besser  anpassen  kann.  Man  könnte  nun  versuchen,  aus 
den  Ortseinwohnerzahlen  der  Nachbarorte  ein  Motiv  zur  Gewinnung  der 
Abgrenzung  der  Grundflächen  für  jeden  Ort  in  folgender  Weise  abzuleiten. 

Theorie  des  Ortseinflufskreises. 

Man  kann  sich  eine  Einwohneranhäufung  nicht  nur  als  ein  totes  Volumen, 
sondern  auch  als  eine  lebendige  Kraftquelle  vorstellen,  etwa  nach  Art  der 
Anziehungskraft  oder  des  Lichtes.  Diese  beiden  Kräfte  strahlen  vom  Ver¬ 
breitungsherde  nach  allen  Seiten  gleichmäfsig  in  den  Raum  aus.  Die  Stellen, 
welche  eine  Kraftwirkung  (Helligkeit)  von  gleicher  Gröfse  erfahren,  liegen 
vom  Verbreitungsherd  nach  allen  Seiten  gleichweit  entfernt,  folglich  auf 
einer  Kugelfläche.  Da  nun  in  wfacher  Entfernung  die  Kugelfläche  die 
n2  fache  Gröfse  hat,  so  werden  sich,  wenn  man  die  Kraftwirkung  auf  die 
Flächeneinheit  der  gedachten  Kugelflächen  bezieht,  die  Kraft-  (Helligkeits-) 

^tel  tel  <  1 

Anteile  bei  wfachem  Abstande  nicht  auf  —  sondern  auf  -5  abmindern, 

n 

was,  aus  der  Anschauung  abgeleitet,  den  allbekannten  Satz  liefert,  dafs 
die  Anziehung  oder  die  Lichtstärke  umgekehrt  proportional  dem  Quadrate 
des  Abstandes  ist.  Stellen  wir  nun  einmal  die  Einwohneranhäufung  als 
Wärmequelle,  Glühlampe  oder  sonstige  Kraftquelle  vor,  so  liegt  der  wesent¬ 
liche  Unterschied  darin,  dafs  die  Wirkungen  der  Volksmenge  unmöglich 
als  nach  allen  Seiten  wirkend  vorausgesetzt  werden  darf. 

Der  Form  der  menschlichen  Tätigkeit  entspricht  offenbar  die  Hypothese, 
dafs  ihre  Fernwirkung  sich  überwiegend  auf  der  Erdoberfläche  vollzieht, 
besser.  Dann  aber  erfolgt  die  Ausstrahlung  mathematisch  gefafst  lediglich 
in  einer  Ebene;  dann  mindert  sie  sich  nur  im  Verhältnis  der  ersten  Potenz 
des  Abstandes.  Hiernach  ist  die  Fernwirkung  einer  Einwohneranhäufung 
zunächst  selbstverständlich  direkt  proportional  ihrer  Gröfse  und  sodann 
umgekehrt  proportional  dem  Abstande  des  untersuchten  Punktes.  Für  einen 
Ort  nützt  diese  Betrachtung  nichts,  weil  sie  zu  einer  Grenze  der  Fern¬ 
wirkung  überhaupt  nicht  führt;  sowie  aber  zwei  Orte  untersucht  werden, 
tritt  sofort  eine  wertvolle  gegenseitige  Beziehung  an  dern  Punkte  ein,  wo 
die  Fernwirkungen  beider  Orte  gleich  grofs  sind.  Hier  liegt  offenbar  ein 
unanfechtbarer  Grenzpunkt  zwischen  den  beiden  Orten,  der  in  kausalem 


37 


4. 


xL 


rpi  7712 
tu  1  —  Ü/2 


Es  ist  das  eine  quadratische 
Gleichung,  die  einen  Kreis  vor¬ 
stellt,  dessen  Mittelpunkt  (Fig.  2) 
im  Abstande  z 

K  _  E\ 

•  z~a  E\  —  El 
auf  der  sc-Achse  liegt  und  dessen 
Halbmesser  r  die  Gröfse  hat: 


El  —El 


6. 


E1EC 

r  =  a  —  -  • 


772  7712 

tu  !  -  tu  2 


Fig.  /. 


Zusammenhänge  mit  der  Gröfse  und  dem  Abstande  der  Orte  steht.  Vielleicht 
führt  diese  wissenschaftlich  korrekte 
Hypothese  ein  Stück  weiter. 

Zwei  Orte  (Fig.  1)  mit  den  Ein¬ 
wohnerzahlen  E1  und  P2  stehen  um  a 
von  einander  ab.  Der  Ort  eines  zu 
untersuchenden  Punktes  P,  der  gleich¬ 
starke  Fern  Wirkungen  von  Et  und  E2 
erfährt,  wird  bestimmt  durch  die 
Beziehung  E1:  P2  =  d±:  d2.  Offen¬ 
bar  mufs  es  eine  ganze  Beibe  solcher 
Orte  geben,  die  auf  einer  gewissen 
Kurve  liegen,  deren  Gleichung  sich 
nach  Fig.  1  aus  den  drei  Bedingungen 

1.  E1:  E^  =  d±:  d2  oder  E±  d2  =  E2  dv 

2.  d]=y2-\-x‘1, 

3.  dl  =  y2- \- (x  —  a)2 
ableiten  läfst  zu 

■*  +  y*  —  »  an.  ,,.P  ^  =  0. 


f \uMre/s  Fi9  3 


Wie  leicht  zu  ersehen  ist, 
gestatten  die  einfachen  Verhält¬ 
nisse  folgende  Konstruk¬ 
tion  (Fig.  3). 

Werden  die  Einwoh¬ 
nerzahlen  E±  und  P2  als 
Längen  in  die  Ebene  der 
Figur  nach  oben  und  unten 
umgeklappt,  die  Propor¬ 
tionalitätslinien  DFQ , 

PPG,  HGQ  und  HPF 
gezogen,  so  schneiden  sich 
die  Punkte  P  und  Q  ab, 
die  den  Durchmesser  des 
gesuchten  Einflufskreises 
zwischen  sich  fassen. 

Mit  den  höchst  ein¬ 
fachen  Konstruktionslinien  der  Fig.  3,  also  mit  ein  paar  Strichen,  ist 
man  imstande,  den  Einflufskreis,  in  welchen  der  stärkere  Ort  den  schwä- 


EpE, 


38 


cheren  einschliefst,  zn  zeichnen.  Da  zudem  das  Verfahren  von  so  hand¬ 
greiflicher  Klarheit  und  nicht  zu  übertreffender  Einfachheit  ist,  so  kann 
man  wohl  annehmen,  dafs  der  Bearbeiter  das  Verfahren  zuverlässig  vor 
Augen  behalten  kann,  wird  doch  nicht  mehr  verlangt,  als  bei  Bestim¬ 
mung  des  Schwerpunktes  in  einem  Dreieck.  Es  ist  noch  hervorzu¬ 
heben,  dafs  zwar  in  einem  gewissen  Punkte  dieses  Kreises  die  dortige 
Fern  Wirkung  beider  Orte  gleich  grofs  ist,  dafs  aber  die  Gröfse  der  Fern¬ 
wirkung  in  verschiedenen  Punkten  des  Kreises  eine  verschiedene  ist. 
Dieser  Kreis  ist  also  nicht  entfernt  als  Linie  gleichförmiger  Stärke  der 
Fernwirkung  aufzufassen,  sondern  er  begrenzt  das  Gebiet,  auf  das  ein  Ort 
kraft  seiner  Einwohnerzahl  und  seines  Abstandes  seinem  Nachbarort 
gegenüber  sozusagen  das  stärkere  Einflufsrecht  hat. 

Den  Vorgang  könnte  man  sich  unter  einem  Bilde  vergegenwärtigen. 
Die  Einwohner  des  gröfseren  Ortes  beständen  aus  3000  Soldaten,  die  des 
kleineren  aus  500.  Beide  Truppen  wären  in  den  Ortsmitten  dicht  zusammen¬ 
gezogen.  Auf  Kommando  schwärmten  beide  Truppen  radial  nach  allen 
Richtungen  gleichförmig  aus  und  machten  erst  dann  Halt,  wenn  in  der 
Peripherie  der  Schützenkette  am  Treffpunkte  auf  beiden  Seiten  gleicher 
Schützenabstand  oder  gleiche  Gefechtsstärke,  das  ist  gleiche  Dichte  herrschte. 
Am  schnellsten  würde  der  Stillstand  auf  der  Ortsverbindungslinie  erfolgen; 
dort  hätte  auch  die  Schützenkette  die  gröfste  Dichte. 


Praktische  Anwendung  des  Ortseinflufskreises. 

Wollte  man  das  gefundene  einfache  Verfahren  wiederholen,  indem  man 
zwischen  den  Orten  immer  weiter  fortschreitend  Fern  Wirkungskreise  zöge 
und  so  die  gesetzmäfsig  abgegrenzten  Gebiete  für  die  einzelnen  Orte  auf¬ 
fände,  auf  die  man  nun  mit  vollstem  Recht  ohne  jedwede  Willkür  die  Ein¬ 
wohnerzahl  zu  beziehen  und  mit  denen  man  die  Dichteberechnung  vor¬ 
zunehmen  hätte,  so  würde  man  trotz  der  tadellosen  und  immerhin  einfachen 
Theorie  zu  Ergebnissen  gelangen,  die  leider  den  Anforderungen  der  Zeichen¬ 
technik  recht  wenig  entsprechen. 

Zunächst  macht  sich  schon  eine  empfindliche  Unsicherheit  insofern 
geltend,  als  es  dem  Belieben  in  ziemlich  hohem  Grade  überlassen  bleiben 
mufs,  welches  Ortspaar  aus  dem  ganzen  Sternhimmel  von  Orten  vor  uns 
auf  der  Karte  wir  in  Beziehung  zu  einander  zu  setzen  haben.  Die  Wahl 
scheint  uns  einfach,  ist  es  aber  in  der  Praxis  durchaus  nicht.  Man  käme 
in  dieser  Beziehung  einen  Schritt  weiter,  wenn  man  alle  Orte  als  Punkte 
eines  Triangulationsnetzes  ansehen  und  zu  je  dritt  verbinden  würde.  Das 
Problem  wäre  dann  zurückgeführt  auf  die  Bearbeitung  von  lauter  Orts¬ 
gruppierungen  zu  drei.  Aber  auch  diese  Auffassung  nützt  nichts,  da  innerhalb 
der  Dreiecke  drei  Einflufskreislinien  nebeneinander  liegen  oder  durcheinander 
schneiden  und  nichts  klar  bestimmt  ist,  als  die  Abschnitte  auf  den  Drei¬ 
eckseiten.  Wollte  man  sich  mit  diesen  Grenzpunkten  begnügen  und  daraus 
Grenzfiguren  und  die  Orte  konstruieren,  so  käme  man  zu  Grundflächen 
von  wesentlich  höherem  Werte  als  die  gegriffenen  Polygone;  indessen  dürfte 
die  Konstruktion  und  langwierige  nachfolgende  Berechnung  der  gefundenen 
Grundflächen  kaum  die  Mühe  lohnen,  weil  eben  ein  tadelloses  Verfahren 
auch  auf  diese  Weise  nicht  erzielt  worden  ist  und  ohne  übermäfsigen 
mathematischen  Apparat  auch  nicht  erzielt  werden  kann. 


39 


Volksdiehte-Sehiehtlinien  nach  Ravn,  1857. 

In  dem  statistischen  Tabellenwerke  des  Königlich  Dänischen  Statistischen 
Bureaus  vom  Jahre  1857  befinden  sich  Karten  von  Dänemark  in  1 : 1920000 
mit  Dichteschichten  in  Abständen  von  500  Einwohnern  auf  1  Quadratmeile 
(9  Einwohner  auf  1  Quadratkilometer),  deren  Entwurf  vom  Marineleutnant 
Ravn  in  folgender  Weise  ausgeführt  worden  ist. 

Die  Grenzen  der  Pfarreien  wurden,  wenigstens  für  Jütland  und  die 
Inseln,  in  Spezialkarten  eingezeichnet,  die  Schwerpunkte  der  Flächen 
ermittelt,  hier  senkrechte  Linien  errichtet  gedacht  und  auf  dieselben  die 
Einwohnerzahlen  aufgetragen.  Alle  Endzahlen  dieser  Lotlinien  bestimmen 
eine  kontinuierliche  krumme  Fläche,  deren  Darstellung  durch  Schichtkurven 
erfolgte.  Im  genannten  Gebiete  wurden  auf  diese  Weise  1700  feste  Punkte 
bestimmt,  was  offenbar  eine  sehr  hohe  Summe  von  Arbeit  erfordern  mufste. 
Dem  Verfahren  haftet  aber  neben  der  Mühseligkeit  noch  die  Ungenauigkeit 
an,  dafs  der  Rauminhalt  des  so  gewonnenen  Volksreliefs  nur  dann  richtig 
wäre,  wenn  die  Lotlinien  sämtlich  gleichen  Abstand  untereinander  hätten, 
was  aber  nicht  der  Fall  ist.  Haben  aber  die  Achsen  der  einzelnen  Be¬ 
völkerungsprismen  ungleiche  Abstände,  sind  mit  anderen  Worten  die  Volks¬ 
prismen  von  ganz  verschiedener  Breite,  so  ist  es  unrichtig  (Fig.  4),  den 
Ausgleich  der  wechselnden  Volksprismenkristalle  durch  eine  kontinuierliche 
krumme  Fläche  durch  die  Endpunkte  P  der  Prismenachsen  zu  legen,  viel¬ 
mehr  mufs  in  jedem  Einzelfall  die  für  den  Ortspunkt  richtige  Kote  des 


Ausgleichslinie  nach  Ravn,  f  me  d(^rjgcjitjjiej2_Ajj.s^^ 


Volksreliefs  nach  Fig.  4  in  wenn  auch  einfacher  Weise,  doch  aber  erst  be¬ 
stimmt  werden.  Die  wirkliche  Ausgleichslinie,  welche  die  beiden  benachbarten 
Rechteckhälften  in  ein  gleichflächiges  Trapez  zusammenschmilzt,  mufs  durch 
die  Punkte  0  gezogen  werden.  Solcher  Ausgleichslinienzüge  gibt  es  un¬ 
endlich  viele;  jede  einzelne  ist  aber  in  ihrem  ganzen  Verlauf  durch  Wahl 
eines  aufserhalb  der  Mittelpunkte  0  gelegenen  Punktes,  z.  B.  P1  festgelegt. 
Wie  grofs  die  Abweichungen  bei  dem  Ravnschen  Verfahren  anwachsen,  ist 
aus  der  Fig.  4  deutlich  zu  ersehen. 

Das  Ravnsche  Verfahren  würde  nur  anwendbar  sein,  wenn  man  sich 
die  Mühe  machen  wollte,  die  wichtigen  Ausgleichslinien  aus  Profilen  nach 
Art  der  Fig.  4  zu  entwickeln,  was  für  die  Praxis  ausgeschlossen  ist. 

Theorie  des  Bevölkerungskegels. 

Der  Aufbau  der  Bevölkerungsmenge  erfolgte  bisher  prismenartig  auf 
gewissen  geschlossen  aneinander  gelegenen  Grundflächen.  Um  die  Härten 


40 


der  schroff  wechselnden  Türme  und  Löcher  des  zerrissenen  Profils  eines 
solchen  Volksreliefs  abzumildern,  hatte  man  sich  bemüht,  nachträglich 
Ausgleichsflächen  zu  konstruieren.  Dieser  Vorgang  ist  aber,  wohlverstanden, 
immer  nur  ein  sekundärer,  die  prismatische  Grundform  mufs  immer  durch¬ 
leuchten  und  kann  niemals  einen  vollen  Erfolg  zulassen.  Der  Bevölkerungs¬ 
grundkörper  für  die  Ortschaft  selbst  mufs  von  vornherein  gerundet  oder 
schräg  abgedacht  aufgebaut  werden.  Da  nur  die  einfachsten  geometrischen 
Formen  und  mathematischen  Ausdrücke  verwendbar  sind,  kann  nur  der 
gerade  Kreiskegel  in  Frage  kommen,  dessen  Inhalt  sich  so  einfach  wie 
der  eines  Prismas  in  Zahlen  darstellt. 

Ganz  ausgeschlossen  ist  es  offenbar,  auf  die  alten,  dicht  nebeneinander 
abgegrenzten  Polygongrundflächen  oder  Ortsfluren  anstatt  der  Prismen 
nun  Pyramiden  zu  bauen,  weil  zwischen  je  zwei  Pyramidenspitzen  die  Volks¬ 
dichte  auf  Null  herabsinken  würde. 


Nachbar 

Einfluß 


Bei  der  Wahl  des  Kreises 
als  Grundfläche  ist  das  bisherige 
dichtgeschlossene  Nebeneinander 
aller  Grundflächen  unmöglich;  soll 
ein  kontinuierliches  Belief  gebildet 
werden,  so  müssen  vielmehr  die 
Grundkreise  sich  vielfach  über¬ 
schneiden,  die  Bevölkerungskegel 
selbst  sich  durchdringen  und  da¬ 
mit  auftürmen.  Je  gröfser  der 
Grundkreis  angenommen  wird,  um 
so  mehr  Orte  werden  von  ihm  ein¬ 
geschlossen,  um  so  zahlreicher  sind 
die  Durchdringungen  der  über  je¬ 
dem  Einzelort  aufgebauten  Volks¬ 
kegel,  um  so  mehr  gleichen  sich 
somit  die  Unterschiede  aus,  um 
so  sanfter  werden  die  Übergänge 
der  Oberfläche  des  Volksreliefs 
ausfallen.  Der  überm äfsigen  Aus¬ 
dehnung  des  Grundkreises  sind 
also  insofern  gewisse  Grenzen  ge¬ 
setzt,  als  die  Reliefformen  zu  ver¬ 
schwommen,  zu  verwaschen  wer- 
und  als  die  Konstruktionsarbeit  mit 
der  Zunahme  der  Zahl  der  Durchdringungen 
(Auftürmungen)  stark  zunimmt.  Für  die 
Verhältnisse  in  Mitteleuropa  dürfte  ein 
Grundkreis  von  30  Quadratkilometer 
Fläche,  innerhalb  dessen  etwa  4  bis  10  Ort¬ 
schaften  zu  liegen  kämen,  genügen.  Eine 
solche  Kreisfläche ,  der  3,09  Kilometer 
Halbmesser  entspricht,  bietet  den  Vorteil 
dar,  dafs  nach  der  Kegelvolumformel  für 
diesen  Grundkreis 

30  h  __  £ 


3 


41 


die  Höhe  h  des  Volkskegels  über  einem  Orte,  also  die  Volksdichte  in  der 
Ortsmitte,  gleich  dem  zehnten  Teile  der  Ortseinwohnerzahl  ist. 

Schreibt  man  daher  in  der  Mitte  jeder  Ortschaft  den  zehnten  Teil  der 
Einwohnerzahl  in  die  Karte,  so  hat  man  sofort  das  Netz  der  Volksdichte¬ 
zahlen,  aber  wohlgemerkt,  ohne  den  auftürmenden  Einflufs  der  sich  durch¬ 
dringenden  Nachbarkegel.  Die  Summierung  des  Volumens  zweier  sich 
durchdringender  Kegel  ist  eine  einfache  Aufgabe,  besonders  wenn  man  sich 
auf  die  Ermittelung  der  Aufhöhung  im  Mittelpunkte  des  zu  untersuchenden 
Ortes  beschränkt,  eine  Mafsnahme,  die  hier,  wo  es  sich  zunächst  um  die  Ab¬ 
leitung  der  richtigen  Dichtekoten  für  den  Ort  selbst  handelt,  nahe  genug  liegt. 

Aus  Eig.  5  ergibt  sich,  dafs  sich  die  Aufhöhung  x  über  dem  Orte  o1 
verhält  zur  Höhe  h2  des  Kegels  über  den  Nachbarort  o2  wie  die  Strecken 
a2  o1  zu  a2  o2,  Da  nun  a2  o±  =  o2  b  und  a2o2  =  b  o1  ist,  so  findet  man  den 
einfachen,  anschaulichen  Satz:  „Auf  die  Aufhöhung  über  dem  untersuchten 
Orte  o1  entfällt  ein  Anteil  der  Dichte  im  Nachbarorte  o2,  der  dem  Anteil 
des  Abstandes  o2  bis  zum  Grundkreisrande  an  der  Länge  des  Grundkreis¬ 
halbmessers  entspricht“.  Ist  also  h  o2  ein  Fünftel  des  Halbmessers,  so  be¬ 
trägt  die  Aufhöhung  in  o1  ein  Fünftel  der  Dichtezahl  (Kegelhöhe)  in  o2. 

In  der  Zeichenpraxis  gestaltet  sich  die  Ermittelung  der  endgültigen 
Dichtezahl  eines  Ortes  einfach  genug,  da  man  für  jeden  Ort  nur  die  Rand¬ 
abstände  (Eig.  6)  gegen  den  Halbmesser  abzuschätzen  und  die  Dichtezahlen 
der  einzelnen  Nachbarkegel  in  diesem  Verhältnis  zu  reduzieren  braucht. 
Durch  Zuzählung  dieser  nachbarlichen  Anteile  zur  Dichtezahl  des  Zentralorts¬ 
kegels  erhält  man  die  gesuchte  Dichtezahl  des  Volksreliefs.  Liegt  die  erwähnte 
Vorarbeit  des  Eintragens  der  zehnten  Teile  aller  Ortseinwohnerzahlen  in  die 
Ortsmitten  vor,  so  läfst  sich  diese  Summenbildung  mit  wenig  Zahlennotizen, 
nach  Befinden  sogar  im  Kopfe  ausführen,  währenddem  man  die  Schenkel  des 
im  Mittelpunkt  eingesetzten  Zirkels  über  die  Nachbarorte  wandern  läfst. 

Die  Form  der  Dichteschichtlinien. 

Über  die  Gestalt  der  Kurven  der  Auftürmungen  läfst  sich  hier,  wo  es 
sich  in  erster  Linie  um  eine  kartographische  Aufgabe  handelt,  am  einfachsten 
graphisch  Aufschlufs  erhalten.  Man  beginnt  mit  der  Zerlegung  der  Einzel¬ 
kegel  in  ein  System  von  Dichteschichtlinien  nach  dem  Vorgang  der  Höhen¬ 
schichtlinien.  An  allen  Durchschnittspunkten  der  beiden  zum  Teil  auf¬ 
einander  liegenden  Dichteschichtlinien-Systeme  ergibt  sich  der  Wert  der 
Auftürmung  ohne  weiteres  durch  Summierung  der  Schichthöhenzahlen.  So 
bildet  sich  ein  Netz  von  Punkten  (Fig.  7)  und  es  erübrigt  nur,  die  gleich¬ 
hohen  Koten  zu  verbinden,  um  die  Dichteschichtlinien  der  Auftürmung 
innerhalb  des  Gebietes  der  Durchdringung  der  Kegel  zu  erhalten.  In  gleicher 
Weise  lassen  sich  die  Einflüsse  eines  dritten  und  weiterer  Kegel  auf  die  Auf¬ 
türmung  darstellen.  Legt  man  dann  verschiedene  Hilfsprofile  durch  das 
so  gewonnene  Relief,  so  lehrt  der  Augenschein,  dafs  die  Oberflächen  der 
Auftürmungen  auch  Kegelmänteln  angehören,  deren  Achsen  aber  nicht 
mehr  lotrecht  stehen,  sondern  eine  schiefe  Lage  haben,  wie  die  Kegel  Kx 
und  X2  in  Eig.  7  zeigen.  Alle  Dichteschichtlinien  sind  also  ebenso  wie  alle 
Dichtereliefprofile  aus  Kegelschnittlinien  zusammengesetzt. 

Einzelpersonalkegel. 

Das  Material  an  Einwohnerzahlen,  das  der  Bearbeitung  zu  Grunde  liegt, 
ist  sehr  verschiedenartig:  neben  den  Dörfchen  von  kaum  hundert  Bewohnern 


42 


die  Grofsstadt  mit  ihrer  Riesenflur.  Zeichen  technisch  wird  man,  um  zu 
wahrscheinlichen  naturwahren  Darstellungen  zu  kommen,  nicht  umhin  können, 
die  Orte  mit  hohen  Einwohnerzahlen  zu  zerlegen,  sie  aufzufassen  als  eine 
Gruppe  nahe  zusammenliegender  Einzelorte;  man  wird  auf  die  Stadtteile, 
auf  Strafsengruppen  oder  sonst  ausgesonderte  Gebietsteile  des  grofsen  Ortes 


zurückgreifen  müssen.  In  der  Zeichenpraxis  findet  dieses  Teilungsverfahren 
bald  seine  Grenze,  ebenso  wie  man  mit  der  Ausdehnung  des  Grundkreises 
nicht  zu  weit  gehen  durfte.  Wissenschaftlich  ist  es  aber  von  Interesse, 
wenigstens  für  die  geometrisch  einfache  Kreisfläche,  innerhalb  der  die  Volks¬ 
menge  der  Stadt  gleichförmig  verteilt  angenommen  werden  soll,  mit  der 


43 


Zerteilung  weiter  zu  gehen  und  diese  bis  zur  äufsersten  Grenze,  also  bis 
zur  Einzelperson  oder,  mathematisch  gedacht,  bis  zu  einem  unendlich  kleinen 
Teil  der  Einwohnerzahl  zu  steigern. 

Stellt  man  sich  die  Einwohner  eines  Ortes  nicht  mehr  wie  bisher  im 
Mittelpunkt  des  Ortes  konzentriert,  sondern  innerhalb  eines  Kreises  aus¬ 
gebreitet  vor,  so  liefert  die  auf  die  Flächeneinheit  desselben  bezogene  Volks¬ 
menge  einen  bekannten  Begriff,  die  Wohndichte.  Es  ist  nun  von  Interesse, 
die  Beziehungen  zwischen  der  Wohndichte  und  der  auf  Grund  unserer 
Einwohnerkegel -Hypothese  bei  Zerlegung  bis  zum  Differentialkegel  ge¬ 
wonnenen  Volksdichtereliefs  zu  verfolgen. 

Die  Einwohnerzahl  E  verteilt  sich  im  Ortswohnkreise  vom  Halbmesser 
To  so,  dafs  auf  die  Flächeneinheit  die  Volksmenge  W  (Wohndichte)  entfällt. 


1.  W  = 


E  t 
nr\ 


Auf  das  unendlich  kleine  Flächenelement  g- dco -dg  (Fig.  8)  entfällt  als 
Anteil  der  Einwohnerzahl 

E 

2 .  W-  g  •  dco  •  dg  —  — 2  Q •  •  dg- 


7i  n 


Auf  diesen  unendlich  kleinen  Teil  der  Einwohnerschaft  wenden  wir  die 
Kegeltheorie  an,  indem  wir  auf  dem  Grundkreise  vom  Halbmesser  r  einen 
Kegel  von  der  Höhe  x  auf  bauen,  dessen  Volumen  den  Wert  hat: 


TC  V~  ^ 

3.  x~n  == — ^g-do-dg. 

3  TV  Tq  s 

Handelt  es  sich  wie  bisher  so  auch 
hier  zunächst  darum,  die  Volksdichte 
in  der  Mitte  des  Ortskreises  zu  finden, 
so  wird  wie  bisher  der  aufhöhende  Ein- 
flufs  hx  des  im  Abstande  r — g  vom  Grund¬ 
kreisrande  (Fig.  8)  über  der  Fläche  dco -dg 
aufgebauten  Kegels  mit  der  Höhe  x  auf 
die  Ortsmitte  ausgedrückt  durch: 

,  7  r  —  g 

4.  hx  =  x - ■  • 

r 

Die  aus  der  Natur  der  Aufgabe  ge¬ 
folgerten  Beziehungen  1  bis  4  lassen  sich 
in  folgenden  Ausdruck  zusammenziehen : 

hx  =  (r  —  <?)  Q  ■  de  ■ dm ■ 

Die  auf  die  Ortsmitte  entfallenden 

Anteile  hx  aller  Elementarkegel  sind  nun  durch  Integration  zu  summieren, 
um  zu  der  Höhe  H  des  Bevölkerungsreliefs  oder  der  Volksdichte  in  der  Orts¬ 
mitte  zu  gelangen. 

rn  /  2  rv 
3  E 


E 


F,g.8. 


H  O  <1  o 

tvz  Tq  r 


q)  dg  •  dco. 


5 


H  = 


2  r„\ 

Sr) 


44 


Je  mehr  sich  die  anfänglich  im  Ortsmittelpunkt  vereint  gedachte  (r0  =  0) 
Einwohnermenge  radial  in  Gestalt  einer  Ortskreisfläche  auf  der  Karte  räumlich 
ausbreitet,  um  so  gröfser  in  Formel  5  ro  wird,  um  so  weiter  sich  der  Basis¬ 
kreis  des  Bevölkerungsreliefs,  der  alle  Elementar-Grundkreise  umhüllt,  aus¬ 
dehnt,  um  so  mehr  schrumpft  die  Höhe  H  des  Reliefs  in  der  Ortsmitte 
zusammen. 

Nimmt  der  Ortskreis  die  Gröfse  des  Grundkreises  an,  wird  r0  =  r,  so 
flacht  die  Mittenhöhe  auf  ein  Drittel  ab,  während  der  Basiskreis  den  Halb¬ 
messer  verdoppelt,  also  die  Fläche  vervierfacht,  immer  verglichen  mit 


dem  Zustand  für  r0—0.  Hieraus  ist  sofort  klar,  dafs  die  Volksmenge¬ 
reliefs  über  kreisförmigen  Orten  nicht  gerade  Kegelmantelflächen  haben 
können,  sondern  dafs  sie  durch  Kurven  begrenzt  sein  müssen  (Fig.  9). 

Wächst  der  kreisförmige  Ort  über  den  Grundkreis  für  die  Ortsmitte 
hinaus,  wird  r0  gröfser  als  r,  so  bleibt  die  über  den  Grundkreis  hinaus 
gelegene  ringförmige  Ortsfläche  (Fig.  10)  bezüglich  Erhöhung  der  Volksdichte 
in  der  Ortsmitte  ganz  aufser  Betracht;  die  Formel  5  gilt  ihrer  Ableitung 
nach  nur  bis  r0  =  r.  Offenbar  sondert  sich  dann  eine  der  Ringbreite  ent¬ 
sprechende  kreisförmige  Kernfläche  aus,  in  der  überall  dieselbe  Dichte 
herrscht;  das  Dichterelief  zeigt  also  über  diesem  Kern  plateauartige  Form. 
Es  ist  nun  von  Interesse,  dafs  innerhalb  dieses  Kernkreises,  der  für  r0  =  r 


45 


als  Punkt  beginnt,  die  nach  der  Kegeltheorie  abgeleitete  Volksdichte  sich 
deckt  mit  der  Wohndichte.  Hierin  zeigt  sich  eine  Stärke  unserer  Theorie; 
denn  läfst  der  ältere  Begriff  der  „Wohndichte“  die  Bewohnerschaft  des 
Ortes  als  Kreiszylinder  ohne  jedweden  Übergang  erscheinen,  so  stellt  sich 
die  nach  der  Kegeltheorie  konstruierte  „Volksdichte“  wohl  im  mittleren 
Teile  der  Grofsstadt,  wie  es  der  Volks  Verteilung  auch  entspricht,  völlig 
oder  nahezu  als  Wohndichte  dar,  anschliefsend  verflacht  sich  aber  das 
Volksmengerelief  nach  streng  gesetzmäfsigen  Zahlenverhältnissen,  so  einen 
tadellosen  Übergang  herstellend. 


Fig.ll 


Dichte  Schichtlinien  für  langgestreckte  Dörfer. 

Langgestrekte  Orte  lassen  sich  empirisch  durch  Zerlegung  in  einzelne 
Glieder  behandeln;  indessen  ist  auch 
diese  Aufgabe  der  feineren  Auffassung 
durch  Anwendung  des  Personalkegels 
zugänglich.  Ersetzt  man,  um  hier  den 
einfachsten  Fall  zu  behandeln,  den  Ort 
durch  eine  gerade  Linie  L ,  auf  der  die 
Volksmenge  E  gleichförmig  verteilt  ist, 

so  kommen  auf  die  Längeneinheit  ^ 

Einwohner,  folglich  auf  die  kleine 
Länge  dx  (Fig,  11)  ein  Anteil  der  Ein- 
E 

wohnerzahl  —  dx,  der  als  Volumen  in 
E 

einem  Dichtekegel  von  der  Höhe  z 
unterzubringen  ist: 

E7  n  E- 
Ldx  = ~Y 


Z. 


1.  z  = 


3  E 


dx. 


n  r'a  L 

Dieser  Elementarkegel  übt  nun  seinem  Abstande  x  von  der  zu  unter¬ 
suchenden  Mitte  der  Volksmengelinie  entsprechend  in  dieser  Mitte  die 
Aufhöhung  lix  aus. 

2.  hx  —  z - 


Aus  beiden  Gleichungen  folgt: 

3  E 


hx  = 


n  r°- 


(r  —  x)  dx. 


Alle  Anteile  hx  summiert  liefern  die  Höhe  H: 

L 


T 7=  JA 
n  r3  L 


3.  H  — 


x)  dx. 


3  E 

Ti  r 2 


46 


Dieser  Ausdruck  ähnelt  demjenigen  für  die  Mitte  der  Ortskreisfläche 
aufserordentlich.  Für  L  =  0  entsteht  die  Grundformel  der  Kegeltheorie;  für 
L  =  2  r  (Fig.  12)  nimmt  der  Ort  den  Durchmesser  des  Grundkreise  sein,  die 
Volksdichte  sinkt  dann  in  der  Mitte  auf  die  Hälfte  herab.  Wächst  L  weiter, 


so  bildet  sich  analog  den  Verhältnissen  bei  dem  Ortskreis  ein  horizontales 
geradliniges  Gratstück  im  Volksmengerelief  aus,  an  das  sich  die  Kurven 
des  Übergangsgebietes  anschliefsen,  wie  es  in  Fig.  12  dargestellt  ist. 


Am  Zeichentisch  des  praktischen  Kartographen  wird  man  sich  mit  der 
Annäherung  begnügen,  die  sich  ungezwungen  in  Gestalt  der  Zerlegung 
der  Einwohnermengen  solcher  Wohnplätze,  die  sich  nicht  mehr  als  in 
einem  Punkte  konzentriert  vorstellen  lassen,  darbietet.  Weitergehende 
mathematische  Anforderungen  würden  der  Einbürgerung  des  Verfahrens 
nur  hinderlich  sein;  indessen  dürfte  die  im  vorstehenden  keineswegs  aus¬ 
geführte,  sondern  nur  angedeutete  feinere  Behandlung  der  aus  dem  Grund- 


47 


gedanken  der  Volksmengekegel- Theorie  herauszulösenden  Probleme  dem 
Mathematiker  willkommenen  Stoff  darbieten,  zumal  das  hiermit  betretene 
Gebiet  überhaupt  noch  wenig  angebaut  zu  sein  scheint. 

Bemerkungen  zur  Volksdichtekarte  von  Sachsen*). 

Einige  kurze  Bemerkungen  über  die  Herstellung  der  beiliegenden  Volks¬ 
dichtekarte  dürften  beim  Entwurf  ähnlicher  Karten  mit  Nutzen  Verwendung 
finden. 

Über  die  Mittelbachsche  Karte  in  1:120000  wurde  Pauspapier  ge¬ 
spannt  und  über  jede  Ortsmitte  der  zehnte  Teil  der  Einwohnerzahl  (unter 
Ausschlufs  von  Dezimalen)  schwarz  eingeschrieben.  Gröfsere  Städte  und 
lange  Dörfer  wurden  in  Teile  zerlegt  und  nur  diese  Teilzahlen  an  gehöriger 
Stelle  eingetragen.  Hierauf  begann  die  Summierung  der  Nachbareinflüsse; 
deren  Ergebnis  wurde  unter  Zuzählung  des  Zentralortes  als  rote  Zahl  dicht 
unter  die  schwarze  Zahl  geschrieben.  Der  für  den  Zweck  der  Karte  nun 
erforderliche  Genauigkeitsgrad  ergibt  sich  während  der  praktischen  Aus¬ 
führung  der  Arbeit;  dabei  hat  man  sich  stets  zu  vergegenwärtigen,  dafs 
man  nicht  genauer  zu  rechnen  braucht,  als  es  dem  Genauigkeitsgrad  der 
übrigen  graphischen  Manipulationen  entspricht.  Die  bis  hierher  nötigen 
Arbeiten  sind  zumeist  mechanischer  Natur  und  können  durch  geschulte 
Hilfskräfte  ausgeführt  werden. 

Der  Entwurf  der  Dichteschichtlinien  kann  nun  beginnen,  eine  Arbeit 
von  hohem  Beiz,  wenn  sich  unter  der  Hand  die  Volksanhäufungen,  die 
öden .  Intervalle  überraschend  gestalten,  wenn  sich  die  Volkskörperform  in 
immer  klareren  Zügen  herausmodelliert.  Besonders  wertvoll  ist  das  Vor¬ 
handensein  zweier  Zahlen  für  jeden  Ort,  einmal  der  Dichtezahl  für  den 
Ort  allein  und  darunter  der  Zahl  für  den  Ort  einschliefslich  der  Nachbar¬ 
einflüsse.  Die  Bedeutung  der  Doppelzahl  liegt  darin,  dals  die  Führung  der 
Schichtlinien  um  den  Ort  an  allen  Stellen,  wo  Nachbarortskreise  den  Grund¬ 
kreis  nicht  überschneiden,  z.  B.  an  Waldrändern,  sich  lediglich  nach  dem 
Volksmengekegel  für  den  Ort  richtet  und  nur  das  Überschneidungsgebiet, 
also  die  Zone  der  Aufhöhung  der  um  den  Nachbareinflufs  vermehrten  Orts- 
diclitezahl  folgt. 

Eine  oft  wünschenswerte  Hilfe  liefert  auch  die  Erwägung,  dafs  das 
Verfahren  ebenso  wie  für  die  Ortmitten  für  jeden  beliebigen  Zwischenpunkt 
der  Karte  mit  gleichem  Rechte  angewendet  werden  kann,  denn  dieser  Zwischen¬ 
punkt  läfst  sich  als  ein  Ort  von  der  Einwohnerzahl  0  ansehen;  man  mufs 
dann  auch  0  in  der  Karte  schwarz  eintragen  und  darunter  den  ermittelten 
Nachbareinflufs  rot  schreiben.  Namentlich  in  spärlich  besiedelten  Gebieten, 
wo  Zweifel  über  die  Linienführung  auftauchen,  ist  eine  solche  Hilfe  beim 
Entwurf  der  Dichteschichten  sehr  willkommen  und  kaum  zu  entbehren,  da 
man  in  der  Praxis  nicht  Zeit  und  Lust  hat,  sich  die  betreffenden  Kegel¬ 
schnittslinien  tatsächlich  mathematisch  genau  zu  konstruieren. 

Um  das  Überströmen  des  Einflusses  der  Städte  über  die  Aufsengrenze 
des  bewohnten  Stadtgebietes  hinaus  nicht  zu  weit  auszudehnen  und  dadurch 


*)  Die  Karte  ist  von  der  Redaktion  der  Zeitschrift  des  K.  Sächsischen  Statisti¬ 
schen  Bureaus,  der  sie  in  Heft  3/4  des  50.  Jahrganges  1904  einer  näher  auf  die  Ver¬ 
teilung  der  Bevölkerung  Sachsens  eingehenden  Abhandlung  des  Verfassers  beigegeben 
ist,  zur  Veröffentlichung  in  den  Sitzungsberichten  und  Abhandlungen  der  „Isis“  in 
dankenswerter  Weise  überlassen  worden. 


\ 

\ 


48 


das  Volksdichtebild  der  meist  landwirtschaftlichen  Umgebung  zu  trüben, 
wurde  der  Grundkreis  für  alle  Zahlen,  die  Städten  angehörten,  auf  die  Hälfte 
seines  Durchmessers,  also  auf  1,54  Kilometer  herabgesetzt;  infolgedessen  mufste 
bei  der  Schichtlinienkonstruktion  jede  Stadtzahi  mit  4  vervielfältigt  werden. 
Um  sie  kenntlich  zu  machen  wurden  alle  Stadtzahlen  unterstrichen.  Bei 
Ermittelung  des  Nachbareinflusses  auf  Stadtzahlen  mufste  infolgedessen 
getrennt  vorgegangen  werden.  Die  ländlichen  Orte  wurden  für  sich  allein 
behandelt  und  auf  das  so  gewonnene  rein  dörfliche  Dichterelief  das  mit 
halbem  Grundkreis  entwickelte  städtische  Dichterelief  für  jede  einzelne 
Stadt  aufgetürmt,  das  heifst  die  beiden  Dichtezahlen  addiert.  Dies  Ver¬ 
fahren  hat  sich  durchaus  bewährt  und  die  aufgewendete  Mühe  nur  ganz 
unbedeutend  gesteigert. 

In  der  erwähnten,  sehr  leicht  ausführbaren  Kombination  von  Volks¬ 
mengekegeln  verschieden  grofsen  Grundkreises  und  in  der  dadurch  ermög¬ 
lichten  Anpassung  an  verschiedenartige  Verhältnisse  liegt  ebenfalls  eine 
Stärke  des  vorgeschlagenen  Verfahrens. 

Weitere  Verfeinerung  liefse  sich  in  die  Dichtekarte  tragen,  wenn  für 
jeden  Ort  landwirtschaftliche  und  nichtlandwirtschaftliche  Einwohnermenge 
getrennt  vorläge;  dann  würde  man  eine  Dichtekarte  der  rein  agrarischen 
Bevölkerung  entwerfen  und  auf  diese  auf  halbem  oder  noch  kleinerem  Grund¬ 
kreis  die  nichtagrarische  mehr  geschlossen  wohnende  Bevölkerung  aufbauen. 
Wählt  man  einen  solchen  Industriegrundkreis  von  3  Quadratkilometer 
Fläche  und  0,977  Kilometer  Halbmesser  für  die  nichtagrarische  Volksmenge, 
so  würde  die  Volksmengezahl  selbst  ohne  weiteres  die  Volksdichte  im  Mittel¬ 
punkt  des  betreffenden  Orts  anzeigen,  während  die  agrarische  Volksmenge 
auf  den  Normalgrundkreis  von  3,09  Kilometer  Halbmesser  erst  durch  zehn 
geteilt  werden  mufs,  um  die  Volksdichte  zu  erlangen. 

Noch  soll  auf  die  Ableitung  von  Volksdichteprofilen  aus  der  Schicht¬ 
karte  hingewiesen  werden.  Zu  allen  den  Betrachtungen,  die  man  an  einem 
Gebirgsprofil  anstellen  kann,  wird  man  auch  durch  die  Dichteprofile  an¬ 
geregt.  Der  Wert  derartiger  Darstellungen  steigert  sich  sehr  wirksam  durch 
Nebeneinanderstellen  von  Darstellungen  aus  verschiedenen  Jahren  und  Uber¬ 
einanderzeichnen  der  zugehörigen  Volksdichteprofile  in  eine  Figur.  Mit 
Händen  greifen  läfst  sich  dann  der  eigenartige  Vorgang  des  Wachstums 
der  Städte,  der  Industriebezirke,  der  Bahnknotenpunkte,  der  Häfen  und 
andererseits  das  Rücksinken  abgelegener  Gebiete  bis  zur  rein  landwirt¬ 
schaftlichen  Volksdichte.  Auch  die  letztere  wird  man  abhängig  finden  von 
der  Güte  der  Böden,  der  günstigen  Lage. 

Zum  Schlufs  ist  aber  eindringlich  darauf  hinzuweisen,  dafs  vor  prak¬ 
tischer  Anwendung  der  Zeichenmethode  bei  Kartenentwürfen  es  unerläfslich 
ist,  zahlreiche  Vorstudien  als  Skizzen  gröfsten  Mafsstabes  im 
Sinne  der  Fig.  7  zu  entwerfen,  um  sich  über  die  mannigfachen  Formen,  die 
aus  den  Kegelauftürmungen  enstehen,  aus  eigener  Anschauung  Rechenschaft 
zu  geben.  Auch  diese  Vorstudien  entbehren  wegen  der  Eigenartigkeit  des 
Problems  nicht  eines  gewissen  Reizes. 


Taf.  I. 


Volksdichteprofil, 

darunter 

Farbonerklärung  der  Volksdichteschichten. 


Vol  ksdichte-  Schichten  karte 

des 

Königreiches  Sachsen 

nach  der 

Zählung  vom  1.  Dezember  1900. 

Entworfen 

von  H.  Wiechel,  Dresden. 


Die  Volksdichte  wurde  ermittelt 


Grundkreisen: 


a)  für  Landgemeinden 


b)  für  Stadtgemeinden 


Umgegend  von  Dresden 

nach  der  Zählung  vom  3.  Dezember  1846. 


VI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  11.  —  Heger,  R:  Kugel¬ 
koordinaten  und  sphärische  Kegelschnitte  S.  11.  —  Krause,  M. :  Besprechung  neuer 
Literatur  S.  11.  —  Hohn,  K.:  Flächen  mit  vier  Scharen  kongruenter  Parallelkurven 
S.  11.  —  Weinmeister,  Ph.:  Stereometrische  und  kinematische  Modelle  S.  12.  — 
Wiechel,  H.:  Mathematische  Theorie  der  Volksdichtekarten  S.  11. 

TU.  Hauptversammlungen  S.  12.  —  Kassenabschlufs  für  1903  S.  12,  18  und  16.  — 
Voranschlag  für  1904  S.  12.  —  Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  14.  —  Geschenk 
an  die  Bibliothek  S.  12.  —  Conwentz,  H.:  Schutz  der  natürlichen  Landschaft,  ihrer 
Pflanzen-  und  Tierwelt,  vornehmlich  in  Sachsen  S.  13.  —  Dietel,  E.:  Lichtbilder 
aus  China  S.  12.  —  Drude,  0.:  Denkmal  für  M.  J.  Schieiden,  Bedeutung  Schleidens 
für  die  Botanik  S.  12;  neuere  Anschauungen  über  die  Physiologie  der  Befruchtung 
im  Pflanzenreich  S.  13;  Bedeutung  der  ökologischen  Morphologie  und  Pflanzengeo¬ 
graphie  S.  14;  Gründung  eines  Bundes  „Heimatschutz“  S.  13  und  14.’—  Engel¬ 
hardt,  H.:  Geologische  Entwicklung  des  Südwestens  von  Deutschland  S.  13.  — 

•  Hampel,  W.:  Die  chemischen  Elemente  S.  12.  —  Kalkowsky,  E.:  Salzgehalt  des 
Ozeans  S.  14.  —  Naumann,  A.:  Lichtbilder  aus  Dalmatien  und  Bosnien  S.  12.  — 
Ausflug  nach  Meifsen  und  Umgebung  S.  14. 


B.  Abhandlungen. 

Deninger,  K.:  Uber  .europäische  Zwergvölker.  S.  11. 

Petrascheck,  W.:  Über  die  jüngsten  Schichten  der  Kreide  Sachsens.  S.  3. 
Rebenstorff,  H. :  Über  Eigenschaften  der  Kollodium membran.  Mit  4  Abbildungen 
im  Text.  S.  15. 

Schorle r,  B.:  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  im  Jahre  1903.  S.  28. 

Wiechel,  H.:  Volksdichte -Schichtenkarten  in  neuer,  mathematisch  begründeter  Ent¬ 
wurfsart.  Mit  12  Abbildungen  im  Text  und  1  Karte.  S.  35. 


Die  Verfasser  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonderabzüge  unentgeltlich,  eine  gröfsere  Anzahl  gegen  Er¬ 
stattung  der  Herstellungskosten. 


Sitzungskalender  für  1904. 

September.  29.  Hauptversammlung. 

Oktober.  6.  Prähistorische  Forschungen.  13.  Mathematik.  20.  Botanik  und  Zoologie. 
27.  Hauptversammlung. 

November.  3.  Botanik.  10.  Mineralogie  und  Geologie.  17.  Physik,  Chemie  und  Physio¬ 
logie.  24.  Hauptversammlung. 

Dezember.  1.  Zoologie.  8.  Prähistorische  Forschungen.  —  Mathematik.  15.  Botanik. 
22.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs¬ 
berichte  der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch¬ 
handlung  in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8.  . .  1  M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8.  .......  .  ,  .  .  3  M.  —  Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntnis  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5  Tafeln  .  .  .  6  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  1  M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  .  .  .  .  1  M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  .  .  1  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-Dezember  .  .  .  .  .  2  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  .  .  3  1.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869.  Januar -September .  2  1.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Dezember . 3  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte  Jahrgang  1871.  April-Dezember  .  .  .  .  .  3  I.  —  Pf, 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  .  .  .  .  2  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte,  Jahrgang  1873  bis  1878,.  pro  Jahrgang  .  .  4M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni  ......  2  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-Dezember  .  .  .  .  .  3  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1881  bis  1884, 

1886  bis  1903,  pro  Jahrgang  .  .  .  .  .  .  .  .  .  5  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  .  .  .  .  2  M.  50  Pf. 


Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jalirg.  1904.  Januar- Juni  2  M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proz.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs¬ 
berichte  der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Sekretär  der  Gesell¬ 
schaft,  d.  Z.  Hofrat  Prof.  Dr.  Beichmüller,  Dresden- A.,  Zwingef- 
gebäude,  K.  Mineral.- geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmäfsige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus¬ 
wärtige  Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3  Mark  zur  Vereins¬ 
kasse  oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittiert  wird. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden.